Werbung

Nachricht vom 24.04.2020    

Im Einsatz für Fledermäuse im Westerwald

4.010 Fledermäuse aus zehn Arten in 68 Überwinterungsquartieren: Die Datengrundlage für die Bachelorarbeit des Studenten Niklas Kukat aus Faulbach kann sich sehen lassen. Für seinen Universitätsabschluss im Fach Bio-Geo-Wissenschaften an der Universität Koblenz-Landau hat der 24-Jährige die Erfassungsdaten von sieben ehrenamtlichen Fledermausschützern aus dem Westerwald aus 34 Erfassungsjahren zusammengetragen und wissenschaftlich ausgewertet.

Niklas Kukat. Foto: Marcel Weidenfeller

Holler. 63 der seit 1985 regelmäßig ehrenamtlich kontrollierten Überwinterungsquartiere der Fledermäuse hat Kukat im Winter 2018/2019 selbst mit aufgesucht und kontrolliert. Hierbei handelt es sich vor allem um Schiefer- und Erzstollen, teils mit weit verzweigten Gangsystemen, bis zu 15 Meter hohen Hallen, Tropfsteinformationen und hüfthohem Bodenwasser. Viele der Stollen sind zum Schutz der Fledermäuse vergittert. „Die Erfassung der Fledermäuse in ihren Winterquartieren ist eine extrem spannende und aus Naturschutzsicht wichtige Aufgabe. Spannend war für mich dann auch die Auswertung der gesammelten Daten zusammen mit den Erfassungsdaten aus vorherigen Jahrzehnten, die die ehrenamtlichen Naturschützer mir dankenswerterweise für meine Abschlussarbeit zur Auswertung überlassen haben. Ich hoffe, dass meine Untersuchungsergebnisse zum Schutz unserer heimischen Fledermäuse im Westerwald beitragen können“, so Kukat.

Sein Interesse für den Fledermausschutz wurde während eines studienbegleitenden Praktikums bei der Regionalstelle Rhein-Westerwald des Naturschutzbund (NABU) im Frühjahr 2018 geweckt. Hier hat der Jungwissenschaftler die NABU-Aktiven unter anderem bei der Reinigung des vom NABU betreuten Fledermausquartiers mit 800 Großen Mausohren im Kloster Marienstatt und bei der Umsetzung von Biotopschutzmaßnahmen unterstützt und wichtige Kontakte geknüpft. Der erste Schritt in Richtung Abschlussarbeit war damit getan.

Heraus kam am Ende eine 97-seitige Untersuchung mit dem Titel „Be-standsanalyse felsüberwinternder Fledermäuse im Naturraum Westerwald auf Basis einer 34-jährigen Erfassungstätigkeit“. Kukat liefert mit seiner Arbeit Daten für den Westerwald unter anderem zu den Winterquartier-Präferenzen sowie zu den Bestandsentwicklungen einzelner Fledermausarten wie des Großen Mausohrs, der am häufigsten von den ehrenamtlichen Naturschützern dokumentierten Art. Während die meisten untersuchten Arten einen stabilen Bestand aufweisen, zeigt das Große Mausohr in der untersuchten Region eine leichte Bestandszunahme. Der Bestand der Wasserfledermaus hingegen nimmt stark ab. Kukat empfiehlt: „Die Schutzstrategien für Fledermäuse müssen aufgrund ihrer komplexen Gefährdungsursachen vielfältig sein. Für felsüberwinternde Arten sind Stollen als störungsfreie Winterquartiere essentiell. Darüber hinaus gilt es, Maßnahmen zu ergreifen, die allen Arten gleichermaßen zugutekommen. Hierzu gehören der Erhalt von Tot- und Altholzbeständen, die Förderung strukturreicher Landschaften, der Schutz und die Neuschaffung von Jagd-habitaten, die Reduzierung des Pestizideinsatzes und die Rücksichtnahme auf Fledermäuse bei der Sanierung von Gebäuden.“

