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Nachricht vom 29.04.2020    

Klara trotzt Corona, XXV. Folge

GASTBEITRAG | Die Limburger Pfarrhausermittler lassen sich nicht unterkriegen. Mit einer täglich neuen Episoden lassen die Autoren Christiane Fuckert und Christoph Kloft Sie in dieser schweren Zeit am Alltag von Klara Schrupp und Pfarrer van Kerkhof teilhaben. Sie wollen damit etwas Trost, Unterhaltung und hin und wieder vielleicht sogar ein Lächeln schenken, wenn Sie sehen, wie Klara und van Kerkhof ihren Alltag bewältigen.

Symbolfoto

Kölbingen. Klara trotzt Corona, Folge 25 vom 29. April
Pfarrer van Kerkhof saß nachdenklich auf der Terrasse, das Telefon lag vor ihm.

Klara kam mit einem Korb Kartoffeln und einem Topf mit Wasser hinzu und legte ihr Schälmesser auf den Tisch. „Wie gucken Sie denn aus der Wäsche? Ist was passiert?“

„Ach, nichts ...“, antwortete der Pfarrer nur. „Aber das seh ich Ihnen doch an. Sie machen ja ein Gesicht wie sieben Tage Regenwetter!“, sagte Klara, während sie mit dem Schälen der Kartoffeln begann. Aufmerksam musterte sie ihren Chef: „Wie Sie die Schnuud hängen lassen, das habe ich bei Ihnen in all den Jahren fast noch nicht gesehen.“

„Was ist Schnuud, bitteschön?“ „Na ihr Mund. Klar, dass Sie Holländer das Wort nicht kennen. Dabei sind Sie doch nun wirklich schon lange genug in Limburg. Aber jetzt mal raus mit der Sprache: Was ist los?“

Der Pfarrer richtete sich in seinem Stuhl auf: „Es ist nur … am 27. April haben wir den Koningsdag gefeiert … oder besser gesagt: hätten ...“ „Ach, ich verstehe, der Königstag ist ja bei Ihnen ein hoher Feiertag. Und jetzt sind Sie traurig!“ „Natürlich bin ich traurig. Meine Schwester Frida rief gerade an … nicht einmal eine Parade hat stattgefunden. Alle Feierlichkeiten abgesagt.“ „Aber das ist nun mal so im Moment, Herr Pfarrer“, schlug Klara plötzlich einen ganz anderen, fast weichen Tonfall ein. „Ja, aber das Schlimmste ist: Ich habe ihn vergessen. Ich habe an dem Tag nicht einmal eine Sekunde an unseren König gedacht!“

„Ach und deshalb sind Sie jetzt besonders traurig. Wissen Sie, ob Sie nun an den König denken oder nicht, das ist dem ziemlich schnuppe. Da kann er sich nämlich auch nichts für kaufen. Der Willem-Alexander wird das schon verkraften, machen Sie sich da mal keine Gedanken.“ Weil van Kerkhof nicht reagierte, legte Klara nach: „Und diesen holländischen Kuchen, den es da immer gibt, den können die Leute auch zu Hause essen.“ „Sie meinen den Tompoes?“ „So heißt der, glaube ich“, nickte Klara. „Da läuft Ihnen das Wasser im Mund zusammen, was Herr Pfarrer?“ Der Versuch, ihren Chef aufzumuntern, war leider erfolglos, denn dieser raufte sich nur verzweifelt die spärlichen Haare. „Es ist schon ein Elend, meine Liebe.“

Klara kreuzte die Finger zum Schwur: „Ich werde jedenfalls nicht verraten, dass Sie Ihren König vergessen haben!“ „Dann ist es ja gut“ – ein leichtes Lächeln flog über das Gesicht des Pfarrers.

„Das dumme Corona bringt halt alles durcheinander in diesem Jahr.“ Klara versenkte dabei eine fertige Kartoffel im Wassertopf. „Gucken Sie sich doch alles an: Nichts findet mehr statt: Kein Gottesdienst, keine Konzerte, keine Kirmes, nicht einmal Ihr geliebter Fußball wird mehr gespielt.“

„Das ist wahr. Dabei hätte ich meiner Mannschaft doch so gerne die Daumen gedrückt.“ „Gut, dass Sie das nicht können. Sie jubeln ja immer für die Falschen!“ „Ich muss ja wohl noch zu den Oranjes halten dürfen, meine Liebe!“ „Das sehe ich aber anders, Herr Pfarrer. Aber wenigstens müssen wir uns jetzt nicht mehr streiten vor dem Fernseher.“ „So betrachtet hat es auch sein Gutes!“ „Sie würden ja am liebsten das ganze Pfarrhaus orange streichen, wenn die Holländer kommen!“

