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Nachricht vom 16.05.2020    

Keramikmuseum Westerwald wieder geöffnet

„Wir stehen auf Ton“ lautet das Motto des Keramikmuseums in Höhr-Grenzhausen. Es hat – mit Corona-bedingt erweiterten Hausregeln – wieder geöffnet. Das Keramikmuseum Westerwald ist das größte Keramikmuseum Europas und hat mit seiner besonderen Verbindung von Kunst, Handwerk und Regionalgeschichte eine einzigartige Position in der Museumslandschaft. Es ist ein Treffpunkt, ein Ort, wo Kunst und Handwerk, Technik und Pädagogik, Historie und Zukunft zusammenkommen und sich mit einander verbinden.

Keramikmuseum. Archivfoto

Höhr-Grenzhausen. Die ausgedehnten Tonvorkommen des Westerwaldes sind die größten zusammenhängenden Lagerstätten Europas. Es sind weltweit nur wenige Regionen bekannt, in denen Tone in vergleichbarer Quantität und Qualität vorkommen. Etwa 15 Sorten sind im Westerwald vorhanden, wobei der wertvolle weiße Ton auch als „weißes Gold“ bezeichnet wird. Denn nicht nur die Masse, sondern auch die Klasse ist außergewöhnlich. Der Westerwälder Ton ist hochplastisch, nahezu frei von Verunreinigungen und sintert schnell. Mit einem solchen Material kann man Steinzeug herstellen, also eine hochgebrannte und somit wirklich dichte, hygienische und säurebeständige Keramik.

Die Westerwälder Tone sind vor etwa 40 Millionen Jahren entstanden. Damals war Europa von einem subtropischen Regenwald bedeckt und der Westerwald befand sich geographisch in Äquatornähe. Bei der tropischen Verwitterung feldspathaltiger Gesteine entstanden Gesteinskörnchen, die von Flüssen, Bächen und dem Wind mitgenommen wurden. Die allerkleinsten Partikel von mikroskopischer Größe setzten sich in Seen und Deltas ab. Sie bildeten unsere heutigen Tonminerale.

Archäologische Funde aus der Älteren Eisenzeit (etwa 750 bis 450 v. Chr.) belegen, dass keltische Stämme hier bereits getöpfert haben. Der älteste schriftliche Nachweis von Töpferhandwerk im Kannenbäckerland stammt aus dem Jahr 1402. Ein Abbau als eigenständiges Gewerbe lässt sich bis ins 18. Jahrhundert zurückverfolgen, als die Landesfürsten begannen, die Gruben zu „belehnen“.

Brennöfen, die erstmals Temperaturen bis zu 1200 Grad ermöglichten, lassen sich im Rheinland schon im 13. Jahrhundert nachweisen. Der älteste urkundliche Beleg für Töpferöfen in Höhr stammt aus dem Jahr 1402. Höhrer Bodenfunde aus dem 14. Jahrhundert sind stilistisch nicht von Funden aus dem Rheinland oder Mayen zu unterscheiden. Es gab also mindestens zwei alte Produktionsstandorte, von denen der Westerwald beeinflusst wurde. Einige Aspekte führten dann maßgeblich dazu, dass sich hier ein neues Töpferzentrum entwickelte: reiche Tonvorkommen von bester Qualität, ausgedehnte Holzvorkommen und Fernhandelswege.

Im Barock waren Produkte aus dem Kannenbäckerland für ihre hohe Qualität über Grenzen hinweg bekannt. Nicht selten ließ sich zahlungskräftige Kundschaft bis hin zum Hochadel Auftragsarbeiten anfertigen. Das erkennt man an den persönlichen Wappen oder Monogrammen wie „GR“ für Georg Rex (König Georg von England). Zunehmend muss man auch von einer Handwerkskunst sprechen, denn von manchen selbstbewussten Töpfermeistern finden sich Initialen, wie zum Beispiel „P R“ von Peter Remy.

Mit dem Ende des 18. Jahrhunderts kommen die aufwändig gestalteten Steinzeuggefäße langsam aus der Mode. Mit Porzellan, Fayence/Majolika und Steingut müssen sie zudem konkurrieren und verlieren viele zahlungskräftige Auftraggeber. Als Folge dominieren schlichtere Ritzdekore und Bemalungen mit einer Kobaltsmalte durch sogenannte Blauerinnen. Der künstlerische Aspekt tritt in den Hintergrund und man wendet sich wieder mehr dem traditionellen Gebrauchsgeschirr zu.

Die zunehmende Industrialisierung brachte Ende des 19. Jahrhunderts eine europaweite Bewegung hervor, die sich für das Handwerk stark machte und von den einzelnen Ländern unterschiedlich bezeichnet wurde. In Deutschland wurde diese Stilepoche als „Jugendstil“, nach der 1896 in München gegründeten Kulturzeitschrift „Jugend“, bekannt. Ziel war es, alle Künste so miteinander zu verbinden, dass durch ein ästhetisches Totalerlebnis eine neue, harmonische Welt entstehen konnte.

Damit die Steinzeugfabrikanten nicht den Anschluss an die neue Zeit verpassten, forderte Landrat Dr. Adolf Schmidt die Regierung dazu auf, international namhafte Künstler zu engagieren. 1901 kam der belgische Universalkünstler Henry van de Velde (1863-1957) in den Westerwald und initiierte eine radikale Stilwende. Auch der Hamburger Peter Behrens (1868-1940) lieferte auf Wunsch des Landrates Entwürfe und verpasste dem traditionellen grau-blauen Dekor eine zeitgemäße Gestaltung. Einige Firmen, wie Simon Peter Gerz I, Merkelbach & Wick oder Reinhold Merkelbach knüpften selbst erfolgreich Kontakte mit renommierten Künstlern wie Richard Riemerschmid (1868-1957).

Zeitgenössische Kunst
Das Material Ton, unser künstlerischer Mutterboden, ist ein fruchtbares Material, das stark in der Kulturgeschichte verankert ist und sich in vielen Richtungen einsetzen lässt. Es lässt sich kneten, drehen, verformen, aber auch stricken, schmelzen, schlagen und peitschen. Es ist ein ernstzunehmendes Gegenüber, das auf die Aktionen des Künstlers reagiert.

Die Künstler vor Ort, sei es an der Fachschule für Keramik, am Institut für Künstlerische Keramik und Glas oder in den vielen hiesigen Werkstätten, verbindet die Frage, welche Botschaften die Materialien Keramik und Glas in sich tragen und wie diese künstlerische Aussagen unterstützen können.

Auch die Kulturgeschichte des Westerwalder Steinzeugs bittet um eine künstlerische Auseinandersetzung. Was hat uns ein Ort zu sagen? Wie verhält sich unsere keramische Kultur zu anderen Kulturen? Viele Künstler gestalten mit jahrhundertalten Techniken wie dem Drehen auf der Scheibe oder dem Salzbrand neue, zeitgemäße Objekte. Gerade weil sie sich somit zum Teil der Geschichte machen, zeigt, das dieser Ort lebendig und für die Zukunft gut ausgerüstet ist. Die Geschichte ist noch längst nicht zu Ende.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 10 bis 17 Uhr. Führungen und museumspädagogische Angebote sind bis auf Weiteres leider noch nicht möglich. www.keramikmuseum.de.


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