Wie praktischer Fledermausschutz konkret aussehen kann, zeigen die 13 NABU-Gruppen der NABU-Regionalstelle Rhein-Westerwald: Sie pflegen Flächen als Nahrungs- und Lebensräume, kontrollieren Überwinterungsstollen, halten deren Einflüge von Pflanzenbewuchs frei, stellen Sommerquartiere für die Jungenaufzucht bereit, führen zu wissenschaftlichen Zwecken Netzfänge durch, bewerten Eingriffe in Natur und Landschaft, versorgen Pfleglinge, beraten Hauseigentümer mit Fledermausquartieren am Haus und bieten Vorträge und Exkursionen an. Zu den überregionalen NABU-Projekten in Rheinland-Pfalz gehören ein Forschungs- und Entwicklungsvorhaben zum Thema energetische Sanierung von Gebäuden und Artenschutz, das Projekt „Fledermäuse willkommen!“ und der Kauf und die dauerhafte Sicherung von besonders bedeutsamen Fledermausquartieren wie das Mayener Grubenfeld als das wichtigste Überwinterungsquartier Deutschlands.

Und wie geht es für Niklas Kukat jetzt in beruflicher Hinsicht weiter? „Seit den Fledermausuntersuchungen im Rahmen meines Praktikums beim NABU und während der Datenerhebung für meine Bachelorarbeit hat sich mein Berufsziel klar herauskristallisiert. Auf Fledermäuse möchte ich mich gerne spezialisieren und später dann in einem Planungsbüro für landschaftsökologische und artenschutzrechtliche Gutachten arbeiten“, sagt Kukat. Einen besonderen Dank spricht er den sieben ehrenamtlichen Fledermausschützern aus dem Westerwald aus, die ihn bei seiner Abschlussarbeit unterstützt haben: Marcel Weidenfeller, Leander Hoffmann, Klaus Huber, Georg Fahl, Markus Metternich, Konstantin Müller und Bruno Koch.

Hintergrund:
In Deutschland kommen 25 verschiedene Fledermausarten vor, 21 davon in Rheinland-Pfalz und 13 im Westerwald. Viele der heimischen Fledermausarten sind bedroht, fast alle werden auf der Roten Liste geführt. (PM)


Jetzt Fan der WW-Kurier.de Lokalausgabe Montabaur auf Facebook werden!


Kommentare zu: Im Einsatz für Fledermäuse im Westerwald

Es sind leider keine Kommentare vorhanden

Anmeldung zum WW-Kurier Newsletter


Mit unserem kostenlosen Newsletter erhalten Sie täglich einen Überblick über die aktuellen Nachrichten aus dem Westerwaldkreis.

Beliebte Artikel beim WW-Kurier


Region, Artikel vom 08.08.2020

Keine Angst vor Schlangen im Garten!

Keine Angst vor Schlangen im Garten!

Zurzeit lassen sich öfter Schlangen im heimischen Garten beobachten. Das ist kein Grund zur Panik sondern zur Freude, denn Schlangen sind ganz besonders scheu. Sie brauchen naturnahe Gärten mit ruhigen Versteckmöglichkeiten und Wasser. Fast immer ist es die ungiftige Ringelnatter, die einem begegnet.


Region, Artikel vom 08.08.2020

Bahn saniert Brückenbauwerk Nistertal

Bahn saniert Brückenbauwerk Nistertal

Eines der zahlreichen Brückenbauwerke der Deutschen Bundesbahn im Bereich der Gemeinde Nistertal wird derzeit instandgesetzt. Dagegen wird die „Erbacher Brücke“ dem Verfall preisgegeben.


Region, Artikel vom 08.08.2020

Geschnitzte Weinfässer von bleibendem Wert

Geschnitzte Weinfässer von bleibendem Wert

Direkt an der Hauptstraße, gegenüber der Dorfschule in Hattert, war die Wirkungsstätte von Otto Weyer, der in seiner Schreinerei die Liebe zum Werkstoff Holz entdeckte. Dort stand auch das erste Weinfass, das er kunstvoll mit Schnitzerei verzierte und später mitnahm an seine neue Wirkungsstätte an die Berufsbildende Schule in Ingelheim. Als Lehrer der Fachpraxis Holztechnik bildete er Generationen von Schülern aus und weckte in ihnen die Liebe zum Werkstoff Holz.


