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Nachricht vom 14.05.2020    

Klara trotzt Corona, XXVIII. Folge

GASTBEITRAG | Mit wöchentlich neuen Episoden möchten Ihnen die Autoren der Limburg-Krimis, Christiane Fuckert und Christoph Kloft, den Leserinnen und Lesern etwas Trost, Unterhaltung und hin und wieder vielleicht sogar ein Lächeln schenken, wenn Sie sehen, wie die schrullige Haushälterin Klara Schrupp und ihr gutmütiger Chef Pfarrer van Kerkhof ihren Alltag bewältigen.

Symbolfoto

Kölbingen. Klara trotzt Corona, 28. Folge vom 14. Mai
Ganz bewusst hatte Pfarrer van Kerkhof die Tür seines Büros weit geöffnet. Auf keinen Fall wollte er sich den Duft entgehen lassen, der aus der Küche strömte. Klaras Gemüseeintopf war unübertrefflich, vor allem, weil sich ihr Rezept seit vierzig Jahren nicht verändert hatte. Der Geruch von Maggikraut hatte sich ihm wie ein altes Lied ins Gedächtnis gebrannt und verband ihn mit der Erinnerung an harmonische arbeitsreiche Samstage im Pfarrhausgarten. Gemüsesuppe mit Eisbein und zum Nachtisch Schokoladenpudding mit Sahne! Nun gut, das Eisbein und die Sahne waren mittlerweile aus dem Menü gestrichen, trotzdem lief ihm immer noch das Wasser im Mund zusammen, wenn er an diese gehaltvollen Speisen dachte.

Doch mit wem sprach seine Haushälterin da gerade? Bisher hatte er an eines ihrer Selbstgespräche gedacht, die sie so gern führte, wenn sie alleine in einem Raum war. Nur deuteten diese Satzfetzen und unterbrochenen Fragen und Antworten doch sehr auf ein Gespräch mit einer Person hin. Wiederum ließ Klara zurzeit niemanden ins Haus, und schon gar nicht in die Küche.

Van Kerkhof erhob sich und ging durch den Flur. In der Küchentür blieb er stehen und stellte fest, dass seine plaudernde Klara in der Tat alleine war. Sie stand am Herd, rührte in ihrem großen Suppentopf und lauschte dem übermäßig laut eingestellten Radio. Ah ja, soeben unterhielt sie sich mit der Bundeskanzlerin. „Da bin ich ganz Ihrer Meinung, Frau Merkel, die Lockerungen dürfen nicht noch lockerer werden.“

„Klara?“, sagte der Pfarrer. „Das riecht hier ja herrlich!“ Er erhielt keine Reaktion. Stattdessen sprach sie mit erregter Stimme weiter: „... tss, da schimpft ihr gegen etwas, das vielleicht unsere Rettung war! Begreift doch mal, dass wir jetzt nur so gut dran sind, eben weil es Maßnahmen gibt!“ „Das sehe ich genauso, liebe Klara“, versuchte van Kerkhof erneut, sich in die einseitige Unterhaltung mit einzubringen und machte einen weiteren Schritt auf seine Haushälterin zu. Doch er hatte keine Chance gegen das Surren der Dunstabzugshaube, die ihre Ohren zusätzlich zum Radio beschallte.

„Und dieser komische Kardinal“, wetterte Klara, „das kann doch alles nicht wahr sein!“ Sie hielt inne, zog sich unter dem Abzug zurück, legte den Kopf schief und konzentrierte sich in die Richtung des Radios. „Da muss ich unbedingt mal mit dem Herrn Pfarrer drüber sprechen ...“

Abrupt drehte sie sich um und erschrak so heftig, dass sie zusammenfuhr und ihren Chef mit dem erhobenen Kochlöffel am Kinn berührte. „Huch, Herr Pfarrer! Was schleichen Sie denn schon wieder wie ein Fuchs in der Gegend herum!“ Energisch schaltete sie den Dunstabzug eine Stufe zurück, lief dann hinüber zum Radio und stellte auch dieses auf erträgliche Lautstärke ein, um gleich darauf mit ihrem Kochlöffel auf einen Stuhl zu zeigen. „Wenn Sie mich schon belauschen, können sie sich auch mal da hinsetzen und sich mit mir unterhalten.“

„Sehr gerne, meine Liebe. Das hatte ich ohnehin gerade vor.“ „Also, Herr Pfarrer, haben Sie das jetzt gehört?“ Klara war ganz aufgelöst und nahm ihm gegenüber ihren Platz am Tisch ein. „Was habe ich gehört?“ Van Kerkhof sah seine Haushälterin mit fragendem Blick an. „Na, was dieser Kardinal Müller da gesagt hat. Das Corona wäre nur ein Vorwand, um eine Weltregierung zu errichten. Ja, hat man so einen Quatsch schon mal gehört?“

„Es gibt immer wieder solche Verschwörungstheorien“, antwortete van Kerkhof ruhig. „Aber doch nicht von einem katholischen Geistlichen! Noch dazu in so einem hohen Amt!“ Klara war immer noch völlig außer sich. „Weltregierung!“, rief sie. „Was soll das sein? So ein Unsinn!“ Sie musterte den Pfarrer eindringlich. „Und Sie bleiben dabei ganz ruhig? Scheint Ihnen ja wenig auszumachen, was Ihr Kollege da von sich gibt!“

