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Nachricht vom 25.10.2020    

„Eine Räuberballade“ im Cinexx – Lesung mit Annegret Held

Von Helmi Tischler-Venter

Thomas Pagel von der Hähnelschen Buchhandlung in Hachenburg freute sich, am Sonntag, 25. Oktober wieder Zuhörer einer Lesung begrüßen zu können, nachdem Covid 19 die Veranstaltungsreihe im März abrupt beendet hatte. Platz und Lüftungsanlage im Cinexx ließen die Lesung mit der Westerwälderin Annegret Held zu. Nach den Worten der für ihr Publikum dankbaren Autorin ein „original literarischer Schauplatz“, denn ihr dritter großer Westerwald-Roman spielt großenteils im Raum Hachenburg.

Thomas Pagel begrüßt die Autorin Annegret Held. Fotos: Helmi Tischler-Venter

Hachenburg. Mit ihm nahm Held die Zuhörer mit ins Jahr 1796 ins fiktive Dörfchen Scholmerbach. Dort packt Paulinches Wilhelm das mannshohe Dornengestrüpp mit der bloßen Hand an, um die Hecke dichter zu flechten als Schutz gegen tierische und menschliche Räuber. Sein halbwüchsiger Sohn Hannes, ein ungehorsamer Rotzlöffel, begehrt gegen den frommen Vater auf. Die Mutter Lina liegt schwer krank und stumm nur immer im stinkenden Strohbett. Nachdem der verzweifelte Vater den Hannes mächtig gezüchtigt hatte, um dem missratenen Sohn die Teufeleien auszutreiben, verschwindet dieser aus Scholmerbach.

Annegret Held, die in Pottum am Wiesensee aufgewachsen ist, las die Dialoge im Westerwälder Dialekt, wodurch sie noch authentischer wurden. Die deftige Sprache erläuterte die Schriftstellerin, sei zeitgemäß, man denke nur an Simplicissimus und Luther. Den Handlungen liegen regionale Sagen und historische Recherchen zugrunde sowie Orte wie zum Beispiel untergegangene Mühlen, die Annegret Held immer schon faszinierten. Grundlage ist der große Räuberkongress, der 1799 bei Limburg stattfand und gründlich schiefging.

Trotz verbogener Brille und „Zettelwirtschaft“ las die Autorin außerordentlich lebendig von Hannes, der eine uralte Frau trifft und Räuber lernt. Von dem Wunder der wiederauferstandenen Lina und Wilhelms Versprechen, der Mutter Gottes eine Dankkapelle vor dem Scholmerbacher Friedhof zu errichten. Von der mannstollen Magd Gertraud, die wegen ihrer Aufmüpfigkeit weitergegeben wird als Schankmagd und Mädchen für alles zur Hadermühle „Zur Fürstenruh“ an der belebten Köln-Leipziger Straße. Und von Hannes „Belohnung“ für seinen ersten Raubüberfall: ein Besuch im Koblenzer Freudenhaus, der aber von seinen Kumpanen wegen seiner dreitägigen Sauftour in einen Besuch bei der Soldatenwitwe Pauline am Moselufer umgewandelt wird.



Annegret Held ist eine Könnerin der Milieuschilderung und zeichnet mit Fabulierfreude großartige Typen mit herrlichen Dialogen vor dem Hintergrund eines harten Lebens. Durch die mitreißende Vorlesekunst gestaltete sie eine amüsante Sonntags-Matinee, als Belohnung durfte sie anschließend zahlreiche Bücher signieren. Und die Zuhörer durften – nach einem vom Cinexx ausgeklügelten Hygienekonzept – einen Imbiss mit Sekt genießen.

Das Buch „Eine Räuberbande“ ist erschienen bei Eichborn, ISBN 978-3-8479-0055-9. htv


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