Werbung

Nachricht vom 13.07.2020    

Corona-Krise wirft für Förderschulen viele Fragen auf

Einen freundlichen Empfang, allerdings mit besorgter Miene, erlebte Landtagsabgeordnete Jenny Groß in der Katharina-Kasper-Schule in Wirges. Gemeinsam mit dem Generalsekretär der CDU Rheinland-Pfalz Gerd Schreiner, im Rahmen seiner Mut-Tour, wollte sich die Abgeordnete mit Eltern und Lehrern einer fast vergessenen Personengruppe treffen – den Schülerinnen und Schülern von Förderschulen.

Politikerbesuch in der Katharina-Kasper-Schule in Wirges. Foto: privat

Wirges. „Das Land hat dieser Schulform keine Chance zur schrittweisen Öffnung gegeben, damit nach den Ferien der volle Regelbetrieb nicht im Kaltstart erfolgen muss!“, kritisierte Groß. Zudem betonte sie, dass „Eltern bei Regelschulen selbst entscheiden konnten, ob ihre Kinder zur Schule gehen oder nicht. Das Land muss hier klare Position beziehen und zwar bevor es eine zweite Welle gibt!“. Denn Groß stellte unmissverständlich klar, dass „beeinträchtigte Kinder ein gleiches Recht auf Bildung haben und keine Nachteile gegenüber gesunden Kindern erfahren dürfen!“.

Zudem gibt es viele ungeklärte Fragen, wie auch Volker Vieregg (Schulleiter) erklärte: „Der 4. Hygieneplan hat viele Widersprüche und eine Dienstbesprechung mit allen Förderschulen in Rheinland-Pfalz solle Klarheit bringen, allerdings findet diese erst nach Ferienbeginn statt!“. In der Praxis bedeutet dies, dass mit dem Lehrerkollegium an der Schule in Wirges erst in der Woche vor Schulbeginn über die Details gesprochen werden kann. „Ein Unding!“, wie auch Gerd Schreiner findet, der von der Landesregierung hier ein entschlosseneres Krisenmanagement erwartet hätte. Der CDU Generalsekretär Schreiner hat selbst familiären Bezug zu der betroffenen Personengruppe – sein älterer Bruder ist schwerst mehrfach behindert. Er fragte Anke Sauer (Schulelternbeirat) interessiert: „Wie funktioniert das „Homeschooling“ mit beeinträchtigten Kindern? „Es ist schwer, die Motivation der Kinder zu wecken, wenn andere Kinder nicht da sind. Sie fragen dann häufig, warum sie lernen müssen, wenn andere Kinder nicht da sind!“, antwortete die engagierte Vertreterin. Jenny Groß unterstrich diese These, denn „den Kindern fehlen Rituale und Aufgaben. Wenn man diese beispielsweise über ein rotierendes System der Anwesenheit wieder einführe, bekämen die Kinder diese wichtigen Gewohnheiten zurück!“, zeigt sie sich überzeugt.

Weitere Herausforderungen am Schulstandort sind insbesondere infrastruktureller Natur, wie die stellvertretende Schulleiterin Pia Hannappel erläuterte: „1989 waren hier noch 35 Schüler und 12 Lehrkräfte, heute sind es 110 Schüler und 40 Lehrkräfte!“. Die Zahlen steigen dabei jährlich an, sie wird gut angenommen. Dies ist auch der Tatsache geschuldet, dass die geplanten Inklusionsbestrebungen in Rheinland-Pfalz gescheitert sind. Der steigenden Nachfrage trägt die Schule auch Rechnung, wie der Schulleiter Vieregg sagte: „Die Arbeiten zum Anbau sollen im September starten, denn derzeit haben wir bis auf die Turnhalle keine Ausweichmöglichkeit mehr“. Diese räumliche Situation ist insbesondere in Zeiten von Corona nicht zuträglich, wie er im Hinblick auf die baldige Wiedereröffnung weiter ausführte: „Ich gehe zum Netto und muss Abstand halten, hier nicht!“

