Werbung

Wirtschaft | - keine Angabe -


Nachricht vom 09.09.2019    

Selbstständigkeit weiterhin beliebt: Wer überlegt vorsorgt, vermeidet finanzielle Engpässe

Die Zahl der Menschen ohne Beschäftigung sinkt weiterhin, die Nachfrage nach Fachkräften bleibt stabil. Ist das Wagnis Selbstständigkeit angesichts der guten Lage auf dem Arbeitsmarkt überhaupt noch lohnenswert? Immerhin wurde dieses Modell von Arbeitsmarktexperten lange als Ausweg aus bestehender oder drohender Arbeitslosigkeit angepriesen.

Photo on Pixabay

Es sind auch für den Westerwald-Kreis erfreuliche Zahlen. Nur noch 2,7 Prozent betrug der Anteil an Arbeitslosen im Mai dieses Jahres. Gleichzeitig ist die Gründerszene im Bundesland ausgesprochen rege. Denn trotz eines hohen Angebots an sozialversicherungspflichtigen Vollzeitstellen übt die Idee, sein eigener Chef zu sein und eigene Projekte umzusetzen, eine hohe Faszination aus.

Was jedoch bei den meisten selbstständigen Berufen fehlt, ist die soziale Absicherung. Viele Junggründer werden dies erst einmal als Segen empfinden, schließlich reduzieren die Beiträge zur Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung das Bruttogehalt bei einer Anstellung spürbar. Doch diese Freiheit trügt in zweierlei Hinsicht. Zum einen sind für Selbstständige nicht alle Zweige der Sozialversicherung optional, zum anderen ist eine Absicherung etwa für den Ruhestand unumgänglich.

Verpflichtend sind weiterhin die Kranken- und die Pflegeversicherung. Selbstständige können allerdings wählen, ob sie einen Vertrag mit einer gesetzlichen oder einer privaten Krankenkasse abschließen. Beide Varianten haben ihre Vor- und Nachteile: Die private Krankenversicherung ist zu Vertragsbeginn meist vergleichsweise günstig, allerdings können sich die Beiträge im Laufe der Zeit deutlich erhöhen. In der gesetzlichen Krankenversicherung sind die Beiträge vergleichsweise teuer, was unter anderem daran liegt, dass Selbstständige sowohl den Arbeitnehmer- als auch den Arbeitgeberanteil zahlen. Dafür lassen sich bei einer gesetzlichen Krankenkasse Familienangehörige kostenfrei mitversichern, was bei den privaten Anbietern nicht möglich ist.

Beim Abwägen der Argumente für oder gegen eine selbstständige Tätigkeit ist ein weiterer Aspekt zu berücksichtigen: Welche Kosten sind im Krankheitsfall aus eigener Tasche zu zahlen? Für viele Heilmittel, Therapien und Untersuchungen ist ein Eigenanteil zu tragen. Für alternative Heilverfahren oder Zahnersatz gibt es auf dem Markt inzwischen zahlreiche Zusatzversicherungen. Der Eigenanteil für zahnärztliche oder kieferorthopädische Behandlungen beispielsweise lässt sich mit einem entsprechenden Tarif verringern. Eine Zahnzusatzversicherung ist vor allem dann sinnvoll, wenn der Gewinn noch nicht so hoch ist, dass sich daraus Rücklagen für hochpreisige Behandlungen bilden lassen.

Fast noch wichtiger ist jedoch eine Ausfallversicherung für den Fall, dass man längerfristig erkrankt. Während Angestellte noch für sechs Wochen ihr Gehalt und anschließend das Krankengeld erhalten, reduziert sich das Einkommen von Selbstständigen auf null, sofern sie nicht entsprechend vorgesorgt haben. Das Krankengeld der gesetzlichen Krankenversicherung bzw. eine private Krankentagegeldversicherung ist aus diesem Grund ein sinnvoller Zusatzbaustein.

