Werbung

Nachricht vom 26.08.2020    

Wie Kirchengemeinden nachhaltiger mit der Schöpfung umgehen können

Es muss nicht gleich das neue CO2-neutrale Gemeindehaus sein. Schon mit kleine Schritten können Kirchengemeinden dazu beitragen, die Schöpfung zu bewahren und Ressourcen zu schonen. Wie das im Gemeinde-Alltag funktionieren kann, haben nun zwei Experten während eines Info-Abends im Westerburger Pfarrer-Ninck-Haus erklärt: Cassandra Silk ist Klimaschutz-Managerin bei der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau und Hartmut Baden Umweltbeauftragter des Evangelischen Dekanats Westerwald.

Die Referentin Cassandra Silk gab gemeinsam mit Hartmut Baden in Westerburg wertvolle Tipps, wie Kirchengemeinden im Alltag nachhaltiger agieren können. Fotos: Peter Bongard

Westerburg. Rund zwei Stunden lang geben sie unter der Überschrift „Nachhaltiger Umgang mit der Schöpfung - was Kirchengemeinden dazu beitragen können“ gute Tipps, die auch nötig sind: In ihrer Andacht geht die Referentin für Gesellschaftliche Verantwortung im Dekanat, Nadine Bongard, auf den Zustand des Wäller Waldes und das Baumsterben nach drei trockenen Jahren ein. „Mancherorts sehen unsere Wälder verwüstet aus“, sagt sie. Dabei gibt die Bibel den Menschen den Auftrag des „Bebauens und Bewahrens“ der Erde: „Das Bebauen haben wir hier im Westerwald gut hinbekommen. Für die Zukunft müssen wir uns noch viel stärker dem Bewahren widmen“, mahnt Nadine Bongard.

Dass es Anno 2020 tatsächlich sehr ernst ums Klima steht, illustrieren Cassandra Silk und Hartmut Baden anhand von Statistiken, die vor allen Dingen eines zeigen: Trockenheiten, Hitzewellen und Dürreperioden werden zum Normalzustand und nehmen künftig zu. Doch das muss nicht so kommen, glaubt Baden. „Viele denken: Ich kann doch ohnehin nichts ändern! Das ist ausgesprochen schade. Die Kirchengemeinden scheuen den großen finanziellen und zeitlichen Aufwand, den nachhaltiges Handeln ihrer Ansicht nach mit sich bringt.“

Dabei sollte gerade die Kirche als großer Arbeitgeber, Gebäude-Besitzer und geistliches Vorbild eine Vorreiterrolle einnehmen, findet der Umweltbeauftragte, und viele Gemeinden sind sich dieser Rolle schon bewusst. Die Teilnehmenden berichten in einer Fragerunde von denjenigen Dingen, die sich nicht erst seit der Fridays-for-Future-Bewegung in den Gemeinden ändern: von Porzellan statt Einweggeschirr bei Gemeindefesten, von fair gehandeltem Kaffee, von weniger Fahrtstrecken dank Home-Office.

Aber da geht durchaus noch mehr. In einem ersten Überblick geben Cassandra Silk und Hartmut Baden einfache Ratschläge zu den Bereichen Mobilität, Bio-Diversität, Energieeffizienz und Ressourcenschonung - kompakte Tipps statt Mammutaufgaben, die sich gut in den Alltag integrieren lassen. So könnte die Kita vor Ort zum Beispiel über die Anschaffung eines E-Bikes nachdenken, das gleichzeitig ein halbes Dutzend Kinder transportieren kann. Außerdem können sich Kirchengemeinden fürs Car-Sharing stark machen und so dafür sorgen, dass mehr Zweit-Wagen von Wäller Grundstücken verschwinden, wie es die Referenten formulieren.

Was das Thema Biodversität angeht, bieten beispielsweise das Anlegen von Blühwiesen oder Insektenhotels gute Möglichkeiten, gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen. „Solche Pflanzaktionen sind tolle Gemeinschaftsprojekte, zu denen Kirche aufrufen kann“, sagt Cassandra Silk.

