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Nachricht vom 06.09.2020    

Nicole nörgelt… über volle Notaufnahme im Krankenhaus

Von Nicole

GLOSSE | Hatten Sie ein schönes Wochenende? Die vielleicht letzten Spätsommertage unter freiem Himmel genossen, Hobbys gepflegt, Freunde getroffen? Ich beneide Sie ein bisschen, denn ich habe ein paar eher nervenaufreibende Stunden in der Notaufnahme eines Krankenhauses verbracht – und dabei einmal mehr eine Lektion über menschliche Egos erhalten.

Manche Zeitgenossen definieren das Wort "Notaufnahme" sehr eigenwillig. Symbolfoto

Region. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich bin ganz gewiss kein Leuchtturm der Selbstlosigkeit, aber manchmal frage ich mich doch, ob es auch Rücksichtslosigkeit auf Rezept gibt.

Nun habe ich ja noch gut reden, denn eigentlich war es meine Freundin, die Grund zum Ärgern gehabt hätte. Sie hatte versucht, per Leiter die ersten Äpfel im heimischen Garten zu pflücken. Sie mögen es an dieser Stelle ahnen: Der Versuch ging nicht gut aus. Das Ende vom Lied war nämlich kein leckerer Apfelkuchen, sondern ein dank einer verpassten Leiterstufe und anschließendem Sturz ziemlich grotesk geknicktes Handgelenk. Die weinende und sichtlich erschrockene Freundin also ins Auto gepackt und ab in die Notaufnahme.

„Keine Angst, du kriegst gleich Hilfe“, beruhigte ich das schluchzende Bündel neben mir noch auf den Weg zum Eingang. Aber die Ernüchterung kam schlagartig, denn nachdem uns eine gestresst aussehende Krankenschwester kopfschüttelnd erklärt hatte, dass der Zustand meiner Freundin kaum als lebensbedrohlich einzuschätzen sei, mussten wir erstmal warten – in einem Wartebereich, der voller war als die U-Bahn in Tokio zur Rush Hour. Da dachte ich allerdings noch, dass die halbe Krankenhausbelegschaft gerade mit der Rettung eines schwerverletzten Unfallopfers, dem Verlierer einer Messerstecherei oder einer plötzlichen Sturzgeburt beschäftigt sei. Nun, die Geschichten der anderen Patienten haben mich dann doch ein bisschen verblüfft.

Da war zum Beispiel der gut gelaunte Herr, der „mit leichten Bauchschmerzen“ aufgewacht war, zwar schon vor ein paar Tagen, aber egal, ihm war eben erst am Samstagnachmittag danach, das mal checken zu lassen, ein echter Mann hält sowas doch aus und opfert keinen Arbeitstag für den Gang zum Arzt. Dann lieber am Wochenende in die Notaufnahme, „die sind ja eh immer da.“

Das fand scheinbar auch die Mama mit ihrem mopsfidelen Jungen im Grundschulalter, der arme Kleine war doch glatt mit Rotznase vom Spielen heimgekommen, nicht, dass da eine böse Allergie im Anflug ist, „man weiß ja nie, was andere Mütter ihren Kindern alles erlauben…“



Ach ja, und die nette ältere Dame hätte ich fast vergessen, die es nicht mehr zum Hausarzt geschafft hatte und jetzt in der Notaufnahme auf ein Rezept für ihre seit Jahre benötigten Medikamente hoffte, Arzt ist schließlich Arzt.

Gut. Es liegt mir fern, mich über das Leiden anderer Menschen lustig zu machen, aber… ernsthaft?? Und dann jammern, dass die Krankenhäuser hoffnungslos überlastet sind, Notfälle nicht schnell genug behandelt werden können und das Klinikpersonal permanent auf dem Zahnfleisch geht und weder Zeit noch Nerven für Menschliches hat?

Als ich mit Blick auf meine sich weinend den Arm haltende Freundin vom Sitznachbar gefragt wurde, was uns denn an so einem schönen Nachmittag herführt, war ich ganz kurz versucht, mit „Verdacht auf Corona“ zu antworten. Ich habe es mir mühsam verkniffen. Ich mag eine mäkelige Meckertante sein, aber so tief sinke dann nicht mal ich. Obwohl manche Menschen es kaum besser verdient hätten.

In diesem Sinne, bleiben Sie gesund!
Ihre Nicole


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