Weitere wichtige Vorsorgebausteine, für die Selbstständige allein aufkommen müssen, sind eine Berufsunfähigkeitsversicherung sowie die private Altersvorsorge; für Letztere kommen unter anderem die Rürup-Rente, private Rentenversicherungen oder Fondssparen infrage. Selbstständige sollten sich vor der Entscheidung für eine Anlageform sorgfältig erkundigen, ob auf den späteren Auszahlbetrag Steuern oder Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung fällig werden. Zumindest können sie die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung, Krankenzusatzversicherungen sowie einige Aufwendungen für ihre Altersvorsorge steuerlich geltend machen.

Bereits mit diesen Versicherungen kommt monatlich eine stattliche Summe zusammen. Gründungswillige sollten sich daher nicht von hohen Honoraren blenden lassen, sondern genau kalkulieren, wie hoch ihre laufenden Kosten für sämtliche Bereiche der Vorsorge sind. Auch sind stets Zeiten mit wenigen oder gar keinen Aufträgen einzukalkulieren, die es zu überbrücken gilt.

Eine selbstständige Berufstätigkeit ist demnach kein Garant für ein hohes Einkommen, auch wenn sie oft als wesentlich erfüllender als ein abhängiges Beschäftigungsverhältnis erlebt wird.



Interessante Artikel





Aktuelle Artikel aus der Wirtschaft


BfDI verhängt Geldbuße gegen 1&1 Telecom GmbH in Millionenhöhe

Montabaur. Zur Begründung wird genannt, das Unternehmen hatte keine hinreichenden technisch-organisatorischen Maßnahmen ergriffen, ...

„evm mit Herz“ unterstützt die neue Bücherei in Roßbach/WW

Roßbach. Das wollte Harald Satorius gerne unterstützen. So reichte der Teamleiter der Kundenbetreuung bei der Energieversorgung ...

Neueröffnung Nähstübchen in Bad Marienberg

Bad Marienberg. Für das Jahr 2020 ist eine Vielzahl an Kursangeboten geplant. Tagsüber kann man sich zum Nähtreff anmelden. ...

Personalsituation im Gastgewerbe spitzt sich zu

Koblenz. „Der sogenannte Klimaindex, der sich aus der Geschäftslage des Vorjahres und den Erwartungen an die nächste Saison ...

Steuerliche Erstberatung für Existenzgründer im Dezember

Montabaur. Existenzgründer aus dem Rhein-Lahn-Kreis und dem Westerwaldkreis können ein Gespräch von maximal 60 Minuten mit ...

Clowndoktoren freuen sich über großzügige Spende

Limburg. Das Food-Service Unternehmen „CHEFS CULINAR“ spendete zu Beginn der Adventszeit die stolze Summe von 1.000 Euro ...

Weitere Artikel


Großes Lesesommer-Abschlussfest der Stadtbücherei Hachenburg

Hachenburg. Zu Beginn der Veranstaltung begrüßte Büchereimitarbeiterin Ute Fährmann die Lesesommer-Teilnehmer und stellte ...

40 Jahre Altstädter Dorfmusikanten

Hachenburg. Am Sonntag, den 22. September laden die Altstädter Dorfmusikanten ab 11 Uhr zu einem Frühschoppen mit den Original ...

Zehn Jahre Ganztagsschule an der Grundschule in Nentershausen

Nentershausen. „Ein Geburtstagskind muss gefeiert werden“ findet die Schulleiterin Cornelia Nagel-Schlitt und hatte zu einer ...

„fit4future Teens“ im Westerwald: Schulen können sich bewerben

Montabaur/Westerwald. Das bundesweite Präventionsprogramm „fit4future Teens“ startete zum neuen Schuljahr und noch können ...

Initiative „Hachenburg Plastikfrei“ empfiehlt Taschentücher aus Bambusfasern

Hachenburg. Das muss nicht sein, sagt die Initiative Hachenburg Plastikfrei und schlägt als eine mögliche Alternative zu ...

Wie das Grundgesetz das gute Miteinander von Kirche und Staat regelt

Westerburg. Eröffnet vom virtuosen Spiel des Organisten Mathias Donath, blickt zunächst der Westerburger Pfarrer Eckehard ...

Werbung