Werbung

Nachricht vom 13.10.2020    

Wirtschaft nach Corona-Schock: wenig Zuversicht trotz stabiler Geschäftslage

Das Konjunkturklima im nördlichen Rheinland-Pfalz hat sich zum Herbst 2020 wieder aufgehellt, nachdem es durch die Corona-Pandemie im Frühsommer 2020 einen starken Einbruch erlitten hatte. Das belegt die aktuelle Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Koblenz, die auf einem repräsentativen Querschnitt der Wirtschaft von 414 Betrieben mit rund 57.000 Beschäftigten basiert.

Indikatorpunkte der IHK-Umfrage. Grafik: IHK

Koblenz. Der IHK Konjunkturklimaindikator, der die Beurteilung der aktuellen und zukünftigen Geschäftslage in einem Wert darstellt, klettert auf 98 Punkte (Frühsommer 2020: 79 Punkte). Damit liegt der Indikator geringfügig unter der 100 Punkte-Marke, die die Grenze zwischen positiver und negativer Gesamtstimmung darstellt.

32 Prozent der Unternehmen bewerten ihre aktuelle wirtschaftliche Situation als gut, während 28 Prozent über eine schlechte Geschäftslage klagen. Im Vergleich zur Umfrage im Frühjahr hat sich die Bewertung der Geschäftslage damit deutlich verbessert. Der Saldo aus positiven und negativen Meldungen liegt damit bei plus vier Prozentpunkten (Frühsommer 2020: 12 Prozentpunkte). Dagegen liegen die Geschäftserwartungen noch im negativen Bereich, obwohl sie gegenüber der Konjunkturumfrage im Frühsommer ebenfalls eine sprunghafte Zunahme verzeichnen (Herbst 2020: 7 Prozentpunkte; Frühsommer 2020: -29 Prozentpunkte).

„Nachdem die Wirtschaft im IHK-Bezirk Koblenz durch die Covid-19-Pandemie in eine tiefe Rezession gefallen ist, zeigt sich aktuell über alle Branchen hinweg eine Aufwärtsentwicklung bei den IHK-Klimaindikatoren“, bemerkt Arne Rössel, Hauptgeschäftsführer der IHK Koblenz. „Doch die weitere Erholung ist ungewiss und die Unternehmen bleiben mehrheitlich pessimistisch gestimmt. Vor allem die Sorge vor einer zweiten Infektionswelle und erneuten behördlichen Einschränkungen, aber auch das Weltgeschehen, etwa der bislang ungeordnete Brexit und die US-Präsidentschaftswahl im November, sowie die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen dämpfen Investition und Beschäftigung.“

Laut IHK-Konjunkturumfrage überwiegt mit 35 Prozent der Anteil der Unternehmen, die in den kommenden zwölf Monaten Einsparungen bei ihrem betriebsinternen Investitionsbudget planen. Immerhin 21 Prozent beabsichtigen höhere Investitionen zu tätigen. Insbesondere die Investitionsgüterindustrie, die als Teilbranche der konjunkturellen Entwicklung tendenziell vorausläuft, aber auch der Handel und das Dienstleistungsgewerbe weisen eine signifikante Investitionsschwäche auf. Hier liegen die entsprechenden Saldenwerte bei minus 29 Prozentpunkten, minus 24 Prozentpunkten und minus 21 Prozentpunkten.

Auf dem Arbeitsmarkt wirkt das Instrument der Kurzarbeit stabilisierend. 78 Prozent der Unternehmen beabsichtigen ihre Belegschaft zu halten oder sogar aufzustocken (11 Prozent). 22 Prozent fürchten hingegen, Personal abbauen zu müssen. „Gleichzeitig droht eine mögliche Insolvenzwelle, sobald die Schonzeiten bei der Insolvenzantragspflicht teilweise auslaufen. Dies hätte wiederum Konsequenzen für Arbeitsmarkt und Konjunktur“, ergänzt Fabian Göttlich, Geschäftsführer Interessenvertretung der IHK Koblenz.

