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Nachricht vom 13.11.2020    

Mountainbiker sausen am Skilift über Holzrampen

Ein wunderbarer Spätsommerabend in Bad Marienberg: Windstille, ein fast wolkenfreier Himmel, und trotz der vorgerückten Stunde kurz vor Einbruch der Dunkelheit herrschen im Kneipp-Heilbad noch milde 22 Grad. Doch am Schorrberg, der sich im Südosten der Stadt über der Schwarzen Nister erhebt, läuft der dortige Skilift – obwohl bei dieser milden Witterung natürlich nicht eine einzige Schneeflocke auf der Piste liegt! Zwei Dutzend Aktive in schwarz-grünen Trikots fahren mit der Anlage dennoch fortwährend hinauf und sausen den Steilhang wieder talwärts – jedoch nicht auf Kufen, sondern auf grobstolligen Reifen.

Die Ehrenamtlichen haben mit dem Holz aus Langenbach beeindruckende Steilwände im Wald errichtet. Fotos: privat

Bad Marienberg. „Wir haben hier ein tolles Gelände – mit vereinseigener Liftanlage, eigenem Lifthaus, der Schorrberg-Hütte und allem möglichen Equipment. Aber das alles steht 360 Tage im Jahr nur herum, wird nicht genutzt“, schildert Patrick Panthel. Er leitet die den Verein inzwischen bereichernde Radsport-Abteilung des Ski-Clubs Bad Marienberg-Unnau (SCBMU). Ja, der Klimawandel schlägt auch im Westerwald sichtbar voll durch: „Weiße Winter“ sind selbst hier zur Seltenheit geworden, längere Perioden mit einer geschlossenen Schneedecke erst recht. „Irgendwann kam darum die Idee auf: Warum nutzen wir die Möglichkeiten nicht fürs Mountainbikefahren?“, berichtet Patrick Panthel. „Los ging es mit einem Wiesenrennen. Da ist jeder von fünf bis 50 gefahren. Das war eine riesen Gaudi, und daraus hat sich immer mehr entwickelt.“

Vor drei Jahren gab es erstmals ein Test-Wochenende mit Liftbetrieb. Der TÜV hat die Anlage ergänzend abgenommen. Und dann seien immer mehr Aktive hinzugekommen, auch Kinder und Jugendliche, die größtes Interesse mitgebracht hätten, zu fahren – und ebenso, selbst Hand anzulegen und einen Bikepark zu bauen. Hat es in der vergangenen Saison noch genau einen einzigen Lift-Tag im Winter auf dem Schorrberg gegeben, stehen inzwischen bereits zwei Dutzend sommerliche Lift-Tage entgegen – dank der Radsportler im Ski-Club, von denen einige im von MANN Naturenergie kommenden Trikot der MANNschaft (die „Wäller Energiezeitung“ berichtete) unterwegs sind.

Nicht alle fanden die Idee „Rad statt Ski“ von Anfang an gut. Für die Öffnung des Ski-Clubs in Richtung Radsport musste erst ein wenig geworben werden. Gleichwohl wächst der SCBMU seit der Neuausrichtung, das „schneefreie“ Angebot lockt viele Neumitglieder, von Jahr zu Jahr werden es mehr, bestätigt Abteilungsleiter Panthel. Die Stadt Bad Marienberg stehe ebenfalls hinter dem Projekt, sehe das touristische Potenzial. Eltern radfahrender Kinder und Jugendlicher staunen und sind begeistert: Selbst unter der Woche sind zehn, 15, zuweilen 20 Kinder fleißig und helfen mit, den Bike-Park immer mehr zu erweitern – und die Erziehungsberechtigten wundern sich, warum das Smartphone plötzlich zu Hause bleibt und der Nachwuchs stattdessen begeistert Schippe und Hammer in die Hand nimmt. Das Projekt ist offenbar ein Erfolg, nahezu an jedem Wochenende wird die Liftanlage mittlerweile für Mountainbiker geöffnet. Jeder kann kommen, Nicht-Vereinsmitglieder zahlen einmalig zehn Euro und können dafür den ganzen Tag Lift und Rad fahren.




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Natürlich sind bei solchen Vorhaben Ehrenamtlicher immer genauso Unterstützer, Sponsoren notwendig. Und als es darum gegangen sei, dass man einiges Holz benötigte, um Rampen und Steilwände im von der Gemeinde für einen Euro gepachteten Wald zimmern zu können, sei man sofort auf die Firma MANN Naturenergie gekommen, wo im eigenen Sägewerk Verpackungsholz aus eigentlich nicht sägefähigen Stämmen hergestellt wird. „Gigantisch“ sei die Unterstützung durch den Energiepionier aus dem benachbarten Langenbach ausgefallen, erzählt Patrick Panthel begeistert. Es gab ohne Weiteres die gewünschten Mengen an Balken und Brettern! „Daraus konnten wir sensationelle Anlagen errichten – mit allem Drum und Dran!“, freut sich der Chef der Radsportabteilung.

Inzwischen bestehen sechs verschiedene Strecken, auf denen Menschen mit ihren Rädern bergab fahren können oder durch den kleinen Wald nebenan über allerhand Rampen und durch Steilkurven mit mächtig Tempo. Eine „gravity line“ gibt es in der „Easy“- wie „Pro“-Version, der „Basaltknacker“ benannte Kurs führt über Felsbrocken hinweg, und es existieren viele weitere Möglichkeiten unterschiedlicher Schwierigkeitsniveaus. Das Streckenangebot wird fortwährend erweitert, an den Lift-Wochenenden gibt es Bratwurst und kalte Getränke an der Skihütte. „Die Kleinsten, die fahren, sind fünf“, betont Patrick Panthel noch einmal den altersübergreifenden Charakter des Angebots. „Und die kommen super klar, auch mit dem Lift – manchmal besser als die Erwachsenen“, schmunzelt er. (PM)


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