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Nachricht vom 24.04.2020    

Klara trotzt Corona, XXI. Folge

GASTBEITRAG | Die Limburger Pfarrhausermittler lassen sich nicht unterkriegen: Klara Schrupp und Pfarrer van Kerkhof, meistern weiterhin unverdrossen ihren ungewöhnlichen Alltag in Corona-Zeiten. Mit einer täglich neuen und aktuellen Episode erfreuen Christiane Fuckert und Christoph Kloft, die Autoren der Limburger Pfarrhausermittler, die Leserschaft. Vielleicht gelingt ihnen und Ihnen ein Moment des Lächelns.

Symbolfoto

Kölbingen. Klara trotzt Corona, 21. Folge vom 24. April
Als Pfarrer van Kerkhof in die Küche kam, traf ihn fast der Schlag: Da war nichts, kein Frühstück, kein Geruch von Kaffee und vor allem keine Klara. Sofort ging er in den Flur und rief nach ihr. Keine Antwort. Ihm wurde heiß und kalt zugleich. Was war geschehen? Sofort drängte sich ihm ein schreckliches Bild auf: Klara, die gute Seele, war von ihm gegangen, in der Nacht einsam in ihrem Zimmer verstorben. Jetzt lag sie da mutterseelenallein, und er war in ihrer letzten Stunde nicht bei ihr gewesen.

Auch wenn der Pfarrer die furchtbare Wahrheit gerne noch aufgeschoben hätte, so wusste er doch, dass er ihr ins Auge sehen und augenblicklich nach oben gehen musste. So schnell war er noch nie die Treppe hinauf gelaufen. Keuchend verharrte er einen Augenblick vor Klaras Zimmer. War da nicht gerade ein Geräusch gewesen? Van Kerkhof wartete nicht mehr ab und klopfte. „Ich bin hier“, drang es schwach zu ihm. Er öffnete.

„In hemelsnaam! Wat is er gebeurd?“, entfuhr es ihm in seiner Muttersprache. Klara lag in ihrem Bett, hatte die Decke bis zum Kinn hochgezogen und sah ihn mit geröteten Augen vorwurfsvoll an. „Was passiert ist? Sie sehen es ja“, stöhnte seine Haushälterin schwach. „Aber deshalb können Sie immer noch nicht einfach in mein Schlafzimmer kommen. Wir sind schließlich nicht verheiratet!“

„Das ist jetzt mal völlig egal“, antwortete der Pfarrer entschieden und war schon an ihrem Bett. „Wenn Sie krank sind ...“ „Das geht aber nicht“, wurde er von Klara unterbrochen. „Erst brüllen Sie das ganze Haus zusammen und jetzt ...“

Van Kerkhof sparte sich eine Antwort und legte seiner guten Seele die Hand auf die Stirn. „Was ist mit Ihnen? Besonders heiß sind Sie nicht!“
„Jetzt haben Sie es auch“, seufzte Klara und ließ sich in ihre Kissen fallen. „Was?“ „Das Corona!“

Unwillkürlich trat der Pfarrer einen Schritt zurück. „Sie meinen, Sie haben ...“ „Corona“, seufzte Klara. „Jetzt hat es mich doch noch erwischt. Jetzt, wo alles langsam besser wird!“

Van Kerkhof hatte sich auch schon wieder gefasst und kam wieder heran. „Woher wollen Sie das wissen, meine Liebe!“ „Halsschmerzen, Husten“ – Klara hustete demonstrativ – „und kein Geschmack. Gestern Abend haben mir schon die Rollmöpse nicht geschmeckt!“

Der Pfarrer musste jetzt tatsächlich ein Lachen unterdrücken. „Das Symptom, von dem Sie sprechen, meint ja nicht, dass einem etwas schlecht schmeckt, sondern dass man gar keinen Geschmack hat!“

„Ach was, Herr Pfarrer, Sie haben ja wieder mal keine Ahnung. Ich fühle, dass ich das habe!“ „Nun mal ganz ruhig, meine Liebe. Wir messen jetzt erst mal Fieber!“ „Fassen Sie mich bloß nicht an!“, fauchte Klara mit ihrer belegten Stimme.