Einen großen Schritt hin zu mehr Energieeffizienz in kirchlichen Gebäuden bringt der Umstieg auf LED-Leuchtmittel. Anhand einer Beispielrechnung zeigt Hartmut Baden, dass die Einsparungen beim Verzicht auf alte Glühbirnen durchaus in die Tausende gehen kann. Und auch der bewusstere Umgang mit Papier - etwa beim Druck des Gemeindebriefs - hilft dabei, den ökologischen Fußabdruck zu verkleinern. Die Experten verraten, dass sich die Druckereien mit etwas Verhandlungsgeschick davon überzeugen lassen, Recyclingpapier zum selben Preis wie herkömmliches zu verwenden. Apropos Nachhaltigkeit: „Angebote wie Tauschbörsen, Repair-Cafés, Upcycling-Kurse oder das bewusstere Einkaufen helfen, Ressourcen zu schonen und Dinge länger zu nutzen“, sagt Cassandra Silk.



Die vielen Tipps, die die Referenten den Gästen an diesem Abend mit auf den Weg geben, sind ein guter Anstoß, in der eigenen Gemeinde weiter am Ball zu bleiben. „Es braucht in jeder Kirchengemeinde Kümmerer“, sagt Hartmut Baden. „Das müssen nicht unbedingt Menschen aus dem Kirchenvorstand sein. Das Engagement für die Umwelt ist ein guter Weg, auch jene mit einzubeziehen, die sich ansonsten von Kirche entfernen würden.“ Wichtig ist es, Zuständigkeiten klar und transparent zu verteilen, betont Cassandra Silk. „Und kommunizieren Sie diesen Weg der Nachhaltigkeit nach innen und außen. Dabei helfen Veranstaltungen und Kurse mit Konfirmanden, Kindertagesstätten oder Senioren, Gottesdienste unter freiem Himmel, die Schöpfung erlebbar machen und der Kontakt zu Organisationen wie dem Nabu, dem BUND, der Kommune oder auch dem Dorfladen vor Ort.“

So dringlich das Thema ist: Cassandra Silk rät auch zu einer gewissen Gelassenheit, damit sich die Mitarbeitenden nicht zu sehr unter Druck setzen: „Jede Gemeinde hat ihr eigenes Tempo, und selbst mit einem geringen Budget kann schon viel erreicht werden.“ Außerdem gibt es noch den Grünen Hahn: Das ist ein kirchliches Umweltmanagement-System, das Gemeinden hilft, ein Bewusstsein für ökologische Fragen zu entwickeln. Hartmut Baden berät und begleitet Kirchengemeinden im Rahmen dieses Programms.

Veranstaltet wurde der Abend von der Evangelischen Erwachsenenbildung des Dekanats Westerwald im Rahmen der Ehrenamtsakademie. Erwachsenenbildungs-Leiterin Regina Kehr verabschiedet die Gäste mit einem Abendsegen und wünscht sich, dass die Wäller Kirchen mit gutem Beispiel vorangehen. „Ich wünsche uns allen eine Strahlkraft, damit wir als Kirche und Christen eine Vorreiterrolle einnehmen. Denn es ist unser Auftrag, die Schöpfung zu bewahren.“

Der Vortrag ist demnächst auch als Video auf dem Youtube-Kanal des Evangelischen Dekanats Westerwald (evangelischimwesterwald) sowie auf der Homepage des Dekanats (www.evangelischimwesterwald.de) zu sehen. Weitere Infos zum Thema erhalten Kirchengemeinden beim Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (Internet: www.zgv.info). Informationen zum Grünen Hahn gibt es beim Umweltbeauftragten des Evangelischen Dekanats Westerwald, Hartmut Baden, E-Mail: hartmut.baden@ekhn.de, Telefon 02624/948751. (PM)


Jetzt Fan der WW-Kurier.de Lokalausgabe Westerburg auf Facebook werden!

Weitere Bilder (für eine größere Ansicht klicken Sie bitte auf eines der Bilder):
 


Anmeldung zum WW-Kurier Newsletter


Mit unserem kostenlosen Newsletter erhalten Sie täglich einen Überblick über die aktuellen Nachrichten aus dem Westerwaldkreis.

Beliebte Artikel beim WW-Kurier


Corona im Westerwaldkreis: Weiter rückläufige Zahlen

Das Gesundheitsamt Montabaur meldet am Montag, den 10. Mai 6.944 (+9) bestätigte Corona-Fälle. Der Westerwaldkreis verzeichnet aktuell 543 aktiv Infizierte, davon 366 Mutationen.


