Werbung

Nachricht vom 16.02.2021    

Leiter von Intensivstation: „Der nächste Schlag ins Gesicht“

Von Daniel-David Pirker

Im Dezember hatte Dirk Lang einen ausführlichen Facebook-Beitrag geteilt, der eine riesige Resonanz-Welle ausgelöst hatte. Nun gab der Leiter der Hachenburger Intensivstation erneut einen Einblick in den Alltag seiner Einrichtung, der auf großes Interesse stieß. Die Kuriere sprachen mit ihm.

Fotos: Dirk Lang (rechtes Bild aus Vor-Corona-Zeiten)

Hachenburg/Region. Den Termin für das vereinbarte Gespräch mit den Kurieren musste Dirk Lang verschieben. Kurzfristig musste er für eine Kollegin den Nachtdienst übernehmen, wie der Leiter der Hachenburger Intensivstation erklärt. Die Extraschichten seien kein Einzelfall – im Gegenteil. Gerade der Nachtdienst sei ein Problem.

Der gut vernetzte Krankenhausmitarbeiter berichtet zwar, dass die Belegungen von Corona-Patienten in den Intensivstationen tendenziell nach unten zeigten. Doch in Hachenburg ziehe die Belastung wieder an. Dirk Lang rechnet damit, dass sich dieser Trend verfestigt. Der Grund: Die Mutationen des Corona-Virus, die ansteckender sind. Momentan seien die Hälfte der Betten seines Bereichs mit Covid-19-Patienten belegt, die immer schwer krank und damit hochgradig betreuungsintensiv seien.

Letztlich erledigten die kleinen Kliniken wie Hachenburg die gleiche Arbeit wie die großen Einrichtungen mit der Ausnahme eines Lungenersatzverfahrens (ECMO). Die Arbeitsbelastung sei also immer noch immens für ihn und sein Team. Die Corona-Patienten müssten mittlerweile zusätzlich zum Regelbetrieb versorgt werden. Hinzu kommt: Die im ersten Lockdown aufgeschobenen OP-Termine würden nun nachgeholt. Das ganze System stünde dadurch vor dem „Überlaufen“.

Langs Zwischenfazit: „Im Großen und Ganzen hat alles ganz gut funktioniert – aber nur dank des Ausnahme-Einsatzes des Personals. Die Mitarbeiter wünschen sich, irgendwann wieder in normales Fahrwasser zu kommen.“ Seit 30 Jahren ist Dirk Lang in der Intensivmedizin tätig. Schon zu seinen Berufsanfängen habe es einen Mangel an Fachmitarbeitern gegeben. Seinen Arbeitgeber nimmt er hier in Schutz. Man versuche neues Personal anzustellen, doch der Markt sei schlicht leergefegt. Gerade Nachwuchskräfte seien schwer aufs Land zu locken. In Hachenburg könne man insofern zufrieden sein, da es gelungen sei, jüngere Pfleger aus dem Siegerland oder dem Rheinland anzulocken. Seine Intensivstation sei noch vergleichsweise gut besetzt, auch wenn man sich natürlich immer mehr Unterstützung wünsche.

Bereits Ende 2020 berichteten die Kuriere über den ersten Facebook-Beitrag von Lang über die Corona-Lage auf der Hachenburger Intensivstation. Hier lesen...

Doch diese Einschätzung darf nicht über das hinwegtäuschen, was Lang nun in einem neuen Facebook-Post anprangerte. Darin schrieb er: „Wir haben bis heute keine Prämie erhalten, die unzähligen Überstunden werden besteuert oder für kleines Geld ausgezahlt. Und jetzt der nächste Schlag ins Gesicht.“ Damit zielt der Leiter der Intensivstation auf die Impfsituation für das Personal ab. Ein Hoffnungsschimmer hätte die zugesagte Versorgung mit den hochwirksamen Impfstoffen von Biontech oder Moderna sein können, erklärt er den Kurieren. Immerhin waren er und seine Mitarbeiter„massiv Aerosolen ausgesetzt, haben abgesaugt, bronchoskopiert , das alles in wasserdichter Schutzkleidung und FFP 3 Maske. Nonstop im Dreischichtbetrieb und wenig Personal. 365 Tage/ 24h“, wie er auf Facebook anschaulich beschrieb.



Doch laut der Impfverordnung des Bundes-Gesundheitsministeriums sollen nun die 18- bis 64-jährigen Krankenhausmitarbeiter bis auf Weiteres mit dem Vektorimpfstoff von Astra Zeneca geimpft werden. Nachweislich wirke dieser Impfstoff deutlich schlechter und greife nur unzureichend bei den Mutationen, mit denen in den nächsten Wochen zu rechnen sei.

