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Nachricht vom 11.10.2020    

Buchtipp: „Wilde Welten der Urzeit“ herausgegeben vom Naturhistorischen Museum Mainz

Von Helmi Tischler-Venter

Das Autoren-Team Nicole Fischer, Manuela Aiglstorfer und Bernd Herkner hat ein anschauliches Buch gestaltet, anhand dessen sich ein Besuch – zum Beispiel jetzt in den Herbstferien - in der 2019 neu eröffneten Dauerausstellung des Museums in unserer Landeshauptstadt mit der ganzen Familie wunderbar vor- oder nachbereiten lässt.

Buchtitel. Foto: Verlag

Dierdorf/Oppenheim. Auf 144 Seiten mit 256 Abbildungen wird der Leser durch urzeitliche Welten geleitet und erkennt dabei, dass „Rheinland-Pfalz auf vergleichsweise engem Raum einen ungeheuren Reichtum an Fossilien bietet.“ (Herkner). Mehr als 2.000 Originalfossilien sind ausgestellt und vermitteln einen lebendigen Eindruck der wechselhaften Geschichte, die sich einst hier abspielte.

Jede Epoche wird mit einem doppelseitigen Bild eingeleitet. Für Kinder sind vielfältige Mitmachseiten eingestreut, vom Ausmalbild über Suchbild, Würfelspiel und Memory-Bogen bis zum Bastelbogen. „Es war an einem Tag im…“ beginnt zu jedem Erdzeit-Alter eine kurze, lebendige Geschichte.

Nebenbei wird gezeigt, dass der Hunsrückschiefer außerordentlich gut erhaltene Fossilien birgt, die durch geduldige Feinarbeit der Präparatoren in wochen- und monatelanger Arbeit herausgearbeitet und gesichert werden.

Urtümliches Leben entstand in tropischer Tiefe bereits vor rund 400 Millionen Jahren, als Rheinland-Pfalz südlich des Äquators lag und fast vollständig von einem tropischen Meer bedeckt war. Einer der vielen skurrilen Bewohner war der bis 2,50 Meter lange Riesen-Seeskorpion.

Das Meerwasser verdunstete weitgehend, in der dadurch entstandenen roten Wüste lebten Riesenlurche. Das älteste Reptil der Region ist der räuberische Cryptovenator. Im Uferbereich wuchsen zum Beispiel Farnpflanzen, Schachtelhalm- und Bärlappgewächse.

Vor 44 Millionen Jahren lebten im tropischen Urwald der heutigen Eifel bis 40 Zentimeter kleine Urpferdchen, Tapire, Riesenhörnchen und Äffchen und an den Vulkanseen lauerten Krokodile. Bedeutende Fundstätte für Fossilien aus dem Eozän ist das Eckfelder Maar. Das Highlight ist eine Vogellaus, die „Eckfeld-Laus“.

Vor 30 Millionen Jahren war das Mainzer Becken von einem artenreichen subtropischen Binnenmeer geflutet, dessen warmes Wasser von Schildkröten, Rochen, riesigen Haien, Muscheln, Schnecken, Korallen, Krebsen und Seekühen besiedelt war.



Im Miozän vor etwa 10 Millionen Jahren floss der Ur-Rhein in einem breiten Tal durch Rheinhessen. Im Gegensatz zur Pflanzenwelt, die bereits der heutigen ähnelte, war die Tierwelt exotisch: Nashörner, Tapire, Hirschferkel, Waldantilopen, Säbelzahnkatze, Bärenhund und der bis 4,40 Meter hohe, beeindruckende Hauerelefant „Deinotherium giganteum“, der den Buchtitel ziert, genossen das warme Wetter, das sich allmählich abkühlte.

Das Pleistozän wies Kalt- und Warmzeiten auf. In den Kaltzeiten zogen Wollnashörner und Mammute zusammen mit großen Rinder- und Pferdeherden durch krautige Kältesteppen. Das Eiszeitalter hielt ausreichend Nahrung für die Pflanzenfresser bereit, in dessen Warmzeiten lebten Wasserbüffel und Flusspferde im Rheintal. Fleischfresser wie Höhlenhyänen fanden also genügend Beutetiere.

Die großen wehrhaften Wollnashörner und Mammute hatten Angst vor einem gefährlicheren Jäger, dem Menschen.

Die Vorgeschichte unserer Region ist spannend und von Wandel gekennzeichnet. „Veränderungen gehören in unserer modernen Zeit zum Alltag. Technischer Fortschritt und gesellschaftlicher Wandel begleiten uns stetig. Manchmal verlieren wir den Blick für die großen Zusammenhänge und die Welt, in der wir leben. Genau diesem Thema widmet sich die 2019 eröffnete neue Dauerausstellung im Naturhistorischen Museum der Landeshauptstadt Mainz“, wirbt Marianne Grosse, Bau- und Kulturdezernentin der Landeshauptstadt Mainz, in ihrem Vorwort.

Erschienen ist das Buch bei Nünnerich-Asmus Verlag & Media, Oppenheim am Rhein, ISBN: 978-3-96176-122-7. htv


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