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Nachricht vom 18.06.2020    

NABU-Projekt Concordia Sandhalde ausgezeichnet

Von Helmi Tischler-Venter

Statt Abfällen aus der Eisenverhüttung findet man dank vieler Ehrenamtlicher auf der Concordia Sandhalde in Bendorf-Mülhofen zahlreiche Tiere und Pflanzen, darunter auch viele seltene Arten. Der NABU überzeugte mit seinem Projekt die Fachjury der UN-Dekade für biologische Vielfalt. Umweltministerin Ulrike Höfken besichtigte am Mittwoch das Gelände und überreichte Urkunde und Baum-Trophäe an die aktiven Naturschützer.

Ein Gewitter konnte die gute Stimmung beider Urkundenverleihung nicht trüben. Von links: Günter Hahn, Ulrike Höfken und Dr. Johannes Leonhard. Fotos: Helmi Tischler-Venter

Bendorf. Umringt von den sechs neugierigen Burenziegen und einem Zwergesel, die als einzige das Abstandsgebot missachteten, aber als fleißige Landschaftsschützer das eingezäunte Gelände vor der Verbuschung bewahren, würdigte die Ministerin die Arbeit des NABU: „Der NABU Neuwied und Umgebung e.V. hat es geschafft aus einer biologisch fast toten Fläche ein wertvolles Biotop zu machen. Was 150 Jahre lang eine Abraumhalde war, um Abfälle der Eisenverhüttung zu lagern, ist nun ein artenreicher Lebensraum geworden. Dieses Engagement für den Naturschutz verdient zu Recht die Auszeichnung UN-Dekade für biologische Vielfalt", sagt Umweltministerin Ulrike Höfken bei ihrem Besuch auf der fünf Hektar großen Fläche in Bendorf.

Beweidungsprojekte werden vom Umwelt-Ministerium gern gefördert. Die Ministerin, die nach eigener Aussage selbst jahrelang Vorsitzende des Ziegenzuchtverbandes war, schätzt die Burenziegen, weil sie durch ihren Verbiss entschieden die Biodiversität, unsere Lebensgrundlage, fördern. Rund 60 Vogelarten unter anderem Grünspecht, Turmfalke, Trauerschnepper, Waldschnepfe, Eisvogel, Wasseramsel sowie eine vom Aussterben bedrohte Schrecke - die Ödlandschrecke, außerdem Mauer- und Zauneidechsen und viele verschiedene Insektenarten leben inzwischen wieder auf dieser Fläche. So auch seltene Schmetterlingsarten, wie etwa der Schwalbenschwanz.

Dieser Erfolg setzte 15 Jahre lange, mühselige Arbeit der NABU-Mitglieder voraus. Biotopbetreuer und Initiator Günter Hahn kennt das Abraum-Gelände schon seit über fünfzig Jahren. 2005 erwarb der NABU Neuwied und Umgebung das Gelände der Concordia Sandhalde und zäunte es ein. In unzähligen Stunden Arbeit beseitigten die Mitglieder Massen von Müll und Schrott, entfernten expansive Pflanzenarten und starteten ein Beweidungsprojekt mit Burenziegen und Esel als lebendige Landschaftspfleger. Diese sorgen nun dafür, dass die Flächen offenbleiben und nicht verbuschen.

„Auch jetzt müssen die Flächen weiter gepflegt werden. Wir machen zum Beispiel Arbeitseinsätze, um nicht einheimische invasive Pflanzenarten einzudämmen und so den einheimischen Arten mehr Lebensraum zu schaffen. Besonders freuen wir uns über die Bruterfolge von Turmfalke, Trauerschnepper und Eisvogel", sagt NABU-Vorsitzender Johannes Leonhard.

„Sie zeigen mit ihrem Projekt, dass der Schutz der für das Überleben wichtigen biologischen Vielfalt vor der eigenen Haustüre anfängt und durch das Einbringen des Ehrenamtes zu wunderbaren Erfolgen führt", so Höfken. Auch Dr. Ulrich Kleemann, Präsident der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord, zeigte sich von der Wandlung der ehemaligen Abraumhalde zu einem Baustein in ein Biotopverbundsystem beeindruckt. Bei einem Rundgang über das Gelände ließen er und die Zweite Kreisbeigeordnete Birgit Meyreis sich von Johannes Leonhard, Jonas Krause-Heiber von der NABU-Regionalstelle Rhein-Westerwald, Günter Hahn und den NABU-Aktiven einige Besonderheiten der Idyllischen Insel in der Stadt zeigen und erläutern.

Die Concordia Sandhalde liegt zwischen zwei FFH-Gebieten, vernetzt das Rheintal mit dem Westerwald und beinhaltet als eine Besonderheit noch einen Schluchtenwald neben Trocken- und Halbtrockenwiesen mit mediterranen Pflanzen, die im Sommer wie die Macchia duften. Besonders erfreut äußerte sich Leonhard, dass ein monatliches Monitoring der Brunnen auf dem Gelände keine - ursprünglich befürchtete - Umweltaltlasten zutage bringt.

Mit seinen Beweidungsprojekten fördert der NABU auch vom Aussterben bedrohte Haustierrasen. Daher werden im nächsten Monat zusätzlich zwei Thüringer Waldziegen die Arbeit aufnehmen.

Weitere Informationen zur Concordia Sandhalde und anderen NABU-Beweidungsprojekten finden Sie unter www.NABU-Rhein-Westerwald.de. htv


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