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Nachricht vom 26.02.2021    

Westerwälder Keramik - Tradition in Zukunft

Auf die Frage, was Menschen mit dem Westerwaldkreis verbinden, werden neben Mittelgebirge, kaltem Wind und „Basaltköppen“ auch Ton und das Kannenbäckerland genannt.

Keramik – Tradition in Zukunft. Fotos: wfg Westerwald

Region. Und das stimmt. Die Keramik hat hier durch den Westerwälder Ton, auch das „weiße Gold“ genannt, eine natürliche und lange Tradition, die auch heute noch, zum Beispiel auf Töpfer- und Keramikmärkten oder in Werkstätten und Ateliers, lebendig und erlebbar ist. Dass die traditionelle Töpferei aber nur einen Bereich der Keramik darstellt und dieser Werkstoff zahlreiche innovative Anwendungsfelder und Verarbeitungstechniken umfasst, ist noch wenigen wirklich bewusst.

„Ich glaube, dass kaum jemandem, der keine beruflichen oder privaten Berührungspunkte hat, die ganze Bandbreite der Keramik bekannt ist“, meint Katharina Schlag, Geschäftsführerin der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Westerwaldkreis mbH (wfg). „Daher haben wir diese anderen Bereiche zum Mittelpunkt einer zehnteiligen Kampagne gemacht, in der wir die verschiedenen, hier ansässigen Bildungs- und Forschungseinrichtungen rund um Keramik, Feuerfest und Glas vorstellen“, erläutert sie die Intention der am 11. März 2021 startenden Kampagne weiter.

Das „Epizentrum“ der Keramischen Kompetenz ist Höhr-Grenzhausen, mit zwölf unterschiedlichen Einrichtungen. Diese haben sich im Bildungs- und Forschungszentrum Keramik e.V. (BFZK) zusammengeschlossen. Dieser hat es sich zur Aufgabe gemacht, über die vielseitigen Einsatzmöglichkeiten des Werkstoffes Keramik und die damit verbundenen Berufschancen und Innovationspotentiale zu informieren. Die Mitgliedsinstitutionen haben ein einmaliges Konzept ins Leben gerufen, das Bildung, Forschung und Wirtschaft, sowohl technisch als auch künstlerisch, verbindet und durchlässig macht. So ist es in Höhr-Grenzhausen möglich, von der Erstausbildung im keramischen Bereich bis hin zum Doktorgrad in der Werkstofftechnik alle Facetten der beruflichen Bildung zu durchlaufen. Eine Besonderheit zeigt sich in der engen Verzahnung der Ausbildungsinhalte.

Keramik - Berufsbilder mit zukunftssicheren Perspektiven
Die Berufsbildende Schule Montabaur- Außenstelle Keramik vermittelt, in dualer Partnerschaft mit den Ausbildungsbetrieben, die theoretischen Kenntnisse für sechs keramische Berufe (technisch und handwerklich). Angehende Industriekeramiker mit unterschiedlichen Schwerpunkten, Keramiker im Handwerk und Prüftechnologen aus verschiedenen Bundesländern werden in den Fachklassen unterrichtet.

Eine Weiterqualifizierung zum staatlich geprüften Keramikgestalter oder Keramiktechniker kann an der Staatlichen Fachschule für Keramik, als modulare Ausbildung in Vollzeit oder berufsintegriert, erworben werden. Thematisch in sich abgeschlossene Module, flexible Unterrichtskonzepte sowie das BFZK-Netzwerk ermöglichen ein Höchstmaß an individueller Entwicklung und Praxisorientierung.

An der Hochschule Koblenz am WesterWaldCampus bietet der anwendungsbezogene Bachelor-Studiengang Werkstofftechnik Glas und Keramik (B.Eng.), der auch praxisintegriert dual absolviert werden kann, die Basis für eine Tätigkeit im Ingenieursumfeld. Der Ausbildungsgang orientiert sich an dem modernen Berufsbild der Werkstoffwissenschaft und der Verfahrenstechnik und umfasst weite industrielle Bereiche der Keramik, des Glases sowie verwandte Gebiete (Rohstoffe, Additive, Maschinen- und Ofenbau) und der Metallurgie.

Mit dem Master of Engineering (M.Eng.) Ceramic Science and Engineering in Kooperation mit dem Institut für Integrierte Naturwissenschaften der Universität Koblenz-Landau, wird dieser Studiengang erweitert. Dank der Hochschul-Kooperation wird den Master-Absolventen somit auch eine Promotion in der Werkstofftechnik ermöglicht.

Keramik - Kunst mit internationalem Ansehen
Am bundesweit einzigartigen Institut für Künstlerische Keramik und Glas (IKKG) der Hochschule Koblenz werden die Werkstoffe Keramik und Heißglas als künstlerische Ausdrucksmittel und aktuelle Positionen in der Kunst gelehrt. Die Ausbildung von eigenständigen künstlerischen Persönlichkeiten, die einen relevanten Beitrag zur zeitgenössischen Bildenden Kunst leisten können, erfolgt in kleinen Gruppen mit intensiver und individueller Betreuung.

