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Nachricht vom 21.06.2020    

LZgoesWeb: Erste Folge mit einer Bestandsaufnahme des Wissens über COVID-19

Die Corona-Pandemie beherrscht die Schlagzeilen seit vielen Wochen. Eine Unmenge an Informationen und Nachrichten wurde seither produziert – das macht es schwer, den Überblick zu behalten. Der Online-Vortrag eines klinisch tätigen Infektiologen, der den Auftakt einer neuen Veranstaltungsreihe der Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG) bildete, brachte Orientierung. Dr. med. Ansgar Rieke, Leiter der Immunologischen Ambulanz im Gemeinschaftsklinikum Mittelrhein Kemperhof Koblenz und dortiger internistischer Chefarzt, nahm vor dem Hintergrund der Versorgung von COVID-19-Patienten eine Bewertung der aktuellen wissenschaftlichen Daten vor.

Symbolfoto

Koblenz. Der Vortrag führte vor Augen, wie rasant sich die Pandemie entwickelt hatte. Sprach man zum Jahreswechsel noch von 27 Infizierten im chinesischen Wuhan, wurde Ende Januar 2020 bereits eine gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite festgestellt. Dabei seien Pandemien nichts Neues, so Dr. Rieke. Die Spanische Grippe ging zwischen 1918 und 1920 in drei Wellen durch die Welt und forderte rund 50 Millionen Menschenleben. „Emerging Infections“, wie HIV/AIDS 1981 oder SARS 2003, hatten ebenfalls pandemische Auswirkungen mit vielen Opfern. Sowohl das schwere akute Atemwegssyndrom SARS als auch das Syndrom MERS, das 2012 im mittleren Osten auftrat, wurden durch Coronaviren verursacht: „Wir haben also schon ständig Kontakt mit Coronaviren gehabt, sie sind für den Menschen nicht neu“, stellte Rieke fest. Doch was ist anders bei SARS-CoV-2, wie der Erreger der Erkrankung COVID-19 heißt?

Ein bedeutender Unterschied liegt in der exponentiellen Verbreitung der Infektion. Sie ist mit menschlicher Vorstellungskraft kaum zu ermessen und übersteigt alles, was man an Infektionsgefahren durch andere Coronaviren oder durch die Influenza (Grippe) bisher kannte. Die strengen Lockdown-Maßnahmen seien vor diesem Hintergrund richtig gewesen, ebenso die Einführung der Abstands- und Kontaktregeln und der zunächst umstrittenen Maskenpflicht. Nur so habe man die Infektionskurve abflachen und das Gesundheitssystem vor dem Zusammenbruch bewahren können. Mit 6841 bestätigten Infektionen und 231 Todesfällen (Stand 16.06.2020) sei die Pandemie in Rheinland-Pfalz glimpflich verlaufen, so Rieke.

Risikofaktoren
Auch wenn es in allen Altersgruppen Infizierte gibt, sind zumeist Menschen zwischen 50 und 60 Jahren betroffen – Männer etwas häufiger als Frauen. Die Mortalität ist bei den über 80-Jährigen am größten. Hochaltrige Menschen waren oft bereits in einem schlechten Gesundheitszustand, wenn sie sich infizierten. Sie wurden daher schon mit schwieriger Prognose in die Klinik eingeliefert, berichtete Rieke. Neben den Faktoren Alter und männliches Geschlecht gebe es weitere Risikofaktoren für schwere Verläufe, so etwa chronische Lungenerkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes. Kein besonderes Risiko tragen offenbar Menschen mit HIV oder Menschen, die Immunsupressiva einnehmen, etwa in Folge einer Organtransplantation.

Fieber ist kein hinreichendes Merkmal
Als charakteristische Symptome von COVID-19 nannte Dr. Rieke Fieber und Husten, schränkte aber ein: „Die Abwesenheit von Fieber schließt COVID-19 nicht aus!“ Jemand könne infiziert, aber fieberfrei sein, daher sei das Fiebermessen in Flughäfen mit Vorsicht zu betrachten. Bis zu 10 Prozent der Infizierten klagen über Durchfall und Übelkeit, bevor Fieber und Atembeschwerden auftreten. Um die Infektion nachzuweisen, diene in den ersten Tagen nach der Infektion ein Nasen-Rachen-Abstrich als Grundlage für den sogenannten PCR-Test. „Danach wandert der Virus in Richtung Lunge und ist im Nasen-Rachen-Raum nicht mehr zu finden.“

Der Verlauf der Erkrankung ist nicht gleichförmig, sondern häufig durch spontane Verschlechterungen in kurzer Zeit gekennzeichnet. „Wir sehen bei COVID-19 ein enorm dynamisches Geschehen, das Patienten innerhalb weniger Tage in einen lebensbedrohlichen Zustand versetzen kann.“ Die Langzeitfolgen der Infektion und besonders der schweren Verläufe mit Beatmung seien noch nicht abzuschätzen. „Patienten, die wir von der Intensivstation zurück auf die Normalstation verlegt haben, waren noch immer schwer erkrankt“, erklärte Dr. Rieke. Einschränkungen der Lungen- und der Nierenfunktion sowie neurologische Störungen seien die Folge.

Abschließend zeigte sich Dr. Rieke überzeugt, dass sowohl ein Impfstoff wie auch eine antivirale Therapie in absehbarer Zeit entwickelt werden. „Und wir müssen uns darauf einstellen, dass es immer wieder kleinere Ausbrüche in Schulen, Betrieben oder Pflegeeinrichtungen geben wird, mit denen wir umgehen müssen.“

Nächste Folge der Online-Reihe in Kooperation mit der Landespsychotherapeutenkammer Rheinland-Pfalz
Die Reihe LZgoesWeb wird am Dienstag, 14. Juli 2020, fortgesetzt. Das Thema des Webinars von 17 bis 18:30 Uhr lautet „Gesund aufwachsen in Zeiten von Corona“. Referentin ist Dipl.-Psych. Sabine Maur, Präsidentin der Landespsychotherapeutenkammer und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin.

Hintergrund ist auch dann die Corona-Pandemie: Viele Kinder machen sich Sorgen und haben Angst vor dem Virus, der ihr Leben eingeschränkt und sich auf den Kontakt zu den Großeltern, Freunden und Spielkameraden ausgewirkt hat. Sabine Maur berichtet aus ihrer psychotherapeutischen Praxis, wie Kinder und Jugendliche die aktuelle Situation erleben, welche Folgen möglicherweise zu erwarten sind und wie Eltern mit Kindern über Corona sprechen können, um Ängste zu vermeiden und Sicherheit zu schaffen.

Die Veranstaltung richtet sich an Eltern, Pädagogische Fachkräfte, Lehrkräfte, ehrenamtlich mit Kindern und Jugendlichen tätige Menschen sowie an alle weiteren Interessierten. Nach dem thematischen Input sind die Teilnehmenden eingeladen, Fragen zu stellen und zu diskutieren. (PM)


Mehr zum Thema:    Coronavirus   


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