Ärgerlich sei zudem, dass sich einige Krankenhausträger frühzeitig Biontech-Impfstoffe gesichert hätten. Wie auch immer das vonstattengegangen sei. Jedenfalls greife der Solidaritätsgedanke nicht und es seien Mitarbeiter aus Verwaltung und medizinfremden Bereichen geimpft worden. Seiner Meinung nach hätte man in den Kliniken zunächst alle Mitarbeiter impfen sollen, die in den kritischen Bereichen arbeiten, also Notaufnahme, Intensivstation und Isolierstation. „Wir sind enttäuscht und frustriert. Das passt nicht, Herr Spahn, wie so vieles nicht“, heißt es abschließend in seinem Facebook-Post.

Dirk Lang ergänzt den Kurieren gegenüber, dass er sich gewünscht hätte, übrig gebliebenen Impfstoff solidarisch unter den Einrichtungen zu verteilen. Lange mussten seine Mitarbeiter auf den immunisierenden Piks warten. Nun, in dieser Woche, stünde lediglich Astra-Zeneca-Wirkstoff zur Verfügung. Noch vor kurzem habe die Impfbereitschaft seines Teams bei 90 Prozent gelegen. Nun sei sie aus Frust auf 0 Prozent gesunken. Den Mitarbeitern bleibe nichts anderes übrig, als die Faust in der Tasche zusammenzuballen und sich das schlechter wirkende Serum spritzen zu lassen. Sein demoralisierendes Fazit: „Es bleibt ein fader Beigeschmack.“ (ddp)


Mehr dazu:   Coronavirus  
Lokales: Hachenburg & Umgebung

Jetzt Fan der WW-Kurier.de Lokalausgabe Hachenburg auf Facebook werden!


Anmeldung zum WW-Kurier Newsletter


Mit unserem kostenlosen Newsletter erhalten Sie täglich einen Überblick über die aktuellen Nachrichten aus dem Westerwaldkreis.

» zur Anmeldung



Aktuelle Artikel aus der Politik


Politischer Dialog: Ministerpräsidentin Malu Dreyer zu Gast in Wirges

Wirges. Die Veranstaltung "Triff Malu Dreyer" der SPD Rheinland-Pfalz findet am 3. Juni 2024 um 18 Uhr im Bürgerhaus Wirges ...

Hachenburg tritt Initiative für mehr Gestaltungsspielraum zu Tempo-30-Beschränkungen bei

Hachenburg. Derzeit legt §45 der Straßenverkehrsordnung fest, dass Tempo 30 nur bei konkreten Gefährdungen und vor bestimmten ...

Bündnis 90/Die Grünen präsentiert Kandidaten für den Stadtrat Montabaur

Montabaur. "Machen wie immer? Oder machen, was zählt!" Unter diesem Motto präsentiert der Ortsverband von Bündnis 90/Die ...

Impulse digital: Kommunale Außenpolitik dient der Völkerverständigung

Westerwaldkreis. CDU-Fraktionsvorsitzender Dr. Stephan Krempel hatte Vertreter von Vereins- und Städtepartnerschaften mit ...

Schüler Union Westerwald in Zukunft mit drei Mitgliedern im Landesvorstand vertreten

Westerwaldkreis. Als neuer Landesgeschäftsführer wurde Paul Hannus (Höhr-Grenzhausen) gewählt, der zugleich Kreisvorsitzender ...

Pandemiehalle der Fritz Stephan GmbH in Gackenbach eingeweiht

Gackenbach. Bernd Höhne, Geschäftsführer der Fritz Stephan GmbH, durfte sich nicht nur über den Besuch der Wirtschaftsministerin ...

Weitere Artikel


Westerwälder Rezepte: Krebbelcher mit Apfelmus und Reisbrei

Krebbelcher oder Rheinische Reibekuchen oder Kartoffelpuffer werden gemeinhin mit Apfelmus serviert, manchmal auch mit Zuckerrübensirup. ...

Aus „Umweltkompass" wird "Westerwälder Naturerlebnisse"

Dierdorf. „Wir haben uns sehr über die rege Beteiligung der Westerwälderinnen und Westerwälder gefreut. Bei knapp 50 Namensvorschlägen ...

Murphy wird gesucht

Urbach. Murphy ist ein ehemals rumänischer Straßenhund, der seit eineinhalb Jahren in Urbach zu Hause ist. Trotz intensiver ...

"Showdown" – ein Remote Play Live Adventure

Hachenburg. Der Escaperoom von „66 Minuten“ aus Neuwied ist dabei komplett online abgelaufen. Spielerisch und mit liebevollen, ...

Stadtrat Montabaur verabschiedet Haushaltsplan 2021

Montabaur. Für 2021 rechnet die Stadt mit Einnahmen in Höhe von knapp 60 Millionen Euro und weiterem Schuldenabbau. Die im ...

Kurt Sahm aus Maxsain für ehrenamtliches Engagement geehrt

Maxsain. „Kurt Sahm engagiert sich seit Jahrzehnten in vielerlei Hinsicht ehrenamtlich und setzt sich für seine Mitmenschen ...

Werbung