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Nachricht vom 31.05.2020    

Abtei Marienstatt kehrt langsam zur Normalität zurück

Corona macht auch nicht vor Klostermauern halt. Diese Erfahrung mussten die Mönche in der Abtei Marienstatt machen, deren Leben im Kloster wegen der Pandemie in vielen Bereichen verändert wurde. Da zurzeit immer mehr Lockerungen der strengen Sicherheits- und Hygienevorschriften stattfinden, besuchte der WW-Kurier die Abtei, um einen Bericht zur aktuellen Lage zu erstellen.

Abt Pater Andreas Range OCist. Fotos: wear

Marienstatt. Um Informationen aus erster Hand zu erhalten, vereinbarten wir einen Gesprächstermin mit Abt Pater Andreas, der in der Abtei die Leitung innehat. Abt Andreas ist ein weltoffener, auch mit Humor gesegneter Mensch, mit dem sich zu unterhalten eine Bereicherung darstellt. Zunächst stand selbstverständlich das allgegenwärtige Thema Corona im Mittelpunkt des Interviews. Zu diesem Thema meinte Abt Andreas: „Als Zisterzienser Mönche leben wir sowieso zurückgezogen, fast einsam. Unser Lebensmotto lautet „ora et labora“ (bete und arbeite). Deshalb haben wir eigentlich keine größeren Probleme mit den vorgegebenen Einschränkungen, weil wir ja in einer häuslichen Gemeinschaft leben.

Da wir keine staatliche Unterstützung durch die Kirchensteuer erhalten, sind wir gezwungen, uns selbst zu finanzieren. Das geschieht durch das Betreiben des zum Kloster gehörenden Brauhauses sowie durch die Betreuung von Gästen, die im Kloster übernachten können, um mal einen Urlaub der etwas anderen Art zu verbringen. Zur Ruhe kommen, dabei zu entschleunigen und im Einklang mit der Natur die herrliche Landschaft in der Umgebung durch Wanderungen zu erkunden. Durch die Corona-Einschränkungen haben wir natürlich auch enorme finanzielle Einbußen erlitten, weil uns die Einnahmen regelrecht weggebrochen sind. Jedoch sehen wir durch die angestrebten Lockerungen gottergeben und hoffnungsfroh in die Zukunft.“

Im weiteren Verlauf des Gesprächs schilderte Abt Andreas die Tagesabläufe und die Arbeitsaufgaben der elf Mönche, die zurzeit in der Abtei leben. Der jährliche Höhepunkt in Marienstatt ist unbestritten der große Wallfahrtstag, zu dem regelmäßig weit über 10.000 Pilger aus aller Herren Länder anreisen. Leider ist der für den 18. Juni geplante große Wallfahrtstag wegen Corona bereits abgesagt.

Zum weiteren Aufgabenbereich gehören die Arbeit mit Schülern/innen am Privaten Gymnasium Marienstatt und die Seelsorge der Pfarrei „Maria Himmelfahrt Hachenburg“. Daneben werden ein eigenes Wasserkraftwerk betrieben sowie eine Kunst- und Buchhandlung unterhalten. Einen großen Teil seiner Nahrungsmittel, wie Obst und Gemüse, bezieht das Brauhaus aus dem großen Klostergarten, der in biologischer Weise bewirtschaftet wird. Abt Andreas fasste das Leben im Kloster so zusammen: „Die Abtei Marienstatt ist ein ruhiger Ort, wo immer etwas los ist.“



Die Fronleichnamsprozession 2020 musste wegen der Pandemie bereits abgesagt werden, ebenso steht die beliebte Traktorensegnung, die am 19. Juli stattfinden soll, auf der Kippe, ist aber offiziell noch nicht abgesagt. Seit dem 19.Mai finden wieder Gottesdienste statt, die jedoch nur unter Einhaltung der bekannten Pandemieauflagen feiertags, samstags und sonntags durchgeführt werden, dazu ist jedoch die vorherige schriftliche Anmeldung über das Pfarramt Hachenburg erforderlich. Das feierliche Hochamt beginnt um 9 Uhr, die Spätmesse um 11 Uhr.

Im Zentrum des Lebens in der Abtei steht das gemeinsame Chorgebet in lateinischer Sprache, welches täglich viermal in der Kirche durchgeführt wird. Nach den Worten von Abt Andreas sind diese Chorgebete die Quelle, aus der die Mönche die Kraft, Ermutigung und Wegweisung für die ewige Ausrichtung auf Gott finden.

Die Kirche ist durchgehend geöffnet, dort kann auch zu festgelegten Zeiten die Beichte abgelegt werden. Seelsorgerische Gespräche sind jederzeit möglich, in denen man versucht, mit Rat und Tat Hilfesuchenden zur Seite zu stehen.

Zum Ende des beeindruckenden Gesprächs mit Abt Andreas meinte dieser in Bezug auf Corona: „Ich sehe Corona als einen Denkzettel für die Menschheit, wobei die Betonung auf das Wort denken liegt. Wenn jeder sich an die eigene Nase fasst, und dabei über sein bisheriges Leben nachdenkt, und auch zum Umdenken bereit ist, dann kann die Krise auch etwas Gutes haben.“ (wear)


Mehr zum Thema:    Coronavirus   
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