Werbung

Nachricht vom 06.02.2021    

Bibel oder Biologie?

Der Streit um den für Hellenhahn-Schellenberg geplanten, dann aber abgelehnten „Evolutionsweg“ schlug im Spätherbst hohe Wellen weit über Westerwald hinaus. Hämische Kommentare über die „rückständigen Provinzler“ ergossen sich über die sozialen Medien.

Dr. Hermann Josef Roth bespricht Fragen des menschlichen Evolution. Foto: DGGTB

Hellenhahn-Schellenberg. Als die Presse den Westerwälder Theologen und Biologen Dr. Hermann Josef Roth um seine Meinung bat, lebte die Diskussion wieder auf. Sie zwingt erneut zur Klarstellung, jetzt konzentriert auf die zentrale Frage des Problembündels, nämlich: Bibel oder Biologie?

Hier gilt es scharf zu trennen: Die Evolutionslehre ist eine naturwissenschaftliche Theorie und muss nach diesen Kriterien diskutiert und dargestellt werden. Wenn von einem „Evolutionsweg“ die Rede ist, muss ich als Betrachter davon ausgehen, dass die Tafeln die darauf bezogenen Fakten darstellen.

Dr. Hermann Josef Roth stellt klar:
Welche weltanschaulichen Folgerungen aus den nachprüfbaren Tatsachen gezogen werden, ist ein ganz anderer Vorgang. Der Theist mag sich bestätigt fühlen wie ebenso der Atheist. – Wir erleben es ja zurzeit massenhaft, wie aus objektiven Laborbefunden höchst verschiedene, ja sogar konträre Folgerungen gezogen werden. – Die Schöpfungslehre wie auch ihre Ablehnung sind Glaubenssache. Ihre Darstellung auf einem „Evolutionsweg“ möchte ich deshalb nicht befürworten, ebenso wenig wie beim „Waldlehrpfad“, „Limes- „oder „Riesling-Wanderweg“.

Nebenbei sei bemerkt, dass die Idee einer natürlichen „Stammes-Entwicklung“ der Lebewesen keineswegs von Darwin stammt und schon gar nicht auf Galapagos „entdeckt“ worden ist, sondern bis zu den Vorsokratikern zurückverfolgt werden kann. Selbst in der Bibel hat sie Spuren hinterlassen, und am Prinzip hielten sogar Heilige wie Augustinus und Thomas fest. Freilich blieb es Minderheitentheorie.

Seine Kritik an dem Vorhaben liegt außerdem noch auf einer anderen Ebene. Wenn schon Westerwälder einen Evolutionsweg finanzieren, dann sollte dieser gefälligst auch die entsprechen-den erdgeschichtlichen Spuren in der Westerwald-Natur berücksichtigen, in denen sich die Entwicklung des Lebens spiegelt.

Roth betont: „Ich hatte gehofft, mit meiner Wortmeldung das Schein-Problem als solches aufzulösen helfen. Dazu habe ich ja anderer Stelle ausführlich Stellung genommen. Ich habe es mir bestimmt nicht leicht gemacht.“



Man kann es nachlesen:
• Scholastiker und Biologen – Naturforscher im Zwiespalt von Glauben und Wissen. In: Denkstile und Schulenbildung in der Biologie. Verh. z. Gesch. d. Biologie 19: 19-42
• Die Kontroverse Evolutionismus/Kreationismus – ein Scheinproblem? Eine Wortmeldung – In: Naturschutz und Demokratie. Hg.: Gert Gröning & Joachim Wolschke-Bulmahn (= CGI-Studies, 3) - Hannover: Leibniz-Universität, 2006, S. 37-42
• Message of the Bible or Theory of Darwin? A Pseudo Problem. An interdisciplinary Statement on the Current Controversy in Germany – In: Divine Action and Natural Selection. Science, Faith and Evolution. Ed. By Joseph Seckbach & Richard Gordon. New Jersey, London, Singapore, Beijing: World Scientific, 2009, S. 648-659
• natura – Die Natur, Anspruch und Antwort. Vom Umgang mit einem rätselhaften Wesen – In: Fünf vor Elf. Beiträge zur Theologie (= Schriftenr. d. Inst. f. Dogmatik u. Fundamentaltheol. d. Phil.-theol. Hochschule Heiligenkreuz u. Päpstl. Akademie, 2). Heiligenkreuz: Be&Be, 2010, S. 45-62
• ¿El Mesage e la Biblia o la Teoría de Darwin? - In: AnÁMnesis (Nr. 50) 25, 2015, S. 153-164; Ciudad de México

Hintergründe:
• Der Entdecker des „Neandertalers“: Johann Carl Fuhlrott – In: Biologie in unserer Zeit 36, 1, 2006, S. 61-62, 4 Abb.
• Darwins Reise nach Lateinamerika im Kontext europäischer Südamerikareisen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts – In: Jutta Blaser & Wolf Lustig (Hg.): Darwin und Lateinamerika (= Veröff. d. Inter-disziplinären Arbeitskreises Lateinamerika, Bd. 6) – Mainz: Gutenberg-Universität 2011, S. 23-40, 2 Abb., 3 Tab., brosch. – ISBN 978-3-9813289-1-2 □ (Dr. Hermann Josef Roth)


Mehr zum Thema:    Wandern   
Jetzt Fan der WW-Kurier.de Lokalausgabe Rennerod auf Facebook werden!


