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Nachricht vom 20.12.2020    

Adventskalender – Teil 20: Spuren im Schlamm

24 kurze Krimis im Postkartenformat begleiten uns in diesem Jahr durch den Advent. Die Idee dazu hatte die Literatur-Werkstatt in Altenkirchen, die sich jüngst mit „Postkarten-Krimis“ beschäftigte. Das Ergebnis: 24 spannende und vielfältige Mini-Krimis, die das Warten auf Weihnachten verkürzen.

Da waren Spuren im Schlamm. Verliefen sich, je näher sie dem Fluss im Norden des Gebirges kamen. Sie sagten, es wäre Selbstmord. Die Angehörigen jedoch beharrten auf Mord. Annie war ein zu lebensfroher Mensch gewesen, um ihrem eigenen Leben ein Ende zu setzen. Detectiv Blommer gab in diesem Fall sein Bestes. Erst zehn Jahre später wurde der Fall endgültig zu den Akten gelegt. Alle Hinweise waren im Nichts verlaufen. Wie die Spuren im Schlamm. Aber Hannah, Annies Schwester, wollte nicht aufgeben. Wie der Rauch einer lang erloschenen Kerze vernebelte ihr die Ungewissheit die Sicht auf eine glückliche Zukunft, auf ein Leben nach dem Tod ihrer Schwester. Sie musste mit der Vergangenheit abschließen. Ihre voranschreitende polizeiliche Karriere sollte ihr dazu verhelfen. Eines Abends, als Blommers Büro verlassen dalag, warf Hannah einen Blick in Annies Akte, die ihr jedoch keine neuen Informationen lieferte. Ihre Hoffnung schwand, als ihr Blick auf die Schublade fiel, die sonst immer verschlossen war. Ohne zu zögern riss sie diese auf, doch sie war leer. Warum sollte Blommer so ein Geheimnis um eine leere Schublade machen? Da bemerkte sie den ungewöhnlich kleinen Innenraum und tastete den hinteren Boden ab, bis sie fand, worauf sie gehofft hatte: ein Geheimfach, darin ein Notizbuch. Mit hämmerndem Herzen schlug Hannah es auf. Der Inhalt schockierte sie mehr als alles andere. Detaillierte Zeichnungen und Beschreibungen von ungelösten Morden, die nur vom Mörder selbst stammen konnten. Wie wild blätterte sie durch die Seiten, bis sie Annis Todesdatum fand: 25.Oktober 2005. Die Tränen, die ihr die Sicht verschleierten, hinderten sie daran, vom Mord ihrer Schwester lesen zu müssen. Die Hinweise waren nie im Schlamm verlaufen, Blommer hatte sie im Schlamm verlaufen lassen.

© Jolien Lamprea

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Literaturwerkstatt Altenkirchen



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