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Nachricht vom 26.06.2020    

Spiegelzelt in Altenkirchen wegen Corona um ein Jahr verschoben

Einer der ganz großen Verlierer in Zeiten der Covid-19-Pandemie ist die Kultur. Künstler und Organisatoren sind nach Lockdown mit Versammlungsverboten und immer noch geltenden Hygiene- und Abstandsregeln bis ins wirtschaftliche Mark erschüttert. Die Krise fordert ein weiteres, sehr prominentes Opfer: Das elfte Spiegelzelt in Altenkirchen, geplant vom 30. August bis 20. September, fällt aus und wird verschoben.

Text zu Foto: Den besten Nutzen aus der vertrackten Situation gezogen: Das Spiegelzelt wird kurzerhand um ein Jahr verschoben. Am Programm ändert sich so gut wie nichts. (Foto: hak)

Altenkirchen. Mit den schwersten Stand in den zurückliegenden gut dreieinhalb Monaten der Corona-Pandemie hat die Kultur. Unzählige Veranstaltungen mussten abgesagt werden, Künstler wurden und werden in den wirtschaftlichen Ruin getrieben. Da bildet das Spiegelzelt in Altenkirchen, das seine Pforten auf dem Schlossplatz vom 30. August bis 20. September zum elften Mal öffnen sollte, keine Ausnahme. Es wird abgesagt und verschoben. Im kommenden Jahr soll es mit dem für 2020 geplanten Programm vom 27. August bis 19. September über die Bühne gehen.

Betriebswirtschaftlich nicht machbar
"Ein Spiegelzelt in Corona-Zeiten unter Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln ist betriebswirtschaftlich nicht machbar", erklärte Fred Jüngerich als Bürgermeister der Verbandsgemeinde (VG) Altenkirchen-Flammersfeld bei einem Gespräch am Freitagvormittag (26. Juni) auf dem Schlossplatz, just an der Stelle, an der der "Crystalpalace" seinen Stammplatz innehat. Maximal 150 Zuschauer pro Veranstaltung (im besten Fall passen über 400 hinein) ließen das Feeling nicht rüberkommen. "So machst du das Spiegelzelt kaputt", ergänzte Jüngerich für den Veranstalter, die VG Altenkirchen-Flammersfeld, die gemeinsam mit dem Kultur-/Jugendkulturbüro Haus Felsenkeller das dreiwöchige Event organisiert. Zudem sei eine Kommunikation bei einem Mindestabstand von anderthalb Metern im Zelt gar nicht möglich, aber das Spiegelzelt lebe eben auch von solch einer Kommunikation zum Beispiel in den Pausen. Unter den gegebenen Umständen sei es besser, die Veranstaltungsserie abzusagen, als sich eine schlechte PR einzuhandeln.

"Auch die Künstler haben mehr als 150 Zuschauer verdient, vor denen sie auftreten", meinte Jüngerich und stellte heraus, dass solch ein Alleinstellungsmerkmal "ohne das Team von Helmut gar nicht machbar ist". Dennoch sei die VG sich der Notwendigkeit bewusst, als Veranstalter diese Unterstützung regelmäßig zu hinterfragen. Die Relation zu anderen Kulturträgern müsse immer überprüft werden: "Wir als VG müssen das große Ganze im Blick haben."

Ein Wechselbad der Gefühle
Von einem Wechselbad der Gefühle berichtete Helmut Nöllgen, bei dem im Kultur-/Jugendkulturbüro die Fäden des kulturellen Angebots in und rund um Altenkirchen zusammenlaufen. "Ich habe sehr, sehr lange gehofft, dass es stattfinden kann. Sogar bis Anfang April bin ich noch davon ausgegangen", bilanzierte Nöllgen, "ehe ich dann doch einsehen musste, dass es nicht machbar ist und wir es 1:1 aufs nächste Jahr verlegen mussten." Alle Künstler, die alsbald auftreten sollten, kommen in gut 15 Monaten wieder zum Zug. Lediglich die Gruppe "Frontm3n" konnte nicht verpflichtet werden, weil sie zu dem Zeitpunkt nicht auf Tour ist. Die Herren aus Großbritannien werden dennoch in Altenkirchen auftreten: im Rahmen des Programms fürs zweite Halbjahr 2021. Wegen Terminvorgaben des belgischen Familienbetriebs Ric Klessens, der weltweit rund 20 Spiegelzelte vermietet, gibt es ein Aufenthaltsplus von zwei Tagen, an denen es noch gebucht werden kann (Firmenfeiern etc). "Gelingt das nicht, werden wir weitere Highlights einfügen", erklärte Nöllgen.

