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Nachricht vom 14.10.2020    

Realität und Fiktion genial in einem historischen Roman kombiniert

Von Helmi Tischler-Venter

Eine packende Lesung erlebten die Besucher am Dienstagabend (13. Oktober) in der Stadthalle Westerburg: Im Rahmen des Westerwälder Literatursommers zum Thema „Nordlicht“ stellte Lena Johannson ihr Buch „Die Malerin des Nordlichts“ vor. Moderator Bernhard Robben entlockte der Autorin viele interessante Informationen und persönliche Bekenntnisse.

Lena Johannson liest "Die Malerin des Nordlichts". Fotos: Helmi Tischler-Venter

Westerburg. Im Buch schildert Lena Johannson das Leben der Norwegerin Signe, der Nichte des Genies Edvard Munch. Auch Signe, geboren 1884 in Trondheim, malt leidenschaftlich, aber zunächst - während ihrer Ehe mit einem ungeliebten und verständnislosen Berufsoffizier – nur heimlich. Mit 38 Jahren lässt sie sich scheiden. Nun ist sie endlich frei für ihre Leidenschaft, die Malerei. Sie nimmt Unterricht beim Sohn von Paul Gauguin und will ihr Leben ausschließlich der Kunst widmen. Sie will ein Werk hinterlassen, das – ebenso wie die Bilder ihres Onkels – die Menschen bewegt und aufrüttelt. Auf der Suche nach ihrem eigenen Stil erkennt Signe, dass sie Spitzen und Kanten will, an denen man sich aufreiben kann.

Als Signe 44 Jahre alt ist, lernt sie Einar Siebke kennen, einen Mann mit starker Ausstrahlung, die Liebe ihres Lebens. Die Beiden heiraten. Als die Nazis 1940 Norwegen besetzen, schließt sich Einar dem Widerstand an. Signe hat panische Angst. Als die Besatzer kommen, um ihren Mann zu holen, greift Signe zum Küchenmesser…

Signes Bilder sind verschollen – eine Gestapo-Abteilung hatte das Haus der Siebkes als Hauptquartier benutzt, die Malerin fand es gänzlich verwüstet vor, die Bilder waren verschwunden.

Moderator Bernhard Robben meinte: „Signes Bilder sind alle wieder da: mit Worten auf Papier gemalt!“ Die Schriftstellerin Lena Johannson war Buchhändlerin, bevor sie als Reisejournalistin ihre beiden Leidenschaften Schreiben und Reisen verbinden konnte. Sie lebt als freie Autorin an der Ostsee. Da sie ein Skandinavien-Fan ist, stieß sie auf den Namen Signe Munch und fragte sich, wer das sein könne, weil Edvard Much nicht verheiratet war. Johannson recherchierte und fand heraus, dass Signe dessen Nichte war, die am liebsten Landschaften im faszinierenden nordischen Licht malte, zum Beispiel eine Fjordlandschaft im Mondlicht.

Robben und Johannson arbeiteten im Gespräch heraus, dass es Malerinnen bis zur Jahrtausendwende schwer hatten, die belächelten „Malweiber“ mussten kämpfen. Von Signe erwartete man, dass sie nicht künstlerische Bilder malte, sondern „Hausmannskost“, die sich leicht verkaufte. Andererseits wurde sie zu ihrem Leidwesen ewig auf ihren berühmten Onkel angesprochen. Von einer Munch erwartete man Geniales. Edvard Munch besuchte sie in seiner „Villa“, einem Wohnhaus im schweizer Baustil, in dem alle Räume Arbeitszimmer für Edvard waren. Seine wertvollen Werke standen überall, auch in einem offenen Unterstand mit schmalem Dach. Munch trennte sich nicht gern von seinen Bildern, er brauchte sie für sich, sie waren sein Leben. Die Autorin legt dem berühmtem Maler die Worte in den Mund: „Warum nur musst du auch malen? Wir haben es uns nicht ausgesucht, nicht wahr?“ Daraus spricht das Verständnis der fleißigen Schriftstellerin, die von sich selbst sagt: „Ich kann nicht anders, ich muss immer schreiben.“




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Bei ihrer intensiven Recherche, die sie auf dem Sozius ihres Mannes auch nach Norwegen führte, weil Atmosphäre, Gerüche und Mentalität von Menschen nur vor Ort erfahrbar sind, erlebte Johannson Überraschungen. Letztlich konnte sie den Norwegern sogar Informationen weitergeben, zum Beispiel an Johan Storm Munch, der das Familienstammbuch führt.

Über eine Malerin zu schreiben, deren Bilder unbekannt sind, gab der Autorin die Freiheit, mit ihrer Phantasie spazieren zu gehen. Lena Johannson und ihre Protagonistin lebten in einer gedanklichen WG. Die Autorin bekannte, ihre Hauptfigur sehr zu mögen und zu ihr zu sprechen, aber „Signe hat nie getan was ich wollte, sie hat mich nie in Ruhe gelassen.“ Beim Schreiben hatte Johannson ein gebetartiges Motto: „Du musst meine Hand führen und mein Herz, damit ich dich sehe, wie du bist.“ Sie hoffe, dass Signe der Roman gefallen hätte.

Mehr zu der Autorin unter www.lena-johannson.de.

Das Buch „Die Malerin des Nordlichts“ ist als Aufbau Taschenbuch erschienen, ISBN 978-3-7466-3424-1. htv


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