Peter Roos, Abteilungsleiter der Caritas für Schulstruktur und Schulfinanzierung, sieht weitere Defizite in der Bildungspolitik sowie den Rahmenbedingungen für Förderschulen und schilderte: „Die Zahl der Förderschullehrer in Rheinland-Pfalz müsste höher sein. Und dann wirbt das Land uns noch Lehrkräfte ab! Wir haben vor zwei Jahren die Anforderung an offizielle Stelle abgesetzt, dass wir zwei weitere Kräfte brauchen. Eine Kraft kam zusätzlich, auf die andere dringend benötigte wartet die Schule noch heute!“ Des Weiteren thematisierte er auch Ungleichheiten bezüglich der Bezahlung der Lehrkräfte: „Dabei spielt auch die finanzielle Vergütung der Lehrkräfte eine Rolle, die nicht genügend Wertschätzung widerspiegelt, denn sie verdienen unter dem Strich 400 Euro weniger als verbeamtete Lehrkräfte beim Land“, so Roos. Auch die Infrastruktur und die Ausstattung der Schule liegt deutlich unter dem, was im 21. Jahrhundert angemessen wäre, für eine Industrienation wie die Bundesrepublik Deutschland: „Beim Digitalpakt sind wir auch dabei!“, wie Roos klarstellte. „Ein wichtiger Punkt sei die Ausstattung mit Endgeräten, wie beispielsweise Tablets, die deutlich verbesserungswürdig ist. Beim Netzausbau muss das Land ebenfalls nachlegen.“

„Die Landespolitik muss auch an die Kinder in den Förderschulen denken!“, stellte die Landtagsabgeordnete Groß heraus und betonte ausdrücklich: „Ich setze mich in Mainz dafür ein, die dort etablierten Denkweisen in Frage zu stellen und möchte ein Umdenken erreichen!“ (PM)


Jetzt Fan der WW-Kurier.de Lokalausgabe Wirges auf Facebook werden!


Anmeldung zum WW-Kurier Newsletter


Mit unserem kostenlosen Newsletter erhalten Sie täglich einen Überblick über die aktuellen Nachrichten aus dem Westerwaldkreis.

Beliebte Artikel beim WW-Kurier


Corona schwappt über Westerwaldkreis – 19 neue Fälle

Am 4. August gibt es 423 bestätigte Fälle im Westerwaldkreis, davon inzwischen 366 wieder genesen. 122 Westerwälder befinden sich in angeordneter Quarantäne. Damit gab es seit Dienstag 19 neue Fälle. Erfreuliche Nachrichten aus dem Unternehmen aus der VG Montabaur.


Standortwechsel in Höhn: EDEKA Osterkamp mit neuem Markt

Wenn nun im August endlich die Bauarbeiten beginnen und zum Jahresende 2021 der neue EDEKA Markt in Höhn eröffnet wird, liegt ein langer Weg hinter der Kaufmannsfamilie Osterkamp. Neun Jahre sind dann von der ersten Idee für den neuen Standort bis zur Fertigstellung im Gewerbepark Höhn vergangenen.


Region, Artikel vom 08.08.2020

Bahn saniert Brückenbauwerk Nistertal

Bahn saniert Brückenbauwerk Nistertal

Eines der zahlreichen Brückenbauwerke der Deutschen Bundesbahn im Bereich der Gemeinde Nistertal wird derzeit instandgesetzt. Dagegen wird die „Erbacher Brücke“ dem Verfall preisgegeben.


