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Nachricht vom 28.06.2020    

Nicole nörgelt… über wackelige Kohlengrills und verbrannte Finger

GLOSSE | Kennen Sie diese Sketche, in denen Menschen verzweifelt versuchen, einen Strandstuhl aufzuklappen und schließlich weinend vor der doch so einfachen Holzmechanik kapitulieren? Und nun stellen Sie sich die gleichen Menschen beim Aufstellen eines Kohlegrills vor.

Stabil sollte er schon sein, der Grill. Foto: Wolfgang Tischler

Region. Ich ärgere mich so, dass ich keine Kamera mitgenommen habe, als ich dieser Tage zum sommerlichen Grillen bei Freunden eingeladen war. Dieses Spektakel hätte ich mir gerne an kalten Winterabenden nochmal angesehen. Natürlich nur wegen der freundlichen Erinnerungen und nicht aus Schadenfreude, was denken Sie von mir?

Dabei hätte ich den Braten eigentlich riechen müssen. Nein, ich meine nicht das Grillgut, ich meine die Gästeliste: Zwei verheiratete Paare, eins, das schon seit Ewigkeiten zusammen ist, der Single-Freund des Gastgebers und ich, die ewige Single-Frau. Na? Riechen Sie es schon? „Der Jan ist schon da!“, begrüßte meine Freundin mich an der Tür mit dem breiten Grinsen einer Schlange und hätte ich nicht gerade eine Schüssel Nudelsalat auf dem einen und eine Form Tiramisu auf dem anderen Arm balanciert, wäre ich wahrscheinlich sofort wieder umgekehrt. Verkuppelungsversuche von Freunden sind ja meistens gut gemeint, aber Sie kennen den Spruch: Der Weg zur Hölle ist gepflastert mit guten Absichten! Kurz überlegte ich, einfach alles fallen zu lassen und schreiend die Flucht zu ergreifen, aber sie hatte mich schon durch die Küche auf die Terrasse bugsiert, wo mich schon zwei weitere grinsende Frauengesichter erwarteten.

Die Jungs hatten sich auf den Rasen verzogen und standen um etwas herum, das wie ein rauchender Kinderwagen aussah. „Jaaahaaaan!“, rief meine Freundin gutgelaunt und ein – zugegeben ziemlich ansehnlicher – Lockenkopf in Jeans und Sneakers drehte sich zu mir um, grüßte kurz mit der Bierflasche und wandte seine Aufmerksamkeit wieder dem zu, was wohl ein Holzkohlegrill sein sollte. Ich wusste kurz nicht, ob ich beleidigt oder erleichtert sein sollte. Und die Konstruktion auf unebenem Untergrund erschien mir auch irgendwie wackelig…

„Halt feeeest!“, dröhnte da schon die Stimme des Gastgebers durch den Garten. Wer auch immer angesprochen war, reagierte nicht, ist ja auch gar nicht so einfach mit einem Bier in der Hand, wohin denn auch so schnell damit. Und so hörte man nur ein „Kniiiiirsch“ und der anscheinend grade frisch aufgebaute Grill ging in die Knie, schön langsam nach einer Seite geneigt, und kippte seinen kohleglühenden Inhalt auf den Rasen. Schade, dass keiner vom Guiness Buch der Weltrekorde da war, ich wusste gar nicht, dass Männer aus dem Stand so hoch springen können.

Wir Mädels hatten es uns inzwischen in Gartenstühlen gemütlich gemacht und verteilten Haltungsnoten. Jan kam mit einer 6 von mir gar nicht mal schlecht weg. „Ich wette, meiner verbrennt sich zuerst die Finger!“, rief die Gastgeberin fröhlich, während auf dem Rasen noch beratschlagt wurde, wie man das Dilemma am besten wieder in den Griff kriegen kann.

Um es kurz zu machen: Sie hat verloren und das mit Jan und mir wird nichts. Händchenhalten kommt nicht so gut, wenn die Finger dick bandagiert sind. Die Würstchen und Steaks gab es schließlich aus der Pfanne und wir konnten sogar die Nachbarn davon abhalten, die Feuerwehr zu rufen. Ich bleibe dann vorerst Single, bis ich einen Mann finde, der einen Grill und einen Strandstuhl aufbauen kann, ohne nachher zu weinen. Und wenn nicht, ist es auch gut, solange ich noch Nudelsalat und Tiramisu selber machen kann.

In diesem Sinne: Bleiben Sie gesund!
Ihre Nicole


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