Neues Hilfeleistungslöschfahrzeug für VG Hachenburg

Nachdem bereits Anfang April ein neues Hilfeleistungs-Löschgruppenfahrzeug HLF 20 für den Löschzug Hachenburg beim Aufbauhersteller Ziegler abgeholt werden konnte, rückt dieses multifunktionale Fahrzeug nach ausführlicher Einweisung der Einsatzkräfte nun auch im Einsatzfall aus.


Mehrfache Sachbeschädigung durch Sprühen mit weißer Farbe

Am heutigen Montag, dem 10. Mai 2021, wurde gegen 17 Uhr durch einen Geschädigten eine Sachbeschädigung an seinem Fahrzeug gemeldet. Hier wurde das Fahrzeug mit weißem Lack an einer Vielzahl von Stellen am Wagen besprüht.


Backhaus Hehl und Hachenburger Brauerei erfinden Bierretter-Brötchen

Normalerweise sind eine Bäckerei und eine Brauerei zweierlei Paar Schuhe, doch wenn innovative Köpfe zueinanderfinden, dann kann aus dieser Allianz durchaus etwas nicht Alltägliches entstehen. Wie kam die Idee zum Bierretter-Brötchen zustande? Wir haben nachgefragt.


Verkehrsuntüchtigen LKW in Rennerod sichergestellt

Wegen polizeilich festgestellter gravierender Mängel, vor allem die Bremsen betreffend, wurde ein rumänischer LKW in Rennerod bis zur Instandsetzung an der Weiterfahrt gehindert.




Aktuelle Artikel aus der Region


Verkehrsuntüchtigen LKW in Rennerod sichergestellt

Rennerod. Am Montag, dem 10. Mai 2021 wurde in Rennerod gegen 16 Uhr nach einem Hinweis ein rumänischer LKW kontrolliert. ...

Mehrfache Sachbeschädigung durch Sprühen mit weißer Farbe

Westerburg. Im Rahmen der Anzeigenaufnahme wurden weitere Beschädigungen durch Sprühen mit dem weißen Lack im öffentlichen ...

Corona im Westerwaldkreis: Weiter rückläufige Zahlen

Montabaur. Der relevante Inzidenzwert des Kreises liegt laut RKI heute bei 120,4, Vortag 133,2, Vorgestern 142,6.

Drei-Tages-Inzidenz
Die ...

Max Walscheid: Der Radprofi aus dem Westerwald

Dierdorf. Wie viele Kilometer Max Walscheid schon auf zwei Rädern zurückgelegt hat? Diese Frage genau zu beantworten, ist ...

Digitale Beiträge zur Themenwoche Pflegeausbildung

Siegen/Region. Am Montag, dem 10. Mai startet die Themenwoche mit einem Statement der Bundesfamilienministerin Franziska ...

Die Waldstraße in Heilberscheid im SWR Fernsehen

Heilberscheid. Die kleine Gemeinde Heilberscheid hat rund 650 Einwohner/innen, sie liegt acht Kilometer südöstlich der Westerwälder ...

Weitere Artikel


Aubach-Tour (XVII): schöne Rundtour für einen langen Nachmittag

Montabaur. In Wirges ist der sogenannte Westerwälder Dom zu bestaunen: Die katholische Pfarrkirche St. Bonifatius wurde ab ...

„evm-Ehrensache“ unterstützt gemeinnützige Vereine in der VG Montabaur

Montabaur. Norbert Rausch, Kommunalbetreuer von der Energieversorgung Mittelrhein (evm) richtet ein dickes Dankeschön an ...

Sommerferienaktionen mit dem ‚plus‘ in der VG Selters

Selters. Michaela Weiss von Medien-Leuchtturm aus Hachenburg vermittelte mit der App ‚Stop Motion‘ kompetent Wissen und Praxis ...

AfD wählt Jan Strohe und Jürgen Nugel zu Direktkandidaten

Hachenburg. Jan Strohe ist gelernter Großhandelskaufmann, Vorsitzender der AfD Westerwald und im Vorstand der Jungen Alternative ...

KFZ-Zulassungsstelle führt Online-Terminvergabe ein

Montabaur. Unter der Adresse www.westerwaldkreis.de und dem Pfad Bürgerservice können Sie Online-Terminvereinbarung anklicken ...

Verfolgungsfahrt durch halben Westerwald

Müschenbach/Dierdorf/Mündersbach. Im weiteren Verlauf fuhr der Audi in Richtung Dierdorf. Hierbei durchfuhr er unter anderem ...

Werbung