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Nachricht vom 27.09.2020    

Mit Sia Korthaus „Im Kreise der Bekloppten“

„Et kütt wie et kütt“ – wie der Rheinländer so schön sagt. An diesem Abend nahm Sia Korthaus das Publikum mit auf eine Reise durch urkomische Alltagssituationen, die jeder schon einmal genauso erlebt hat. Dabei entzündete die erfahrene Kabarettistin ein wahres Feuerwerk aus Gesang, Tanz und Schauspiel. Mit von der Partie: ihre „Alter Egos“, die alle einen ziemlich eigenwilligen Charakter haben und die unglaublichsten Geschichten erzählen.

Sia Korthaus „Im Kreise der Bekloppten“ in Höhr-Grenzhausen. Fotos: Moana Mennicken

Höhr-Grenzhausen. Den Alltagsstress für kurze Zeit einfach hinter sich lassen und bei entspannter Atmosphäre mal wieder herzhaft lachen. Am vergangenen Freitagabend lud die Zweite Heimat – diesmal unter dem Dach des Gastgebers Till Eulenspiegel – zum Kabarettabend mit Sia Korthaus ein. Trotz Maskenpflicht trauten sich circa 50 Gäste in das beliebte Vereinshaus. Auch der weite Abstand zwischen den Zweier- bis Vierertischen konnte dann dennoch nicht verhindern, dass sich ein charmantes Revueflair entwickelte.

Los ging’s mit einem Song, der alle in die richtige Stimmung brachte: „Sorgen? Mach ich mir morgen...“, lautete der Refrain.

Mit dieser Einstellung segelt Sia Korthaus jetzt schon seit 25 Jahren mit Erfolg durch die Untiefen der Kabarettszene. Ihre Leidenschaft für‘s Schauspiel erkannte sie bereits in jungen Jahren. Zunächst studierte sie Sozialpädagogik mit dem Ziel, Kunstpädagogin zu werden. Immer stärker rückte dann jedoch die Schauspielerei in den Vordergrund. Mittlerweile tritt sie in der ganzen Republik auf. In Höhr-Grenzhausen war sie schon viele Male zu sehen und... es lohnt sich!

Seltsame Persönlichkeiten mit unterschiedlichsten Dialekten tauchen in ihrem Bühnenprogramm auf.

Da ist zum Beispiel Birgit, die prollige Berlinerin, die von einer im Preisausschreiben gewonnenen New-York-Reise berichtet, bei der das einzige, was es wirklich „umsonst“ gab, die Hotelhandtücher waren.

Die Friseuse Biggi, deren Salon den eigentümlichen Namen „Dictator's Cut“ trägt, plaudert so manches delikate Geheimnis über ihre Kunden aus, zu denen unter anderem Trump, Putin und „Erdi“ gehören.

Themen wie Beziehung, Hochzeit und Sex werden unter anderem auch von der tabulosen Oma Emmi besprochen. Diese abgebrühte Omi in der bunten Kittelschürze kann auch schon mal Tacheles reden und gewährt unverblümt Einblick in zahlreiche anzügliche Alterseskapaden. Ob Gustav, Herrmann oder Friedrich, langweilig wurde es ihr nie.

Wie gut Sia Korthaus schnell in unterschiedliche Rollen schlüpfen kann, zeigt eine Szene aus ihrer Kindheit in den 70ern. Im Handumdrehen versetzt sie das Publikum in eine fast schon kollektiv erlebte Urlaubsfahrt. Statt Kurztrip per Flieger, ging es um 3 Uhr morgens mit der ganzen Familie im Käfer nach Italien, die Kinder wie Sardinen zwischen Koffern auf der Rückbank, der Vater eine Hand am Steuer, in der anderen eine Zigarette. Das Fenster durfte jedoch nicht geöffnet werden, denn: „Seid ihr verrückt? Wir brettern mit 80 über die Autobahn!“ Den rasanten Rollenwechsel zwischen Vati, Mutti, Omi, Opi und Tochter quittiert das Publikum mit Lachsalven, denn offenbar trifft Sia Korthaus damit genau den nostalgischen Nerv jener seltsamen Spezies, die in 70er Jahren aufgewachsen ist.

Nicht zuletzt lamentiert Gott selbst – und natürlich ist Gott eine Frau, denn ohne Multitasking geht’s nun einmal nicht – über seine „Bezirksgruppenleiter“: Luzifer und weitere Mitgötter –
die dafür sorgen, dass im Kreise der Bekloppten auch weiterhin buntes Chaos herrschen wird.

Eines ist klar: Sia ist ein Multitalent. Bei Körpersprache, Mimik und der treffsicheren Modellierung ihrer Figuren überzeugt sie allemal und überrascht dabei obendrein mit einer wirklich eindrucksvollen Singstimme. Das ist von vorn bis hinten mitreißende Energie und Agilität auf der Bühne.

Auch einige ernst gemeinte, sehr schöne Messages – man solle sich zum Beispiel einfach mal ein bisschen öfter umarmen – kommen in Liedform vor und runden den Abend ab.

Zum Abschluss lässt die Comedy-Frau noch einmal alle Charaktere des Abends Revue passieren, bevor sie vom Publikum bejubelt von der Bühne geht.

Und schnell ist klar: Eine Zugabe muss her! Und schon schlüpft Sia in eine neue Rolle. Als coole Slammerin haut sie einen Reim nach dem anderen raus und setzt damit zum Ende hin noch einen drauf.

Alle, die sich dieses Mal nicht aus dem Haus trauten, können sich auf Sia Korthaus’ Weihnachtsprogramm 2021 freuen. (Moana Mennicken)


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