„Jetzt übertreiben Sie aber!“, protestierte van Kerkhof. „Und gegen meinen Wimpel in unserer Nationalfarbe können Sie ja nun wirklich nichts haben!“ „Höchstens, wenn Sie ihn zum falschen Zeitpunkt schwingen.“ „Bei Spielen gegen Deutschland halte ich mich doch zurück. Ich kenne Sie schließlich!“

„Das ist auch gut so“, erwiderte Klara, die eine weitere Kartoffel von der Schale befreite. „Wenigstens feuern Sie hier bei uns immer die Limburger Fußballer an!“ „Aber Klara, das versteht sich ja wohl von selbst.“ „Na ja, bald kommen Sie sowieso nicht mehr auf trübe Gedanken. Wenn erst die Kirche wieder losgeht, dann ist es vorbei mit der Faulenzerei.“

„Ich habe nicht gefaulenzt in den letzten Wochen!“, reagierte van Kerkhof nun doch etwas aufgebracht. „Ganz im Gegenteil: Diese Zeit war sehr anstrengend. Die seelsorgerische Betreuung war viel intensiver als sonst, und das war auch notwendig.“ „Das habe ich schon mitbekommen“, gab sich Klara versöhnlich. „Aber seien Sie froh, dass Sie jetzt wieder mehr Kirche halten können!“

Der Pfarrer kratzte sich nachdenklich am Kopf: „Das ist mit hohen Auflagen verbunden. Zurzeit wird sogar überlegt, die Heilige Kommunion mit einer Zange zu reichen.“

Klara ließ Kartoffel und Schälmesser fallen und schlug die Hände vor dem Gesicht zusammen. „Ach du lieber Himmel! Das bekommen Sie doch niemals hin. Dattelig, wie Sie sind. Da landet ja jede zweite Hostie auf dem Boden.“ „Ich würde es mir schon zutrauen“, antwortete van Kerkhof, ohne weiter auf ihre freche Bemerkung einzugehen. „Dann sollen die lieber ganz auf die Kommunion verzichten.“

„Lauter Gesang soll ganz vermieden werden. Pfarrer Tiedgen sagte, dass es bei ihnen sogar ganz verboten ist zu singen.“ „Das ist nicht schlimm“, entfuhr es Klara. „Die Evangelischen will sowieso keiner hören.“

„Klara!“ Van Kerkhof sah seine Haushälterin mit strengem Blick an. „Das habe ich jetzt nicht gehört! Pfarrer Tiedgens hat eine wirklich singfeste Gemeinde und sein Kirchenchor ist einer der besten Chöre in der Region.“

„Ja ja, ich habe nichts gesagt. Sie können schließlich gut mit denen und Pfarrer Tiedgen ist auch wirklich ganz in Ordnung!“ „Das will ich aber meinen, meine Liebe!“ „Jedenfalls ist es gut, wenn es bald wieder losgeht und Sie hier nicht mehr Trübsal blasen müssen!“ „Das schon. Trotzdem ist es eine große Verantwortung!“

„Da machen Sie sich mal keine Gedanken. Wenn sich in der Kirche auch nur einer nicht an die Regeln hält, dann bin ich aber da ...“ „Und dann wollte ich nicht in seiner Haut stecken“, musste der Pfarrer nun wirklich lauthals lachen. (www.christoph-kloft.de)

Bisher erschienene Fortsetzungen:
Klara trotzt Corona, XXIV. Folge
Klara trotzt Corona, XXIII. Folge
Klara trotzt Corona, XXII. Folge
Klara trotzt Corona, XXI. Folge
Klara trotzt Corona, XX. Folge
Klara trotzt Corona, XIX. Folge
Klara trotzt Corona, XVIII. Folge
Klara trotzt Corona, XVII. Folge
Klara trotzt Corona, XVI. Folge
Klara trotzt Corona, XV. Folge
Klara trotzt Corona, XIV. Folge
Klara trotzt Corona, XIII. Folge
Klara trotzt Corona, XII. Folge
Klara trotzt Corona, XI. Folge
Klara trotzt Corona, X. Folge
Klara trotzt Corona, IX. Teil
Klara trotzt Corona, VIII. Teil
Klara trotzt Corona, VII. Teil
Klara trotzt Corona, VI. Teil
Die Limburger Pfarrhausermittler: Klara trotzt Corona, V. Teil
Die Limburger Pfarrhausermittler - Klara trotzt Corona, IV. Teil
Klara trotzt Corona, dritter Teil
Klara trotzt Corona, zweiter Teil
Klara Schrupp und Pfarrer van Kerkhof trotzen der Corona-Krise


Mehr zum Thema:    Coronavirus   
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