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Nachricht vom 24.05.2020    

Corona-Schließung hinterlässt deutliche Spuren bei Kindern

WissenschaftlerInnen der Universität Siegen begleiten Kinder beim Übergang von der Kita in die Grundschule. Sie befürchten, dass die wochenlange Corona-Schließung gerade bei sozial benachteiligten Kindern deutliche Spuren hinterlässt.

Durch die Corona-Schließung konnten in den Kitas wichtige Fördermaßnahmen für künftige Grundschulkinder wochenlang nicht stattfinden. (Foto: Uni Siegen)

Siegen. Die letzten Kita-Monate sind für Kinder, die vor der Einschulung stehen, von besonderer Bedeutung. In den Einrichtungen werden sie in dieser Zeit gezielt gefördert und auf die Schulzeit vorbereitet. Außerdem finden wichtige Übergangs-Rituale wie gemeinsames Schultüten-Basteln, Ausflüge, Übernachtungsaktionen oder Abschiedsfeste statt. „Für die Kinder sind diese Rituale elementar wichtig. Sie können sich dadurch erstmals mit der Rolle des Schulkindes identifizieren und so ein stärkeres Selbstwertgefühl entwickeln, das sie für die anstehenden Veränderungen stark macht“, sagt Vivien Soyka von der Universität Siegen. Sie ist pädagogische Mitarbeiterin in einem Projekt, das mit finanzieller Unterstützung des Landes NRW und des Europäischen Sozialfonds durchgeführt wird und Kinder beim Übergang in die Grundschule unterstützt.

Die WissenschaftlerInnen gehen davon aus, dass die aktuelle Corona-Krise vor allem für Kinder mit besonderem Förderbedarf oder auch aus sozial benachteiligten Hintergründen eine enorme Auswirkung haben wird. Dies stellt auch gleichzeitig die Forschungsarbeit vor neue Herausforderungen.

„Wir haben im Januar damit angefangen, gezielt mit 65 Vorschulkindern aus Siegener Kitas zu arbeiten, bei denen zum Teil ein besonderer Förderbedarf besteht. Bis Mitte März waren unsere MitarbeiterInnen mehrmals wöchentlich sowohl in den Kitas, als auch den aufnehmenden Grundschulen und haben die Kinder in Kleingruppen im Hinblick auf schulische, psychomotorische und emotional-soziale Kompetenzen gefördert – dann kam die Corona-bedingte Schließung“, bedauert Projektleiter Prof. Dr. Daniel Mays. Persönliche Kontakte zu den Kindern sind seitdem nicht mehr möglich. Doch Prof. Mays und sein Team haben schnell reagiert und auf andere Wege umgestellt.

Briefe mit umfangreichem Fördermaterial verschickt
Um den Kontakt zu den Kindern und ihren Familien nicht zu verlieren, wurden unter anderem Eltern-Kind-Briefe mit umfangreichem Fördermaterial verschickt. „Wir haben da alles reingepackt, was zur Bearbeitung benötigt wird. Zum Beispiel auch Bastelscheren für die Kinder, da wir nicht davon ausgehen können, dass diese in allen Haushalten vorhanden sind“, erklärt Vivien Soyka. Zusätzlich wurden die Eltern mit den Kontaktdaten des Projektteams versorgt und telefonische Sprechstunden angeboten. Für Eltern und Kinder hat das Team, zu dem auch mehrere Lehramtsstudierende der Uni Siegen gehören, eine passwortgeschützte Homepage aufgebaut. Hier werden regelmäßig Lern- und Erklär-Videos hochgeladen und virtuelle Morgenkreise veranstaltet, in denen gemeinsam gesungen, gespielt und vorgelesen wird.

„Auch unsere Kooperationspartner sind in den letzten Wochen aktiv geworden und haben kreative Ideen entwickelt, um die Corona-bedingten Ausfälle, wie zum Beispiel Elternabende zum Thema Einschulung, abzufedern“, betont das Team um Prof. Mays. Letztlich sei es der guten Zusammenarbeit aller zu verdanken, dass so schnell und flexibel auf andere Kommunikationswege umgestellt werden konnte.

Bereitschaft der Eltern ausschlaggebend
„Ob und wie diese Angebote genutzt werden, steht und fällt jedoch mit den Möglichkeiten und der Bereitschaft der Eltern“, ist Vivien Soyka und ihren KollegInnen klar. Eine Lehre, die das Projektteam schon jetzt aus der Corona-Krise zieht: Die Elternarbeit muss von Beginn an gezielt aufgebaut werden, damit gerade unter schwierigen Bedingungen eine gute Zusammenarbeit möglich ist. Doch trotz aller Bemühungen sind sich die PädagogInnen und BildungswissenschaftlerInnen sicher: Die Schere zwischen Kindern aus einkommensstarken und -schwachen Familien wird durch die Corona-Schließung weiter auseinandergehen. „Der Kitabesuch erfüllt viele wichtige Funktionen, die nun über Wochen weggefallen sind. In der Kita können die Kinder miteinander interagieren, spielen und toben. Gerade für Kinder mit Migrationshintergrund ist sie außerdem ein wichtiger Schlüssel zum Spracherwerb“, sagt Prof. Mays.

Ob und wann auch die WissenschaftlerInnen wieder in die Kitas kommen können, um mit den Kindern zu arbeiten, ist zwar aktuell noch offen – die Vorbereitungen dafür laufen aber, sagt Vivien Soyka: „Wir sind dabei, unser ursprüngliches Konzept anzupassen. Die Chance, nun möglicherweise doch noch einige Förderstunden durchführen zu können, möchten wir im Sinne der Kinder bestmöglich nutzen.“

Parallel soll die in den vergangenen Wochen gestartete Online-Arbeit weiterlaufen. Hier möchte das Team künftig einen stärkeren Fokus auf die Elternarbeit setzen. „Unser Ziel ist es nach wie vor, die Kinder gemeinsam mit den Familien stark zu machen für die Schule. Das ist unter den aktuellen Bedingungen der Corona-Pandemie sogar noch wichtiger geworden“, betont Prof. Mays. (PM)



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