„Ich habe das schon vor Tagen gehört“, erwiderte van Kerkhof. „So etwas muss man nicht kommentieren. Außerdem hat da unser Limburger Bischof schon die richtigen Worte gefunden. Kurz und knapp, ohne der Angelegenheit eine zu große Bedeutung beizumessen. Er hat sich gleich distanziert und erklärt, dass sich die Bewertung der Deutschen Bischofskonferenz grundlegend von dem Aufruf unterscheidet, den Kardinal Müller unterzeichnet hat. Das genügt und damit ist alles gesagt.“

„Aber für mich noch lange nicht, Herr Pfarrer. Man muss sich schämen vor allen Leuten. Und die Evangelischen zeigen jetzt mit dem Finger auf uns“, stöhnte Klara. „Und das sogar zurecht.“

„Niemand zeigt mit dem Finger auf uns“, versuchte van Kerkhof sie zu beruhigen. „Die Leute wissen schließlich, dass es in einer großen Herde immer solche Ausreißer gibt!“ „Aber die ganzen anderen, denen das alles zu lange dauert, die freuen sich. Sie gehen doch jetzt schon in Scharen auf die Straße und demonstrieren.“ „Sollen sie doch, liebe Klara. Am Ende wird die Vernunft siegen.“ Pfarrer van Kerkhof bemühte sich um einen ruhigen Tonfall, obwohl auch ihm anzumerken war, dass das Thema ihn gewaltig aufwühlte.

„Da bin ich mir im Moment nicht mehr so sicher“. Klara schüttelte den Kopf. „Eine Weltregierung! Ein Kardinal!“ „Ich weiß auch nicht, welcher Esel ihn da geritten hat.“ „Das heißt nicht Esel, das heißt Teufel. Lernen Sie es denn gar nicht mehr, Sie alter Holländer?“ „Dann weiß ich eben nicht, welcher Teufel ihn da geritten hat.“ „Ich aber, Herr Pfarrer. Es gibt ja nur den einen.“ „Da haben Sie auch mal wieder Recht, liebe Klara.“

Van Kerkhof holte tief Luft, denn es war an der Zeit, dem Gespräch eine Wendung zu geben. „Nun grämen Sie sich nicht, meine Gute, und freuen Sie sich lieber über all die vernünftigen Leute. Die Politiker, die im Moment nur auf die Wissenschaftler hören. Das ist das einzig Richtige, das sie machen können.“

„Und trotzdem überbieten sie sich im Moment darin, alles wieder zu öffnen“, wandte Klara ein. „Das wird alles schon vernünftig bedacht sein, meine Liebe.“ „Und wenn nicht?“ Klara sah ihren Chef eindringlich an. „Sie gehören ja auch zur Risikogruppe, und was ist dann?“ „Sie etwa nicht, liebe Klara?“, konnte sich van Kerhof nun doch nicht zurückhalten.

Das war offenbar zu viel für seine temperamentvolle Haushälterin. Sie schnappte einen Moment lang nach Luft und giftete ihn dann mit funkelnden Augen an: „Ich zur Risikogruppe? Pah! Das Corona soll mir bloß mal kommen. Dem würde ich aber sonst was erzählen. Glauben Sie etwa, ich würde mit diesem kleinen Mistding nicht fertig?“ Klara erhob dabei ihren Kochlöffel und wirbelte ihn wild in der Luft umher.

„Nun gut, dann wollen wir mal das Beste hoffen“, sagte der Pfarrer, der sich abwenden musste, damit sie sein Lachen nicht sah. (www.christoph-kloft.de)

Bisher erschienene Fortsetzungen:
Klara trotzt Corona, XXVII. Folge
Klara trotzt Corona, XXVI. Folge
Klara trotzt Corona, XXV. Folge
Klara trotzt Corona, XXIV. Folge
Klara trotzt Corona, XXIII. Folge
Klara trotzt Corona, XXII. Folge
Klara trotzt Corona, XXI. Folge
Klara trotzt Corona, XX. Folge
Klara trotzt Corona, XIX. Folge
Klara trotzt Corona, XVIII. Folge
Klara trotzt Corona, XVII. Folge
Klara trotzt Corona, XVI. Folge
Klara trotzt Corona, XV. Folge
Klara trotzt Corona, XIV. Folge
Klara trotzt Corona, XIII. Folge
Klara trotzt Corona, XII. Folge
Klara trotzt Corona, XI. Folge
Klara trotzt Corona, X. Folge
Klara trotzt Corona, IX. Teil
Klara trotzt Corona, VIII. Teil
Klara trotzt Corona, VII. Teil
Klara trotzt Corona, VI. Teil
Die Limburger Pfarrhausermittler: Klara trotzt Corona, V. Teil
Die Limburger Pfarrhausermittler - Klara trotzt Corona, IV. Teil
Klara trotzt Corona, dritter Teil
Klara trotzt Corona, zweiter Teil
Klara Schrupp und Pfarrer van Kerkhof trotzen der Corona-Krise


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