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Nachricht vom 10.03.2021    

Erste Blume des Jahres für Wiesenknopf-Ameisenbläulinge gepflanzt

Den Großen Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis) würden viele Menschen wahrscheinlich gar nicht als klassische Blume wahrnehmen. Trotzdem hat die Hamburger Loki-Schmidt-Stiftung die Pflanze zur Blume des Jahres 2021 gekürt.

Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Maculinea nausithous) auf einer Blüte des Großen Wiesenknopfes (Sanguisorba officinalis) Bildautor: SNU/Archivfoto

Asbach/Region. Die über der Wiese wippenden rotbraunen Blütenköpfe bieten nämlich vielen Insekten eine Nahrungsgrundlage und die Pflanze steht stellvertretend für ihren Lebensraum. Extensiv bewirtschaftete Feuchtwiesen werden in unserer Kulturlandschaft immer seltener und damit auch die Großen Wiesenknöpfe. Für viele Insekten mag es andere Nektarpflanzen geben, nicht jedoch für die beiden gefährdeten Schmetterlingsarten Heller und Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Maculinea teleius und M. nausithous). Die Falter sind so eng an ihre Wirtspflanze gebunden, dass sie ohne deren Vorkommen nicht überleben können. Mit dem Rückgang der extensiven Grünländer verschwindet so auch die Nahrungsgrundlage für die Bläulinge und ihre Raupen. Wir berichteten über die Ernennung.

Um dem entgegenzuwirken und die Bestände der Schmetterlinge wieder zu stärken hat die Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz (SNU) im März 2020 mit der Umsetzung eines Artenschutzprojekts für die Wiesenknopf-Ameisenbläulinge begonnen. In den Landkreisen Ahrweiler, Altenkirchen, Neuwied und dem Westerwaldkreis sollen verschiedene Maßnahmen zum Schutz der unscheinbaren Falter umgesetzt werden.

Der kooperative Ansatz des Projektes erfreut auch Staatsministerin Anne Spiegel: „Nur in Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft und weiteren regionalen Akteurinnen und Akteuren wie den Naturschutzverbänden können die Bestände der Schmetterlinge ausreichend gesichert werden.“ Nicht nur die beiden Schmetterlinge, sondern auch viele weitere Arten könnten von den Maßnahmen profitieren, so Spiegel weiter.

Die SNU führt das Projekt innerhalb der Umsetzung der Bewirtschaftungspläne in den NATURA 2000-Gebieten des Landes durch. Die Maßnahmenumsetzung wird zum größten Teil aus Mitteln des rheinland-pfälzischen „Entwicklungsprogramms Umweltmaßnahmen, Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft, Ernährung“ (EULLE) auch durch die Europäische Union gefördert.

Im Rahmen des Projektes wurden am vergangenen Sonntag erste Pflanzen des Wiesenknopfes auf einer Wiese nahe des bedeutendsten Vorkommens im Landkreis Neuwied gepflanzt. Die Fläche gehört dem Arbeitskreis Natur- und Umweltschutz Asbacher Land e.V. (ANUAL e.V.). Der Verein ist schon seit Jahrzehnten im regionalen Natur- und Umweltschutz mit zahlreichen Projekten sehr erfolgreich aktiv und unterstützt das Artenschutzprojekt seit der ersten Stunde. „Wir sind sehr froh in Neuwied einen so aktiven und kompetenten Partner an unserer Seite zu haben“ so Leah Nebel, Projektleitung des SNU-Projektes.

Auch die Pflanzen haben eine regionale Herkunft. Sie wurden über Jahre von der Biologischen Station im Rhein-Sieg-Kreis e.V. gezogen und konnten kurzfristig für die Pflanzaktion bereitgestellt werden. Die Biostation arbeitet bereits seit vielen Jahren zum Schutz der beiden Bläulingsarten, regte die länderübergreifende Initiative an und führt das Partnerprojekt auf nordrhein-westfälischer Seite durch, sodass wie hier grenzübergreifende Vorkommen in enger Zusammenarbeit gesichert werden können. Das nordrhein-westfälische Projekt wird von der Nordrhein-Westfalen-Stiftung Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege gefördert.



Mit Spaten und Setzlingen ausgerüstet, konnten die Vertreter/innen der beteiligten Institutionen so am vergangenen Sonntag in einer gemeinsamen Aktion die ersten Pflanzen in die Erde bringen. „Vielleicht muss in den nächsten Tagen noch ein wenig mit Wasser nachgeholfen werden, damit die Pflanzen erfolgreich anwachsen können“, erklärt Linda Müller, ebenfalls Projektmitarbeiterin der SNU.

Schon im Sommer wird zu sehen sein, ob die Pflanzaktion erfolgreich war. Vielleicht wandern in einigen Monaten auch schon die ersten Bläulinge von der nahe gelegenen Population an der B8 zur neu bepflanzten Fläche und krönen damit den Erfolg der Aktion.

Hintergrund Arten
Die beiden Tagfalterarten Heller und Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Maculinea teleius und M. nausithous) kommen in wechselfeuchten Wiesen vor und pflegen einen sehr komplexen Lebenszyklus, der sich um ihre Wirtsarten dreht. Das Vorkommen ihrer Wirtspflanze, dem Großen Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis) und ihrer Wirtsameisenarten, der Rotgelben- und der Trockenrasen-Knotenameise (Myrmica rubra und M. scabrinodis) ist für die beiden Schmetterlinge überlebenswichtig. Zum einen ernähren sich die erwachsenen Falter überwiegend vom Wiesenknopf-Nektar, paaren sich auf seiner Blüte und legen ausschließlich hier ihre Eier ab, zum anderen ernährt sich auch die frisch geschlüpfte Raupe von der Wiesenknopfblüte.

Anschließend wird sie von den Ameisen eingesammelt, in den Ameisenbau gebracht und kann hier überwintern, indem sie sich im geschützten Bau von der Ameisenbrut ernährt. Sie verpuppt sich schließlich noch im Ameisennest und der Falter verlässt nach dem Schlupf im Sommer den Bau um in die sehr kurze Phase als adulter Schmetterling zu starten.

Aufgrund dieser äußerst spezialisierten Lebensweise sind die Wiesenknopf-Ameisenbläulinge auf eine extensive Bewirtschaftung von Mähwiesen und -weiden angewiesen. Diese ist in der Vergangenheit allerdings vielerorts intensiviert worden, wodurch die Bestände der Bläulinge in unserer Kulturlandschaft oft stark zurückgegangen sind. Damit sind nicht nur sie (stark) gefährdet, sondern auch viele weitere Tier- und Pflanzenarten, die ebenfalls auf extensive Grünlandflächen angewiesen sind. In Deutschland - unter anderem im nördlichen Rheinland-Pfalz - befinden sich noch europäische Schwerpunktvorkommen der bedrohten Tagfalter. (PM)



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