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Nachricht vom 19.07.2020    

3500 Ärzte aus China lernen von Siegener Experten

Die Kniegelenke bei einer O- oder X-Bein-Stellung mit Arthrose so erhalten, dass keine Prothese nötig ist: Moderne Operationsmethoden, die das möglich machen, haben 3500 Orthopäden und Unfallchirurgen aus China vor ihre Computer gelockt, um von Professor Dr. Steffen Schröter, Chefarzt der Unfall- und Wiederherstellungschirurgie am Diakonie Klinikum Jung-Stilling in Siegen, zu lernen.

Über ein Online-Seminar teilte Professor Dr. Steffen Schröter aus Siegen sein Wissen mit 3500 Orthopäden und Unfallchirurgen aus China. Im Fokus standen Grundlagen, Operationstechniken und Nachbehandlungen von kniegelenkerhaltenden Therapieverfahren. (Foto: privat)

Siegen. Professor Schröters Steckenpferd ist die Osteotomie – ein operatives Verfahren, welches es erlaubt, eine Knie-Totalendoprothese bei einer Fehlstellung über viele Jahre hinauszuzögern oder gar zu verhindern. Als zertifizierter Kniechirurg der Deutschen Kniegesellschaft und Vorsitzender des Osteotomie-Komitees ist der Fachmann zudem vielseitig in der Forschung tätig. Sein Wissen teilt der Chefarzt gerne – auch mit seinen asiatischen Kollegen. Denn: „Während wir Europäer viel sitzen, ist für Chinesen die tiefe Hocke typisch. Vom Kindesalter an lernen sie die Position. Sie ist Bestandteil ihres Alltags, ihrer Religion und Kultur. Einen Gelenkersatz durch eine Prothese zu meiden und damit die Beweglichkeit so lange wie möglich zu erhalten, ist deshalb enorm wichtig für diese Menschen.“ Zudem hat die traditionelle Medizin in China einen hohen Stellenwert. In der heißt es, dass keine Fremdmaterialien im menschlichen Körper verbleiben sollen.

Corona-bedingt konnte der Siegener Experte nicht persönlich für das Seminar nach China reisen. Dennoch war es ihm ein Anliegen, den asiatischen Ärzten seine Erfahrungen näher zu bringen. Über eine medizinische Fachgesellschaft fand er Unterstützung. Organisiert wurde ein Online-Seminar – eine digitale Übertragung, über die im Internet live zugeschaut und zugehört werden kann. 3500 Orthopäden und Unfallchirurgen aus ganz China nahmen teil, um sich über alternative Verfahren zur Totalendoprothese des Kniegelenks schlau zu machen. An vier Tagen ging Professor Schröter für jeweils zwei Stunden online.



Die Teilnehmer konnten den 44-Jährigen sowohl live auf englisch sprechen sehen und hören, als auch seine Folien mit Inhalten zur Thematik einsehen. Wer mochte, konnte sich das Gesprochene zeitgleich übersetzt auf Chinesisch anhören – ein Klick im Programm reichte dafür aus. Grundlagen, Operationstechniken und Nachbehandlungen der kniegelenksnahen Osteotomie standen bei dem Online-Seminar im Fokus. „Da es bei der hohen Teilnehmerzahl schwierig ist, online live miteinander zu kommunizieren, stand ich im Anschluss für Fragen bereit“, so Steffen Schröter. Dies erfolgte über einen mobilen Chat-Dienst – ebenfalls mit Übersetzungsmöglichkeit. Damit konnte der Chefarzt aus Siegen alle Fragen beantworten. Auch Falldiskussionen wurden dabei in Gruppen geführt. (PM)


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