Werbung

Nachricht vom 08.12.2020    

Klara trotzt Corona im Advent

Von dem Autoren-Duo Christiane Fuckert und Christoph Kloft gibt es in den vier Adventswochen noch einmal (jeweils wöchentlich) kurze Klara-Episoden. So können unsere Leser/innen sich während des neuen Lockdowns noch dreimal bis Weihnachten an der resoluten Limburger Pfarrhausköchin und ihrem gutmütigen Pfarrer van Kerkhof erfreuen.

Symbolfoto

Kölbingen. Pfarrer van Kerkhof merkte an diesem Vormittag gleich, dass mit Klara etwas nicht stimmte. Sie saß am Küchentisch, wollte eigentlich Kartoffeln schälen, aber immer wieder ließ sie das Messer sinken. Die Gute war völlig abwesend, selbst als er sich setzte, schien sie ihn nicht zu bemerken.

„Geht es Ihnen nicht gut, Klara?“, fragte er darum so behutsam wie möglich. „Doch, alles gut“, antwortete sie ohne aufzusehen. „Aber Klara, ich kenne Sie nun schon so lange. Da merke ich doch sofort, wenn bei Ihnen etwas nicht stimmt.“ „Ach was, es ist alles in Ordnung.“ Klara widmete sich nun mit gespieltem Eifer der nächsten Kartoffel. Doch van Kerkhof blieb hartnäckig. „Ich nehme an, es hat was mit Corona zu tun?“ „Wieso? Muss immer alles mit Corona zu tun haben?“, kam die spitze Antwort vom anderen Ende des Tischs. „In letzter Zeit schon, meine Liebe. Ich weiß doch, wie beunruhigt Sie sind angesichts der hohen Infektionszahlen.“

„Das ist es nicht, also nur zum Teil“, druckste Klara. „Es ist etwas anderes …“ „Jetzt mal raus mit der Sprache!“ Van Kerkhofs Stimme klang plötzlich richtig streng, so dass seine Haushälterin zusammenzuckte und nicht mehr länger mit einer Antwort zögerte. „Es ist nur ... wegen dem Impfstoff!“

„Ja, der Impfstoff, ist es nicht toll, dass wir bald endlich einen kriegen?“ „Das schon … aber ich habe mich mit der Nachbarin unterhalten … gestern am Zaun.“
„Und? Was sagt die?“ „Nun, die sagt, dass man sich auf keinen Fall als Erste impfen lassen soll. Man wüsste ja noch gar nicht, wie der Impfstoff wirkt, und in der kurzen Zeit könnte das noch nicht alles erprobt sein. Und deshalb will ich mich besser auch noch nicht impfen lassen.“

„Aber Klara, Sie haben sich doch so gefreut, als die Nachricht kam. Und wir haben doch vor Kurzem noch darüber gesprochen, was für eine gute Idee es von unserem verehrten Herrn Bischof ist, den Beginn der Impfungen zu einem Gedenktag für die vielen Corona-Opfer zu machen. Und jetzt plötzlich diese Kehrtwende ...“ Pfarrer van Kerkhof schüttelte den Kopf. „Also, die Nachbarin tut Ihnen wirklich nicht gut.“

„Wenn ich früher auf sie geschimpft habe, dann haben Sie mir immer Kontra gegeben.“ „Vielleicht war das ein Fehler“, meinte van Kerkhof leise, doch hatte Klara es dennoch gehört. „Sie meinen also, ich hatte Recht?“ „Nicht immer, aber in diesem Fall sollten Sie ruhig etwas kritischer sein.“ „Aber wenn das nun wirklich so ist, Herr Pfarrer. Was ist denn, wenn es Langzeitschäden gibt?“ „Darüber brauchen gerade wir uns in unserem Alter keine Sorgen mehr zu machen“, schmunzelte van Kerhof.