Anmeldung zum WW-Kurier Newsletter


Mit unserem kostenlosen Newsletter erhalten Sie täglich einen Überblick über die aktuellen Nachrichten aus dem Westerwaldkreis.

Beliebte Artikel beim WW-Kurier


Zeugen gesucht: Unfallfluchten in Dernbach und Selters

Parkende Auto angerempelt und weitergefahren: Mit Unfallfluchten dieser Art musste sich die Polizei an diesem Wochenende schon mehrmals im Kreis Westerwald beschäftigen. Für Vorfälle in Dernbach und Selters werden nun Zeugen gesucht.


Jahreshauptversammlung der Schiedsrichtervereinigung Fußballkreis Westerwald-Sieg

Rund 90 Schiedsrichter konnte Schiedsrichterobmann (KSO) Detlef Schütz zur Jahreshauptversammlung der Schiedsrichtervereinigung Fußballkreis Westerwald-Sieg in der Grillhütte in Norken begrüßen. Auch der Vorstand des Fußballkreises war mit einer Abordnung zugegen.


"Impulse Digital"-Gespräch: "Flutwelle an der Ahr – Lehren für den Westerwald?"

In ihrer digitalen Veranstaltungsreihe "Impulse" greift die CDU-Kreistagsfraktion eine aktuelle Thematik auf: "Hochwasserkatastrophe - was lernen wir daraus für den Westerwald?" Mit Vertretern von Katastrophenschutz, Behörden und Rettungsdienst soll am Mittwoch, 28. Juli, ab 19 Uhr in einer Videokonferenz erörtert werden, ob man aus den Ereignissen Konsequenzen für unsere Region ziehen kann.


Evangelische Kirchengemeinden schicken Helfer, Geld und Gebete

Nach den verheerenden Unwettern in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen, bei denen mindestens 160 Menschen gestorben sind und Hunderte noch vermisst werden, ist die Betroffenheit auch im Westerwald groß. Auch die Kirchengemeinden des Evangelisches Dekanat Westerwald wollen sich mit Helfern, Spenden und Gebeten engagieren.


Nicole nörgelt… über die Extrawurst zur Spritze

GLOSSE | Na? Sind Sie schon geimpft? Jaja, ich weiß, Sie können das Thema nicht mehr hören. Geht mir ja eigentlich auch so. Aber dann kommt man doch wieder nicht daran vorbei. Vor allem, wenn man liest, welche Kreativität Gesundheitsämter und Ärzte mittlerweile an den Tag legen, um Impfmuffel doch noch an die Nadel zu kriegen.




Aktuelle Artikel aus der Region


Landesfeuerwehrverband ruft zu Spenden auf

Koblenz/Region. Ein Kamerad habe sein Haus verloren, während er selbst anderen im Einsatz geholfen habe. Ebenso droht ein ...

Metzgerei Fries in Eitelborn: Traditionelles Handwerk seit über 100 Jahren

Eitelborn. Qualität spricht sich auch herum, so ist erklärbar, dass die Metzgerei Fries auch Kunden aus der weiteren Umgebung ...

Westerwaldverein Bad Marienberg säubert die Wacholderheide und geht wandern

Bad Marienberg. Vorerst hatten die Helfer viel zu tun: So wurde das Gras um die Wacholderstöcke entfernt und die innerhalb ...

Nicole nörgelt… über die Extrawurst zur Spritze

In Berlin zum Beispiel gibt’s Walk-In-Impfungen bei Ikea, wenn man schon samstags da ist, um Teelichte zu kaufen und Hotdogs ...

"Impulse Digital"-Gespräch: "Flutwelle an der Ahr – Lehren für den Westerwald?"

Westerwaldkreis. Dabei soll im Mittelpunkt stehen, ob es aus den Hilfsmaßnahmen bereits Erkenntnisse gibt, wie man eine Region ...

Evangelische Kirchengemeinden schicken Helfer, Geld und Gebete

Westerwald. Nun zeigt sich langsam auch das ganze Ausmaß der Zerstörung. Spontan haben sich viele Einzelpersonen aus dem ...

Weitere Artikel


Leukel und Pape widersprechen Rüddel beim Krankenhausneubau in Müschenbach

Müschenbach. Stefan Leukel und Janick Pape (CDU) bekennen sich ganz klar zum Krankenhausneubau in Müschenbach. Nachdem Versuche ...

Weiterbildungen für Personalprofis ab März 2021

Koblenz. Personalabteilungen in mittelständischen Unternehmen bestehen oft nur aus wenigen Personen, die alle Themen der ...

Defensiv stark, offensiv effektiv: Rockets schlagen Hamburg

Limburg. Auch gegen die Crocodiles Hamburg setzte sich die EGDL durch, am heimischen Heckenweg gab es einen mit starker Defensive ...

Unterdach: winddicht und durchlässig

Montabaur. Eindringender Schlagregen, Schnee oder auch kalte Außenluft würden die Dämmwirkung reduzieren.

Meist fällt ...

2.500 Kilometer Sponsorenlauf für St. Vincenz-Krankenhaus

Limburg. 1.500 Kilometer wollten sie für den guten Zweck joggen, über 2.500 Kilometer sind es letztendlich geworden und somit ...

Wahlen in Zeiten der Pandemie – bisher mehr Fragen als Antworten

Montabaur. Der Tenor der Teilnehmer aus den Orts- und Verbandsgemeinden zur Entscheidung des Landeswahlleiters auf eine reine ...

Werbung