Damenbesuch „Vier Hochzeiten und zwei Todesfälle“

In ihrem zweiten Programm wollen es die Damen endlich wissen: wie funktioniert das mit dem glücklichen Leben? Nachdem sie ihre Scheidungen erfolgreich verarbeitet haben, gilt es wachsam zu sein: Ab 40 wird alles besser haben sie gesagt! Aber ist das wirklich so? Wenn man eine Ehe in den Sand gesetzt hat, sollte man sich dann wirklich auf eine zweite einlassen? Wie setzt frau endlich ihre Lebensträume um? Langsam wird die Zeit knapp.


Der Helle Wiesenknopf-Ameisenbläuling im Westerwald

Nach dem Dunklen Wiesenknopf Ameisenbläuling (Maculinea nausithous) weist die Naturschutz-Initiative (NI) auf die Gefährdung des verwandten Hellen Wiesenknopf-Ameisenbläulings hin. Der Helle Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Maculinea teleius) ist eine Art der FFH-Richtlinie (Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie) und ist auch unter dem Namen Großer Moorbläuling bekannt. Laut der Roten Liste Deutschland und Rheinland-Pfalz fällt er unter die Gefährdungsstufe 2 (stark gefährdet).




Aktuelle Artikel aus der Politik


SGD Nord: Monitoringbericht zu Erneuerbaren Energien

Koblenz/Region. Windenergie, Photovoltaik, Bioenergie und Wasserkraft sind in den Regionen Trier, Mittelrhein-Westerwald ...

CDU-Stadtratsfraktion Hachenburg: Der Stadtwald braucht Hilfe

Hachenburg. Dieter Volkening verwies in seinem Situationsbericht darauf, dass Stürme, Dürre, und Schädlinge auch im Hachenburger ...

„Wäller Kinder lernen schneller“ bleibt ein voller Erfolg

Montabaur. Ein Teil dieses Aktionsplans ist das Förderprogramm „Wäller Kinder lernen schneller“. Das Programm läuft bereits ...

Radwegeaktionstag wird ins nächste Jahr verschoben

Montabaur. Dafür werben wollte ein kreisweit geplanter und weitgehend schon vorbereiteter Radwegeaktionstag am Samstag 29. ...

VG-Werke Hachenburg sichern Klimaschutz und Energieversorgung

Hachenburg. Man könnte sich in Hachenburg gut vorstellen, die vor einigen Jahren reformierten Vorschriften des Gemeindewirtschaftsrechts ...

Kosten bei Arbeiten an bestehenden Wasser- oder Abwasserhausanschlüssen

Hachenburg. Sollten die Werke bei der Bautätigkeit feststellen, dass bestehende Hausanschlüsse zu alt oder nicht mehr intakt ...

Weitere Artikel


Fördermittel erlauben technische Aufrüstung im Stöffel-Park

Enspel. Gleich zwei besondere Projekte können hier durch den Geldsegen finanziert werden – die technische Modernisierung ...

Viele Bäume zieren das Neuwieder Roentgen-Museum

Neuwied. Corona-bedingt entfiel eine offizielle Eröffnung mit vielen Menschen, doch die interessierten Besucher freuen sich ...

Freude beim Umweltverband Naturschutzinitiative über Gerichtsurteil

Heiligenroth. Das Verwaltungsgericht Koblenz hatte auf Antrag des anerkannten Umweltverbandes Naturschutzinitiative e.V. ...

Verkehrsunfall mit Schwerverletzten und Fahrer unter Drogen

Nordhofen. Am Sonntag, dem 12. Juli, kam es um 18:10 Uhr auf der K132 zwischen Nordhofen und Oberhaid zu einem schweren Verkehrsunfall. ...

Chöre sollen jetzt Corona-Finanzhilfe beantragen

Montabaur. Grundlage für die Hilfe ist das Programm Neustart Kultur: Dort stellt die Bundesregierung insgesamt eine Milliarde ...

Dorf plant besondere Veranstaltung: 1. Sessenhäuser Autokirmes

Sessenhausen. Der Vereinsring Sessenhausen entwickelte daraufhin ein Konzept, um damit das rege Vereinsleben sowie die Kultur ...

Werbung