„Aber wenn sonst etwas ist, wenn man einen Kollaps kriegt oder einen Schock oder sonst was?“ “Da hat sie Ihnen ja ganz schön zugesetzt, meine Gute.“ Der Pfarrer rückte seinen Stuhl jetzt ganz dicht an den Tisch. „Abstand, Herr Pfarrer!“, rief Klara gleich und streckte zur Abwehr beide Hände aus. „Keine Sorge, näher komme ich nicht. Aber ich will Ihnen jetzt mal etwas sagen, das nur für Ihre Ohren bestimmt ist.“



Klara sah ihn mit großen Augen an. „Und das wäre?“ „Nun, mir schüttet hin und wieder eine Frau aus unserer Gemeinde ihr übervolles Herz aus.“ „Wer ist das?“ „Tut mir leid, seelsorgerliche Schweigepflicht. Jedenfalls ist diese Frau Krankenschwester. Sie arbeitet auf der Intensivstation, und sie sagt, wir können uns nicht vorstellen, was dort im Moment los ist.“ „Was denn, Herr Pfarrer?“ „Auch das darf ich nicht sagen. Aber nun zu Ihren Sorgen: Diese Frau, für mich übrigens eine wahre Heldin, sagt, wenn alle, die skeptisch dem Impfstoff gegenüber sind, auch nur einmal ein paar Stunden auf der Intensivstation verbringen würden, dann würden sie ihre Bedenken rasch aufgeben. Sie jedenfalls will sich gleich impfen lassen, wenn es die Möglichkeit dazu gibt.“

„Hmmm.“ Klara wurde nachdenklich. Dann ging noch einmal die Neugierde mit ihr durch. „Kenne ich die Frau?“ „Vielleicht, vielleicht auch nicht.“ „Und wieso haben Sie mir dann noch nicht davon erzählt?“ „Weil sie sich mir eben als Seelsorger anvertraut hat. Und wenn Sie nun nicht das Thema darauf gebracht hätten, ich hätte auch jetzt nichts gesagt.“

„Vielleicht ist diese Krankenschwester ja etwas ängstlich?“ „Im Gegenteil. Eine ganz taffe Frau. Steht mit zwei Beinen im Boden.“ „Auf dem Boden, Herr Pfarrer.“ „Wie Sie wollen. Jedenfalls würde diese Frau unserer lieben Nachbarin ganz schön was erzählen.“ „Die hätte es mal verdient!“ Klara ballte die Fäuste.

Van Kerkhof grinste in sich hinein, verfolgte er doch mit Genugtuung die Wende, die in Klara vor sich ging. „Der werde ich gleich morgen was erzählen!“ Klaras Wangen schienen plötzlich richtig zu glühen. „Dann ist es also abgemachte Sache, dass wir beiden uns impfen lassen, wenn es möglich ist?“ „Sofort!“ Klara hob die Rechte zum Schwur und griff sich energisch eine besonders dicke Kartoffel. „Und Sie dürfen dann aber nicht wieder jammern, Herr Pfarrer. Sie mit Ihrer Angst vor Spritzen, ich weiß noch, was ich für eine Arbeit mit Ihnen hatte, als es im Frühjahr zum Zahnarzt gehen sollte.“ „Ich werde tapfer sein“, gelobt van Kerkhof lachend.

„Das können Sie jetzt gut sagen, ich weiß doch, was Sie für ein Schisser sind!“ Der Pfarrer entgegnete nichts auf diese freche Bemerkung, war er doch viel zu froh, dass Klara ihre altvertraute Art wiedergefunden hatte. „Freuen wir uns darum jetzt nur noch auf den zweiten Advent“, sagte er nur und fügte hinzu: „Und auf den Impfstoff.“ Dann stand er auf und ging in Richtung seines Büros davon. (www.christoph-kloft.de)


Mehr zum Thema:    Coronavirus   
Jetzt Fan der WW-Kurier.de Lokalausgabe Westerburg auf Facebook werden!


Anmeldung zum WW-Kurier Newsletter


Mit unserem kostenlosen Newsletter erhalten Sie täglich einen Überblick über die aktuellen Nachrichten aus dem Westerwaldkreis.

Beliebte Artikel beim WW-Kurier


Die Fuchskaute: Der höchste Punkt im Hohen Westerwald

Für alle, die gern mal hoch hinaus wollen, bietet sich ein Ausflug zur Fuchskaute an. Mit 657 Metern findet man hier den höchsten Punkt im Westerwald. Die Fuchskaute ist kein normaler Berg, sondern wer den Ausblick dort genießt, steht auf einem erloschenen Vulkan und einem 40 Hektar großen Areal.


Corona im Westerwaldkreis: Acht Neuinfektionen, Inzidenz stabil

Das Gesundheitsamt Montabaur meldet am Freitag, 23. Juli, acht neu festgestellte Corona-Fälle seit Mittwoch. Der Westerwaldkreis verzeichnet damit aktuell laut Gesundheitsamt 26 aktiv Infizierte.