Schon 2000 Karten verkauft
Bislang sind bereits Kosten in Höhe von rund 45.000 Euro angefallen. Diese werden sich der Veranstalter, der zum Gesamtetat von rund 300.000 Euro 20.000 Euro beisteuert, und das Land über den Kultursommer (Zuschuss 40.000 Euro) teilen müssen. Ob die Stadt, die ihr Engagement von 2000 auf 8000 Euro erhöht hat, ebenfalls noch zur Kasse gebeten wird, bleibt zunächst einmal dahingestellt. Nöllgen machte darauf aufmerksam, dass er 75 Prozent des Haushalts mit Galaabenden wie Firmenfeiern und dem Eintrittskartenverkauf erwirtschaften müsse. Für 2020 sind bereits 2000 von 5000 Eintrittskarten insgesamt verkauft. Sie behalten für die neuen Termine jeweils ihre Gültigkeit. "Das Spiegelzelt ist das kulturelle Highlight", verdeutliche Stadtbürgermeister Matthias Gibhardt. Er freue sich wie Bolle, Gastgeber sein zu dürfen. Und das sei auch an der Erhöhung der Überweisung abzulesen. "Wir begreifen, was für einen Schatz wir hier haben", ergänzte Gibhardt und dankte der VG, dass sie gewisse Risiken trage: "Eine Stadt wie wir sind, können manche Dinge nicht allein stemmen." Der erste Beigeordnete der VG, Rolf Schmidt-Markoski, zum ersten Mal hautnah mit dem Event befasst, glaubte zu wissen, dass es im Raum Horhausen vielleicht ein wenig Nachholbedarf in Sachen Bekanntheitsgrad geben könnte und versprach, sich in der Alt-VG Flammersfeld für das Leuchtturmprojekt stark zu machen.

"Unter dem Sternenzelt" im August
Dass Nöllgen trotz des massiven Rückschlags dank Corona längst nicht kapituliert hat, beweist er mit zwei Dingen. Zum einen arbeitet er an einem "vollen Programm der Felsenkeller-Kultur" fürs zweite Halbjahr, zum anderen tritt vom 21. bis 23. August unter dem Motto "Unter dem Sternenzelt" ein Ersatz-Spiegelzelt "open air" auf dem Schlossplatz an. Der Freitag beginnt mit "Windkunst - Lichtraum" (Großbild-Projektionen auf die Gebäudefassaden mit Livemusik). Samstags schließt sich der Auftritt von "Suchtpotenzial" (Musik-Comedy, Kleinkunstpreisträgerinnen 2020) an, ehe am Sonntag "Rhythm & Words " (Slampoesie meets Live-Musik mit Felix Römer und seinen Freunden) folgt. (hak)

Das ist im kommenden Jahr geplant
Das vorläufige Programm für 2021 - Freitag, 27. August: in Planung; Samstag, 28. August: in Planung; Sonntag, 29. August: SahneMixx - Udo Jürgens Tribute; Montag, 30. August: in Planung; Dienstag, 31. August: Salut Salon; Mittwoch, 1. September: Pop Dinner; Donnerstag, 2. September: Physikanten; Freitag, 3. September: Moka Efti Orchestra feat. Severija; Samstag, 4. September: P/OP Kölsch; Montag, 6. September: Jan Josef Liefers - Radio Doria; Dienstag, 7. September: Torsten Sträter; Mittwoch, 8. September: Burlesque Revue; Donnerstag, 9. September: Vicky Leandros; Samstag, 11. September: Varieté; Montag, 13. September: in Planung; Dienstag, 14. September: Die Magier 3.0; Mittwoch, 15. September: Denis Wittberg; Donnerstag, 16. September: La Signora; Freitag, 17. September: Tango Azul in Planung; Samstag, 18. September: in Planung und Sonntag, 19. September: Respect - Aretha-Franklin-Tribute-Show.



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