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Wirtschaft | - keine Angabe -


Nachricht vom 09.09.2019 - 22:18 Uhr    

Selbstständigkeit weiterhin beliebt: Wer überlegt vorsorgt, vermeidet finanzielle Engpässe

Die Zahl der Menschen ohne Beschäftigung sinkt weiterhin, die Nachfrage nach Fachkräften bleibt stabil. Ist das Wagnis Selbstständigkeit angesichts der guten Lage auf dem Arbeitsmarkt überhaupt noch lohnenswert? Immerhin wurde dieses Modell von Arbeitsmarktexperten lange als Ausweg aus bestehender oder drohender Arbeitslosigkeit angepriesen.

Photo on Pixabay

Es sind auch für den Westerwald-Kreis erfreuliche Zahlen. Nur noch 2,7 Prozent betrug der Anteil an Arbeitslosen im Mai dieses Jahres. Gleichzeitig ist die Gründerszene im Bundesland ausgesprochen rege. Denn trotz eines hohen Angebots an sozialversicherungspflichtigen Vollzeitstellen übt die Idee, sein eigener Chef zu sein und eigene Projekte umzusetzen, eine hohe Faszination aus.

Was jedoch bei den meisten selbstständigen Berufen fehlt, ist die soziale Absicherung. Viele Junggründer werden dies erst einmal als Segen empfinden, schließlich reduzieren die Beiträge zur Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung das Bruttogehalt bei einer Anstellung spürbar. Doch diese Freiheit trügt in zweierlei Hinsicht. Zum einen sind für Selbstständige nicht alle Zweige der Sozialversicherung optional, zum anderen ist eine Absicherung etwa für den Ruhestand unumgänglich.

Verpflichtend sind weiterhin die Kranken- und die Pflegeversicherung. Selbstständige können allerdings wählen, ob sie einen Vertrag mit einer gesetzlichen oder einer privaten Krankenkasse abschließen. Beide Varianten haben ihre Vor- und Nachteile: Die private Krankenversicherung ist zu Vertragsbeginn meist vergleichsweise günstig, allerdings können sich die Beiträge im Laufe der Zeit deutlich erhöhen. In der gesetzlichen Krankenversicherung sind die Beiträge vergleichsweise teuer, was unter anderem daran liegt, dass Selbstständige sowohl den Arbeitnehmer- als auch den Arbeitgeberanteil zahlen. Dafür lassen sich bei einer gesetzlichen Krankenkasse Familienangehörige kostenfrei mitversichern, was bei den privaten Anbietern nicht möglich ist.

Beim Abwägen der Argumente für oder gegen eine selbstständige Tätigkeit ist ein weiterer Aspekt zu berücksichtigen: Welche Kosten sind im Krankheitsfall aus eigener Tasche zu zahlen? Für viele Heilmittel, Therapien und Untersuchungen ist ein Eigenanteil zu tragen. Für alternative Heilverfahren oder Zahnersatz gibt es auf dem Markt inzwischen zahlreiche Zusatzversicherungen. Der Eigenanteil für zahnärztliche oder kieferorthopädische Behandlungen beispielsweise lässt sich mit einem entsprechenden Tarif verringern. Eine Zahnzusatzversicherung ist vor allem dann sinnvoll, wenn der Gewinn noch nicht so hoch ist, dass sich daraus Rücklagen für hochpreisige Behandlungen bilden lassen.

Fast noch wichtiger ist jedoch eine Ausfallversicherung für den Fall, dass man längerfristig erkrankt. Während Angestellte noch für sechs Wochen ihr Gehalt und anschließend das Krankengeld erhalten, reduziert sich das Einkommen von Selbstständigen auf null, sofern sie nicht entsprechend vorgesorgt haben. Das Krankengeld der gesetzlichen Krankenversicherung bzw. eine private Krankentagegeldversicherung ist aus diesem Grund ein sinnvoller Zusatzbaustein.

Weitere wichtige Vorsorgebausteine, für die Selbstständige allein aufkommen müssen, sind eine Berufsunfähigkeitsversicherung sowie die private Altersvorsorge; für Letztere kommen unter anderem die Rürup-Rente, private Rentenversicherungen oder Fondssparen infrage. Selbstständige sollten sich vor der Entscheidung für eine Anlageform sorgfältig erkundigen, ob auf den späteren Auszahlbetrag Steuern oder Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung fällig werden. Zumindest können sie die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung, Krankenzusatzversicherungen sowie einige Aufwendungen für ihre Altersvorsorge steuerlich geltend machen.

Bereits mit diesen Versicherungen kommt monatlich eine stattliche Summe zusammen. Gründungswillige sollten sich daher nicht von hohen Honoraren blenden lassen, sondern genau kalkulieren, wie hoch ihre laufenden Kosten für sämtliche Bereiche der Vorsorge sind. Auch sind stets Zeiten mit wenigen oder gar keinen Aufträgen einzukalkulieren, die es zu überbrücken gilt.

Eine selbstständige Berufstätigkeit ist demnach kein Garant für ein hohes Einkommen, auch wenn sie oft als wesentlich erfüllender als ein abhängiges Beschäftigungsverhältnis erlebt wird.



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