Während in früheren Schwächephasen eine anziehende Auslandsnachfrage die heimische Konjunktur wieder zu beleben vermochte, fehlen diese Impulse dieses Mal gerade für die exportlastige Industrie. Denn die Auslandsmärkte sehen sich mit der Covid-19-Pandemie den gleichen Problemen ausgesetzt und Lieferketten sind immer noch gestört. Im Vergleich zum Frühjahr haben sich die ausländischen Auftragseingänge zwar wieder stabilisiert, liegen mit minus 14 Prozentpunkten jedoch weiter im negativen Bereich. Folglich sind auch die Exporterwartungen der Unternehmen im IHK Bezirk Koblenz weiterhin mit einem negativen Vorzeichen versehen (Herbst 2020: minus fünf Prozentpunkte; Frühsommer 2020: minus 38 Prozentpunkte).

Die weitere Entwicklung der Corona-Pandemie bleibt mit 73 Prozent (Frühsommer 2020: 79 Prozent) das dominante Geschäftsrisiko für die wirtschaftliche Entwicklung der Unternehmen Damit verbunden ist die Sorge um den Inlandsabsatz, der von 49 Prozent der Unternehmen als zweit größter Risikofaktor benannt wird (Frühsommer 2020: 66 Prozent). Der Fachkräftemangel, der vor der Corona-Krise dauerhaft Platz eins der Risiken einnahm, rückt wieder stärker in den Vordergrund (Herbst 2020: 35 Prozent; Frühsommer 2020: 27 Prozent).

„Die Wirtschaft zeigt sich nach dem Corona-Schock und der bereits vorher schwächelnden Wirtschaftsleistung wieder robuster, die kurzfristige Rückkehr auf einen Wachstumspfad scheint wenig wahrscheinlich“, folgert Rössel. Für das Jahr 2020 rechnen 34 Prozent der Unternehmen mit einem Rückgang des Gesamtumsatzes bis zu 25 Prozent, 12 Prozent mit einem Rückgang von mehr als 25 Prozent bis zu 50 Prozent und jedes zwanzigste Unternehmen sogar mit einem Rückgang um mehr als 50 Prozent. „In der Krise ist es umso wichtiger, dass die Wirtschaftspolitik die richtigen Weichen stellt, damit die Unternehmen ihre Wachstumskräfte aktivieren und die Krise bewältigen können. Ein Belastungsmoratorium bei Steuern, Abgaben und neuen Gesetzen bis Ende 2021 und Investitionen, die die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen stärken, stellen dabei wichtige Pfeiler dar. Debatten um neue Regelungen wie Unternehmensstrafrecht, Lieferkettengesetz oder das Recht auf Home Office stärken die Verunsicherung der Wirtschaft“, so Rössel. (PM)


Weitere Bilder (für eine größere Ansicht klicken Sie bitte auf eines der Bilder):
 


Anmeldung zum WW-Kurier Newsletter


Mit unserem kostenlosen Newsletter erhalten Sie täglich einen Überblick über die aktuellen Nachrichten aus dem Westerwaldkreis.

Beliebte Artikel beim WW-Kurier


Corona: Westerwaldkreis wechselt in Warnstufe „orange“

Am 22. Oktober wird der Westerwaldkreis mit 741 bestätigten Corona-Fällen und inzwischen 582 wieder genesenen von der Statistik der Landesregierung geführt. Der Westerwaldkreis rutscht nunmehr in die Warnstufe „orange“. Von der Hochzeit in Altenkirchen gibt es elf Infizierte im Kreis Westerwald. 7-Tage-Inzidenzwert ist bei 38,6.


Tödlicher Verkehrsunfall auf der L 299 bei Hüblingen

Am Donnerstag, den 22. Oktober, kam es gegen 17 Uhr auf der L 299 in der Gemarkung Hüblingen zu einem schweren Verkehrsunfall, in dessen Folge eine Person verstarb und zwei weitere verletzt wurden, eine davon schwer. Der Unfall ereignete sich auf gerader Strecke zwischen der B 54 und der Abzweigung nach Hüblingen.


Ausbau der L 307 in der Ortsdurchfahrt Ransbach- Baumbach

Der Landesbetrieb Mobilität Diez (LBM Diez) teilt mit, dass voraussichtlich ab dem 26. Oktober 2020 die Bauarbeiten der Gesamtmaßnahme des Ausbaues der Rheinstraße vom Kreisverkehrsplatz Pleurtuit bis zum Kreisverkehrsplatz „Süße Ecke“ in dem Unterabschnitt von der Masselbachverrohrung bis zur Bahnanlage beginnen werden.


