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Nachricht vom 30.09.2020    

Arbeitsmarkt entwickelt sich trotz Krise positiv

Erstmals seit Beginn der Corona-Krise ist die Arbeitslosigkeit in der Region gesunken – und dies spürbar. Ende September werden für den Bezirk der Agentur für Arbeit Montabaur (Westerwald- und Rhein-Lahn-Kreis) 6.791 Menschen ohne Job gezählt; das ist ein Rückgang um 666 Personen gegenüber dem August. Die Arbeitslosenquote ist im Monatsverlauf um 0,4 Prozentpunkte gesunken und liegt nun bei 3,7 Prozent. Der Unterschied zum Vorjahr bleibt allerdings beträchtlich: Im September 2019 gab es 2.191 Arbeitslose weniger als derzeit und die Quote war mit 2,5 Prozent historisch niedrig.

Montabaur. „Nach dem sprunghaften Anstieg der Erwerbslosigkeit im April hat sich der Arbeitsmarkt rasch stabilisiert“, sagt Elmar Wagner, Chef der Agentur für Arbeit Montabaur. „In den Sommermonaten hat sich die Quote bei 4 Prozent oder knapp darüber eingependelt. Nun steht wieder die Drei vor dem Komma, und das ist ein überraschend positives Signal.“ Dass der Aufwärtstrend sich verfestigt, lasse sich mehrfach begründen: „Die Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen bleibt auf dem gewohnt hohen Level, die Betriebe melden uns zunehmend Arbeitsstellen und vor allem gehen wieder erheblich mehr Menschen ins Erwerbsleben.“

Am Arbeitsmarkt herrscht zu allen Zeiten eine hohe Fluktuation. So gab es im jetzt zu Ende gehenden Monat 1.693 Zugänge in und 2.367 Abgänge aus Arbeitslosigkeit; die Differenz spiegelt den Abbau. Darunter sind 665 Personen, die sich nach Jobverlust erwerbslos melden mussten, aber auf der anderen Seite 836 Männer und Frauen, die eine neue Stelle antreten konnten. Zum Vergleich: Vor einem Jahr waren es 762 beziehungsweise 605 Personen. Elmar Wagner: „Darin zeigt sich: Es wird wieder Beschäftigung aufgebaut. Das war im September 2019 nicht der Fall, als von einer Krise keine Rede war.“ Von der guten Entwicklung profitieren vor allem junge Leute, die vor kurzem ihre Ausbildung beendet haben und entweder nicht übernommen wurden oder sich neu orientieren möchten. Sie werden als frische Fachkräfte gebraucht.

Im September meldeten die Betriebe dem gemeinsamen Arbeitgeberservice der Agentur und der beiden Jobcenter Westerwald und Rhein-Lahn 661 Stellen. Das entspricht einem deutlichen Plus von 122 gegenüber dem August, auch der Vorjahreswert wird leicht überschritten. Von Januar bis September gab es mit 4.473 Angeboten 1.883 weniger als im gleichen Zeitraum 2019. In der Jahressumme steht also ein dickes Minus von fast 30 Prozent.

Der Anstieg der Arbeitslosigkeit gegenüber dem Vorjahr um fast 2.200 Personen ist enorm hoch, relativiert sich jedoch bei näherer Betrachtung. Normalerweise nehmen viele Menschen an Förder- und Qualifizierungsangeboten teil, um ihre Chancen auf Integration zu erhöhen. Währenddessen werden sie laut Gesetz nicht als Arbeitslose geführt. In Zeiten von Corona ruht ein Großteil dieser Maßnahmen, und alle, die sich „in der Warteschleife“ befinden, landen in der Arbeitslosenstatistik. „Dieser und weitere Effekte bewirken, dass die erhöhte Arbeitslosigkeit tatsächlich nur etwa zu einem Viertel der Pandemie geschuldet ist“, erklärt Wagner. „Wir hoffen natürlich, dass die so wichtigen Fort- und Weiterbildungen rasch wieder anlaufen und bald das gewohnte Niveau erreichen.“ Berufliche Qualifizierung ist auch wichtig, um Langzeitarbeitslosigkeit zu vermeiden. Dieses Risiko nimmt mit der Krise merklich zu.



Kurzarbeit erweist sich im wirtschaftlichen Ausnahmezustand als wirksames Instrument, Beschäftigte im Betrieb zu halten und aufgestellt zu sein für den Neustart. Nachdem zunächst mehr als 3.000 Betriebe die Einführung von Kurzarbeit für über 30.000 Beschäftigte angezeigt hatten, ist der tatsächliche Arbeitsausfall im Rückblick deutlich geringer ausgefallen: Für den Monat Mai haben insgesamt 1.830 Betriebe die Erstattung von Kurzarbeitergeld für 13.750 Beschäftigte beantragt. Dass diese Statistik erst mit Verzögerung erstellt werden kann, liegt am gesetzlich geregelten Verfahren. Denn für die monatlichen Abrechnungen mit der Arbeitsagentur haben die Unternehmen jeweils drei Monate Zeit.

Die Eckdaten aus den beiden Landkreisen folgen der Gesamtentwicklung: Im Westerwaldkreis sind derzeit 4.298 Menschen ohne Job gemeldet – 439 weniger als vor einem Monat und 1.335 mehr als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote beträgt 3,7 Prozent. Sie ist in den vergangenen Wochen um 0,4 Prozentpunkte zurückgegangen, aber gegenüber dem September 2019 um 1,1 Prozentpunkte gestiegen.

Für den Rhein-Lahn-Kreis weist die Statistik 2.493 Männer und Frauen ohne Beschäftigung aus; das ist ein Rückgang um 227 Personen gegenüber dem Vormonat und eine Zunahme um 856 Personen gegenüber dem Vorjahresmonat. Die Arbeitslosenquote liegt aktuell bei 3,8 Prozent. Sie ist im Vergleich zum August um 0,3 Prozentpunkte gesunken. Vor einem Jahr war sie 1,3 Prozentpunkte über dem jetzigen Wert. (PM)


Mehr zum Thema:    Coronavirus   
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