Westerwaldwetter am Wochenende – Warnung vor Gewittern

Der Freitag (23. Juli) zeigt sich noch sonnig-sommerlich. Doch das ändert sich über das Wochenende. Teilweise gibt es zwar zwischendurch am Samstag, 24. und Sonntag, 25. Juli, durchaus viel Sonne, aber insgesamt zeigt sich das Wetter wechselhaft. In der Samstagnacht muss auch mit Gewittern in der Region gerechnet werden.


Region, Artikel vom 23.07.2021

Holz-Transporter verliert Ladung

Holz-Transporter verliert Ladung

Am Donnerstagnachmittag, dem 22. Juli, kam es auf der B49 zwischen Montabaur und Neuhäusel zu einem Unfall, bei dem ein Holz-Transporter seine komplette Ladung verloren hatte. Dies sorgte für erhebliche Verkehrsbeeinträchtigungen im Feierabendverkehr.


Trotz Corona: Kirmesgesellschaft Hachenburg präsentiert gut durchdachte Alternative

Wie schon im vergangenen Jahr lässt auch 2021 die Corona-Pandemie eine breit aufgestellte Kirmes nicht zu. Unter strengen Auflagen darf die Kirmesgesellschaft Hachenburg e.V. immerhin einen Konzertabend und einen der beliebten Frühschoppen im Burggarten durchführen.




Aktuelle Artikel aus der Kultur


„Leben im Gebhardshainer Land im Wandel der Zeit“ – Konrad Schwan bringt Buch raus

Kausen. Ein Buch „Leben im Gebhardshainer Land im Wandel der Zeit“ hat Konrad Schwan herausgegeben. Auf etwa 140 Seiten beschreibt ...

Mit Kunst und Kunsthandwerk: "Ausstellung im Hof" in Herschbach

Herschbach (Oberwesterwald). Im Jahr 2020, ist die „Ausstellung im Hof“ leider wegen Corona ausgefallen. Der Veranstalter ...

Benefiz-Konzerte am Wiesensee und im Stöffel-Park

Wiesensee / Enspel. Das eigentlich als Finale geplante Klappstuhl-Konzert mit Mirko Santocono, findet schon als Eröffnung ...

Altenkirchen: Festival of Emotion sorgt bald für unvergessliche Live-Momente

Altenkirchen. Diese Gruppen werden für einen Abend sorgen, der noch lange nachwirken wird bei den Besuchern:

Sina Nossa ...

Buchtipp: „Wunderland meiner Phantasie“ von Tina Hüsch

Dierdorf/Bad Marienberg. Um Glücksmomente zu erleben, muss man nicht nach Las Vegas oder an den Ballermann fliegen, sondern ...

Reinhold Beckmann und Band bald auf der Glockenspitze in Altenkirchen

Altenkirchen. Reinhold Beckmann punktet mit tief verwurzelter Musikalität, er kann Herz wie feine Ironie, und weiß nicht ...

Weitere Artikel


Lichter gegen Gewalt

Hachenburg. Kinder und Jugendliche, die in gewaltgeprägten Familien groß werden, sind immer von Gewalt betroffen, sei es, ...

Bäume können brechen – Gefahr im Wald

Hachenburg. „Die Dürresommer seit 2018 haben zum Absterben ganzer Fichtenwälder geführt und die Kronen der Laubbäume fragil ...

Interkommunale Zusammenarbeit bei thermischer Klärschlammverwertung

Altenkirchen/Hachenburg. Die Verbandsgemeinden des Landkreises Altenkirchen und der Abwasserverband Hellertal wollten aufgrund ...

Freude in Corona-Zeiten: neue T-Shirts und Schokoladen-Nikoläuse

Fehl-Ritzhausen. Somit machten sich einige Aktive am Nikolaustag auf den Weg und legten jedem Kind das neue T-Shirt als Nikolaus-Päckchen ...

Wasser-Erlebnis-Pfad erstrahlt im neuen Glanz

Hachenburg. Gespickt mit Informationstafeln entlang des Rundweges – welche unter anderem auf die Thematik Trinkwassergewinnung, ...

Bürgermeister wollen Fachärzteproblematik gemeinsam angehen

Bad Marienberg/Rennerod/Westerburg. Es sind zurzeit für diesen Bereich kaum Kassenarztsitze für Fachärzte frei, da viele ...

Werbung