Region, Artikel vom 22.10.2020

Seniorenresidenzen zwischen den Stühlen

Seniorenresidenzen zwischen den Stühlen

Große Unsicherheit und Sorge herrscht derzeit bei Bewohnern, Angehörigen und Mitarbeitern der beiden Alloheim Senioren-Residenzen in Bad Marienberg. Entgegen den Empfehlungen des Bundesministeriums für Gesundheit und des Robert Koch Institutes werden im hiesigen Kreis keine regelmäßigen Covid-19-Tests bei Bewohnern und Mitarbeitern von Seniorenresidenzen durchgeführt, um die erheblichen Infektionsgefahren dieser besonders schützenswerten Risikogruppe zu minimieren.


Wirtschaft, Artikel vom 22.10.2020

Was macht COVID-19 mit der Wäller Wirtschaft?

Was macht COVID-19 mit der Wäller Wirtschaft?

In diesem Jahr ist alles anders, so auch das Kooperationsseminar „Zukunftswerkstatt“, das die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Westerwaldkreis (wfg) seit 2015 im Sommersemester mit der Universität Siegen durchführt. Statt in Unternehmen Interviews zu führen, haben die Studierenden eine Online-Umfrage zu den Pandemie-Auswirkungen im Westerwaldkreis konzipiert, umgesetzt und ausgewertet. Die Ergebnisse wurden jetzt in der Westerwald-Brauerei in Hachenburg präsentiert.




Aktuelle Artikel aus der Wirtschaft


Rechtsberatung für Existenzgründer

Montabaur. Die Fragestellungen sind vielfältig:
• Wie darf ich mein Unternehmen nennen?
• Welche Rechtsformen gibt es?
• Welche ...

Was macht COVID-19 mit der Wäller Wirtschaft?

Hachenburg. Bevor die Studierenden ihre Arbeit vorstellten, wurde die Corona bedingt kleine Runde von Brauerei-Geschäftsführer ...

Vorsicht am Telefon: falsche evm-Mitarbeiter

Koblenz. „Informationen zu Preisanpassungen teilen wir nie am Telefon mit, sondern senden diese immer schriftlich zu“, erklärt ...

Neue Räume für die Qualitätskoordination in der Westerwald-Brauerei

Hachenburg. Bei der Vorstellung wirkt Qualitätskoordinatorin Müller, die seit Jahrzehnten für die Brauerei tätig ist, dynamisch, ...

EWM gehört zu Deutschlands innovativsten Mittelständlern

Mündersbach. Nach der Auszeichnung durch das Institut der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) im Frühjahr, das EWM auch ...

Statt Weihnachtsmarkt: Hachenburger Weihnachtsdorf 2020

Hachenburg. Zum Beispiel Crepes, gebrannte Mandeln, Bratwurst, Räucherfisch und Wild werden die Gäste kulinarisch verwöhnen. ...

Weitere Artikel


Haushaltshilfen für Pflegebedürftige werden unbürokratisch anerkannt

Wirges. Tanja Machalet sagt: „Rheinland-Pfalz ist und bleibt das Land der Kümmerer. Es ist auch den vielen helfenden Händen ...

Das Gestern für morgen bewahren

Montabaur. Das Stadtarchiv sucht ehrenamtliche Mitarbeiter, die sich für die Stadtgeschichte interessieren und dabei mithelfen ...

Verantwortungsvoll, erprobt und gut

Dierdorf/Selters. Die Aufstockung lebensrettender intensivmedizinischer Beatmungsplätze, die Bevorratung einer hohen Anzahl ...

Bronzenes Feuerwehr-Ehrenzeichen an verdiente Wehrleute verliehen

Nistertal. Der Bürgermeister überreichte die Ehrenzeichen anlässlich einer kleinen Feierstunde und dankte allen Jubilaren ...

Kindertagesstätte Hoher Westerwald geschlossen

Montabaur. In der Kindertagesstätte Hoher Westerwald befinden sich alle Erzieher/innen und Kinder in Quarantäne. Es handelt ...

Ehrung des Künstlers Reiner Coura zum 80. Geburtstag

Rennerod/Hüblingen. Jeder der Reiner Couras Arbeit und seine Kunst schätzt, konnte mit einer Spende zum Kauf eines Bildes ...

Werbung