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Nachricht vom 15.11.2020    

Nicole nörgelt… über den höllischen Krach der Laubsauger

Von Nicole

GLOSSE | Eigentlich hat der Herbst ja seine schönen Seiten. Kuschelwetter, bei dem man sich mit gutem Gewissen zuhause einmummeln und schon mit dem Gedanken an Glühwein beschäftigen kann. Die kleinen Wohlstandspfündchen kann man wieder unter Pullis, langen Schals und gefütterten Jacken verstecken. Und das bunte Laub in der tiefstehenden Sonne gefällt doch jedem – solange es am Baum hängt zumindest.

Kein Job für den Laubsauger. Foto: Wolfgang Tischler

Region. Denn in meiner Nachbarschaft sind sie jetzt wieder zum Leben erwacht und ich hasse sie wie die Pest: Laubbläser! Laubsauger! Die Allzweckwaffe aller Garten-Soldaten und Unkraut-Zupfer. Argh!!!

Keine Ruhe in deutschen Gärten. Kaum sind die unerbittlichen Rasenmäher in Schuppen, Kellern und Garagen verschwunden, schnallt sich der Reihenhäusler die Laubvernichtungsmaschinerie auf den Rücken und rückt jedem Blättchen zu Leibe. Neben mir wohnt ein ganz gewissenhafter Aufräumer, der jedes einzelne Stückchen Laub gnadenlos verfolgt, und das mit einem Laubbläser mit gefühlt genug Durchschlagskraft, das man dem im Weißen Haus festgezeckten Donald Trump vom Westerwald aus die Frisur zerstören könnte. Eine Panzerbrigade im Vorgarten? Sieben Bautrupps im Tiefbauwahn? Eine Horde kreischender Kinder, die um einen aufgeschichteten Haufen brennender Martinslaternen tanzen? Alles zusammen könnte nicht lauter sein! Dieses Röhren geht einem durch und durch.

Ich will an dieser Stelle gar nicht auf die ökologische Unsinnigkeit der „Das Laub muss weg“-Gesellschaft eingehen. Und ich verkneife mir auch die Frage, was der Mann nebenan zu kompensieren versucht, wenn er beseligt grinsend das imposante Blasrohr vor sich her schwingt. Es stört mich nicht mal, dass er einen guten Teil des Abwurfs seiner Bäume zu mir rüberpustet, sobald seine Biotonne voll ist. Aber der Krach und diese mitleidigen Blicke über den Zaun auf meinen im Vergleich mit seinen Bilderbuchbeeten irgendwie verlotterten Garten – die stören mich doch gewaltig.

Jedenfalls war ich einkaufen und habe ein schönes Paket Zierkies und ein Plastikbäumchen besorgt. Gut, die sind eigentlich als Deko für Terrarien gedacht, aber so kleinlich will ich mal nicht sein. Ich habe beides in einen hübschen Karton gepackt und „Steingarten-Starterset“ draufgeschrieben. Das stelle ich gleich meinem geneigten Nachbarn vor die Tür. Kleine Aufmerksamkeit meinerseits. Im Ernst, wenn einer so vehement gegen die Natur vorgeht, dann auch bitte Schluss mit der Heuchelei und mach es richtig. „Beton säen und grün anstreichen“, das hat schon mein Papa immer gesagt. Wobei ich mir noch nicht sicher bin, was hässlicher und unökologischer ist: Eine Schotterwüste oder ein Garten, in dem nicht mal ein unschuldiges Blatt ungesaugt auf den Boden fallen darf.



Ich freue mich derweil, wenn später im Herbst wieder die Igel in meinen Garten marschiert kommen und sich in einem kuscheligen Laubhaufen einnisten. Baumaterial finden sie ja dank der Freigiebigkeit meines Laubbläserfreundes genug. Ich werde es auch nicht wegpusten. Ich schichte es höchstens auf einen Berg und springe juchzend mittenrein, das habe ich schon als Kind geliebt. Und wenn dabei ein paar Blätter zurück über den Gartenzaun fliegen, dann war das natürlich nur ein bedauerlicher Unfall. Wer will was anderes behaupten?

In diesem Sinne: Bleiben Sie gesund!
Ihre Nicole


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