„Dazu muss ich Sie nicht anfassen!“ Und schon hielt van Kerkhof ihr das Fieberthermometer an den Kopf. „37.9“, sagte er einen Moment später erleichtert. „Das ist nicht besonders hoch!“

„Was wissen Sie denn schon, Herr Pfarrer? Bei einem Menschen in meinem Alter ist das sehr viel.“ Verzweifelt schüttelte sie den Kopf, dann richtete sie den müden Blick wieder auf Ihren Chef. „Und Sie haben sich jetzt sowieso schon bei mir angesteckt. Dann wissen Sie auch bald, wie es ist, wenn man Corona hat.“

„Sie haben kein Corona“, sagte van Kerkhof jetzt energisch. „Doch“, Klaras Stimme verfiel in einen Jammerton. „Es geht zu Ende mit mir. Und dann können Sie sehen, wie Sie alleine zurechtkommen!“



„Nichts geht hier zu Ende!“ Der Pfarrer wurde richtig böse. „Ich rufe jetzt den Arzt an, der verschreibt Ihnen was und dann sind Sie in ein paar Tagen wieder auf den Beinen!“

„Bei der Krankheit ist das anders, vor allem wenn man so alt ist wie ich!“ Van Kerkhof atmete tief durch, um dann zu einer kleinen Standpauke anzusetzen: „Meine liebe Klara: Sie können kein Corona haben. Sie kaufen nicht selbst ein, Sie hatten mit niemandem Kontakt, und in irgendeinem Risikogebiet waren Sie auch nicht!“

„Doch, vor ein paar Tagen war noch der Pfarrer Tiedgen bei uns am Haus. Und Mareike, die für uns einkauft, war auch da. Und wo Sie sich überall rumtreiben, das will ich gar nicht wissen!“

In Anbetracht von Klaras Verfassung beschloss van Kerkhof, nicht auf deren letzte Bemerkung einzugehen. Was die kranke Klara jetzt brauchte, war vor allem Zuversicht. „Diese Begegnungen haben beide im Freien stattgefunden, und immer in größtmöglichem Abstand, liebe Klara. Als Mareike im Garten war, hatten Sie sogar Ihr Halstuch vor dem Gesicht. Und als Sie mit Pfarrer Tiedgen gesprochen haben, stand er unten im Vorgarten und Sie haben hier oben aus dem Fenster geschaut. Da kann nichts passiert sein.“

„Und wenn ich es Ihnen sage, das böse Zeug ist hier drinnen! Überall sehe ich diese Igelkugeln rumfliegen.“ „Ich glaube, wir haben viel zu viel ferngesehen“, sagte der Pfarrer ruhig. „In jeder Sendung, auf jedem Hintergrundbild sind solche Viren abgebildet. Die haben sich uns schon so ins Gedächtnis gebrannt, dass sie uns überallhin begleiten. Aber wenn sie irgendwohin nicht vorgedrungen sind, dann in unser Haus, Klara.“

Das gerötete Gesicht im Kissen wandte sich ihm zu. „Meinen Sie wirklich, Herr Pfarrer?“ „Das meine ich mit absoluter Sicherheit.“

Im Laufe der Jahre hatte er seine Haushälterin schon des Öfteren kränkeln sehen. Und was da bisher immer besonders wirksam war, wusste er mittlerweile nur zu gut. „In welchem Fach haben Sie denn Ihre gute Hühnersuppe eingefroren?“, fragte er in aufmunterndem Tonfall.

„Im zweiten von oben, rechts hinten!“, erhielt er umgehend zur Antwort. Van Kerkhof atmete auf. „Warten Sie nur, bis Sie die gegessen haben. Dann werden Sie auch sehen, dass Sie den Geschmack nicht verloren haben. Und morgen geht es Ihnen schon viel besser, meine Liebe.“ Er erhob sich, lächelte Klara noch einmal ermutigend zu und verließ das Zimmer.

Noch auf den oberen Treppenstufen hörte er sie rufen: „Da muss aber noch ein Spritzer Maggi rein!“ Na also, dachte van Kerkhof zufrieden.

Klara Schrupp und Pfarrer Willem van Kerkhof melden sich in dieser Woche auch am Samstag
bei Ihnen! (www.christoph-kloft.de)


Bisher erschienene Fortsetzungen:
Klara trotzt Corona, XX. Folge
Klara trotzt Corona, XIX. Folge
Klara trotzt Corona, XVIII. Folge
Klara trotzt Corona, XVII. Folge
Klara trotzt Corona, XVI. Folge
Klara trotzt Corona, XV. Folge
Klara trotzt Corona, XIV. Folge
Klara trotzt Corona, XIII. Folge
Klara trotzt Corona, XII. Folge
Klara trotzt Corona, XI. Folge
Klara trotzt Corona, X. Folge
Klara trotzt Corona, IX. Teil
Klara trotzt Corona, VIII. Teil
Klara trotzt Corona, VII. Teil
Klara trotzt Corona, VI. Teil
Die Limburger Pfarrhausermittler: Klara trotzt Corona, V. Teil
Die Limburger Pfarrhausermittler - Klara trotzt Corona, IV. Teil
Klara trotzt Corona, dritter Teil
Klara trotzt Corona, zweiter Teil
Klara Schrupp und Pfarrer van Kerkhof trotzen der Corona-Krise



Mehr zum Thema:    Coronavirus   
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