Studierende aus circa zehn Nationen belegen, dass die Abschlüsse Bachelor/Master of Fine Arts am über ein hohes internationales Ansehen verfügen. Auch hier sind die Promotion an kooperierenden Universitäten und die Laufbahn des höheren Dienstes (Professur, Lehramt an Gymnasien) mögliche Perspektiven.



Den Stellenwert der Keramik verdeutlicht das Keramikmuseum Westerwald. Auf etwa 2.500 Quadratmetern Ausstellungsfläche zeigt das insgesamt fast 5.000 Quadratmeter große Keramikmuseum Arbeiten aus der mehr als fünf Jahrhunderte währenden Geschichte der Keramik. Neben der permanent ausgestellten Sammlung salzglasierten Steinzeugs präsentieren sich hier, zum Beispiel im Rahmen nationaler wie internationaler Wettbewerbe und Sonderausstellungen, renommierte Künstler und Künstlerinnen aus der ganzen Welt. Eine Fachbibliothek und Sammlung mit circa 14.000 Objekten, Kooperationen mit anderen Museen, Konzerte, Kolloquien, Workshops, Führungen und zahlreiche Angebote im Rahmen der Museumspädagogik - mit diesen Angeboten und den Kontakten in alle Welt verstärkt das Keramikmuseum das regionale Netzwerk mit fachübergreifendem Austausch in Bildung und Weiterbildung in allen Aspekten der Keramik.

Keramik - Forschung mit innovativen Zukunftsvisionen!
In wie vielen Bereichen der Werkstoff Keramik bereits eingesetzt wird, wird anhand der unterschiedlichen Themengebiete am Forschungsinstitut Glas | Keramik - GmbH (FGK) und European Centre for Refractories gGmbH (ECREF) deutlich.

Das FGK bearbeitet mit der Rohstoff- und Keramikindustrie anwendungsnahe Forschungs- und Entwicklungsprojekte. Seit seiner Gründung 1986 vom Land Rheinland-Pfalz und dem Westerwaldkreis wurden die Projekte im Zuge der Internationalisierung der Industrieaktivitäten auf eine europäische Dimension erweitert. Mit akkreditierten Prüfdienstleistungen und Beratungen auf dem Gebiet der Prozessoptimierung, der Energieeinsparung und der Einführung von Managementsystemen ist das FGK ein wichtiger Dienstleistungspartner der Industrie.

Zu den Schwerpunkten des FGK zählen neben der Entwicklung funktioneller Keramikoberflächen oder elektrisch leitfähiger Metall-Keramik-Verbundwerkstoffe auch Projekte zur Energieeinsparung über die Entwicklung neuartiger LED-Beleuchtungstechnologien auf keramischer Basis und über die Ausschussreduzierung in der keramischen Produktion.

Additive Fertigungsverfahren gelten als zukunftsweisende Querschnitts- und Schlüsseltechnologien für fast alle Branchen, daher ist eines der bedeutendsten Projekte das, gemeinsam mit der Hochschule Koblenz und der Universität Koblenz-Landau betriebene Kompetenzzentrum zur additiven Fertigung anorganischer-nichtmetallischer Werkstoffe (3DK), dessen Aufgabe unter anderem darin besteht, aktuelle 3D-Druckverfahren an die Vielzahl von Werkstofftypen anzupassen.

Das ECREF ist das bestehende Netzwerk aus dem Verband der Deutschen Feuerfest-Industrie (VDFFI), der Forschungsgemeinschaft Feuerfest e.V. (FGF) und der Deutsches Institut für Feuerfest und Keramik GmbH (DIFK) sowie der European Centre for Refractories gGmbH (ECREF). Seine Aufgaben liegen in der Kooperation, Beratung und Planung, um alle relevanten Zukunftsfragen der Feuerfest-Industrie wie Administration, Politik, Aus- und Weiterbildung, Wissenschaft und Forschung sowie Service und Dienstleistungen auf nationaler und europäischer Ebene zu diskutieren und zu lösen.

Die in Höhr-Grenzhausen verfügbare Kompetenz und Infrastruktur auf den Gebieten Glas, Keramik und Feuerfest kommt auch Existenzgründern und (Jung-)Unternehmern zu Gute, die sich im CeraTechCenter - Technologie- und Gründerzentrum für keramische Werkstoffe (CTC) ansiedeln. Abgesehen von branchenspezifischem Know-how wird hier auch betriebswirtschaftliche Unterstützung angeboten. Zudem siedelte sich in den Räumen des CTC auch das oben beschriebene Kompetenzzentrum zur additiven Fertigung anorganischer-nichtmetallischer Werkstoffe (3DK) an. Weitere Betriebe, die der additiven Fertigung aus den Bereichen Metall, Kunststoff und Keramik zugehören, sind hier ebenfalls ansässig.

Schon anhand dieser groben Übersicht, lässt sich erahnen, wie abwechslungsreich und zukunftsweisend die Bereiche Keramik, Feuerfest und Glas sind. Die Kampagne „Keramik – Tradition in Zukunft“ wird dies noch vertiefen und in diesem Zusammenhang auch die „Wäller Spitzen der Keramik“ auf der Homepage und den Social-Media-Kanälen der wfg zu Wort kommen lassen.

Weitere Informationen erhalten Sie auf www.wfg-ww.de oder unter 02602 124-333. (PM)


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