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Nachricht vom 14.06.2020    

Katzen – unterschätzte Raubtiere im Garten

Von Helmi Tischler-Venter

Die ersten Singvögel-Küken bewegen sich in diesen Tagen aus dem Nest und machen Flugversuche, die noch nicht immer ganz gekonnt verlaufen. Oft hilft nur eine Notlandung auf dem Boden. Dabei werden die Vögelchen beobachtet, nicht nur von tierlieben Gartenbesitzern, die ihre Freude an den Flugübungen haben, sondern auch von Katzen. GPS-Daten zeigen: Katzen bewegen sich von ihrem Haus nicht weit weg. Und dezimieren in diesem geringen Radius die Artenvielfalt mehr als andere Jäger.

Symbolfoto

Region. Der WWF klagt, dass jedes Jahr in Deutschland bis zu 200 Millionen Vögel in den Krallen von Stubentigern enden. Und neben Vögeln und Mäusen fallen Katzen auch zahllose Maulwürfe, Fledermäuse, Fische, Frösche, Eidechsen, Blindschleichen, Libellen und Schmetterlinge zum Opfer. Streunende Katzen lassen sich aus einem Garten gar nicht fernhalten. Während friedliebende Hunde oft ihre tierischen Mitbewohner tolerieren und beobachten, finden Hauskatzen mit Zugang zum Garten alles, was in ihrer Nähe herumflattert, kriecht und läuft, unwiderstehlich. Auch wenn sie zunächst nur mit der Beute spielen, findet sie am Ende doch den Tod.

Um Genaueres über die Gefahr für die Artenvielfalt in der Nähe von Siedlungen herauszufinden, hat nun ein internationales Forscherteam in einer Studie das Verhalten der flinken Vierbeiner unter die Lupe genommen – per GPS. Knapp 925 Tiere aus den USA, Neuseeland, Großbritannien und Australien statteten die Forscher eine Woche lang mit GPS-Trackern aus.

Der Jagddruck im Garten ist enorm
Das Ergebnis der Untersuchung verblüffte die Forscher: Die Satellitendaten zeigten, dass die Tiere trotz des großen Freiheitsdranges, der ihnen nachgesagt wird, sich im Schnitt kaum mehr als 100 Meter vom Haus entfernt hatten. Lediglich drei Katzen bewegten sich in einem Radius von mehr als 500 Metern von ihrem Haus. Auf dieser überraschend kleinen Fläche fingen die Katzen nach Angaben ihrer Besitzer rund 42 Beutetiere pro Jahr. Da die Jäger aber nur einen Bruchteil ihrer Beute mit nach Hause bringen, gehen die Autoren der Studie von einer Jagdstrecke von bis zu 130 Tieren pro Katze und Jahr aus. Katzen, so schlussfolgern die Forscher, jagen damit auf einer vergleichbaren Fläche mehr Tiere als ähnlich große, wilde Beutegreifer. Und das, obwohl sie meist zusätzlich zu Hause gefüttert werden. Und: Weil der Jagd-Einfluss der Katzen lokal so begrenzt ist, sind die positiven Aspekte von wilden Tieren, seien es Vögel mit ihrem Gesang oder Eidechsen als Schädlingsvertilger, dort am wenigsten zu finden, wo wir sie am meisten schätzen.




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Verwilderte Katzen und Streuner wurden übrigens gar nicht erfasst. Den Besitzern aller anderen empfiehlt der Zoologe Roland Kays, der Erstautor der Studie, ihre Katze im Haus zu lassen.

Was tun, wenn die Katze Vögel jagt? Das empfiehlt der WWF:
• Rabiat, aber hilfreich: Im Mai und Juni sollten Sie Ihren Stubentiger am besten gar nicht rauslassen. Denn in dieser Zeit machen die meisten Jungvögel ihre ersten Flugversuche.
• Kastrierte Katzen zeigen weniger Jagdlust. Außerdem trägt der Eingriff dazu bei, dass es weniger verwilderte Katzen gibt.
• Spielen Sie mit Ihrer Katze! Stubentiger, mit denen viel gespielt wird, haben weniger Lust zu jagen.
• Machen Sie Nistgelegenheiten und Futterplätze katzensicher. Für Baumstämme und Pfosten gibt es Manschetten aus Plastik oder Metall. Futterstellen sollten gut einsehbar sein und Katzen keine Gelegenheit bieten, sich anzuschleichen.
• Dichtes, dorniges Gebüsch in einem naturnahen Garten, etwa aus Wildrosen oder Weißdorn, schafft natürliche Sicherheitszonen für Zaunkönig und Co.

Weitere Informationen hier. Geo/htv


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