Der Helle Wiesenknopf-Ameisenbläuling im Westerwald

Nach dem Dunklen Wiesenknopf Ameisenbläuling (Maculinea nausithous) weist die Naturschutz-Initiative (NI) auf die Gefährdung des verwandten Hellen Wiesenknopf-Ameisenbläulings hin. Der Helle Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Maculinea teleius) ist eine Art der FFH-Richtlinie (Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie) und ist auch unter dem Namen Großer Moorbläuling bekannt. Laut der Roten Liste Deutschland und Rheinland-Pfalz fällt er unter die Gefährdungsstufe 2 (stark gefährdet).


SGD Nord: Monitoringbericht zu Erneuerbaren Energien

Die Entwicklung der Erneuerbaren Energien im nördlichen Rheinland-Pfalz ist in einem aktuellen Bericht der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord veröffentlicht. Insgesamt stand Ende 2019 im Bereich der SGD Nord eine gesamte Nennleistung von 3.404 MW aus erneuerbaren Energien bereit, was dem dreifachen der Nennleistung des jüngst in Betrieb gegangenen Steinkohlekraftwerkes Datteln 4 oder dem zweieinhalbfachen der Nennleistung des stillgelegten Kernkraftwerkes Mülheim-Kärlich entspricht. Der Anstieg zum Vorjahr betrug 78 MW, weitere 200 MW waren genehmigt (siehe Grafik 3).




Aktuelle Artikel aus der Vereine


Der Helle Wiesenknopf-Ameisenbläuling im Westerwald

Quirnbach. Einen wesentlichen Anteil der europäischen Population gibt es in Rheinland-Pfalz. Dort ist er vor allem im Westerwald ...

Haus ohne Keller?

Montabaur. Vor der Entscheidung für einen Keller ist es besonders wichtig, ein Bodengutachten einzuholen. Und vor der Entscheidung ...

Hausaufgabenhilfe des Kinderschutzbundes startet

Höhr-Grenzhausen. Seit über 30 Jahren organisiert der Orts- und Kreisverband für Kinder und Jugendliche (in der Regel bis ...

Videosprechstunde bei donum vitae wird gut angenommen

Montabaur. In der von der Vorsitzenden Lilo Kohl geleiteten Sitzung berichteten die Beraterinnen, dass die offenbar geringere ...

Pink Ribbon Damentag in Dreifelden

Dreifelden. Die gemeinnützige Kampagne Pink Ribbon Deutschland und die Damen des Golf-Club Westerwald e. V. freuen sich, ...

Westerwaldverein Bad Marienberg wanderte um den Schorrberg

Bad Marienberg. „Durch schattigen Laubwald folgten wir dem Weg und an der ersten Abzweigung ging es dann erst einmal bergauf. ...

Weitere Artikel


Gemeinde Niederahr erhält 63.200 Euro aus dem Dorferneurungsprogramm

Niederahr. Damit wird die Maßnahme der Gemeinde zu 50 Prozent der zuwendungsfähigen Kosten gefördert. Der Zuschuss wird in ...

„Hier in der Klinik fühlen wir uns sicher"

Vielbach. Krankenhausbehandlungen in Zeiten der Corona–Krise stellen eine große Herausforderung dar. Das gilt auch für stationäre ...

Klara trotzt Corona, XXI. Folge

Kölbingen. Klara trotzt Corona, 21. Folge vom 24. April
Als Pfarrer van Kerkhof in die Küche kam, traf ihn fast der Schlag: ...

Unfallflucht nach Überholvorgang - weißer BMW Cabrio gesucht

Marzhausen. Am Donnerstag, dem 23. April befuhren zwei Fahrzeuge um 14.50 Uhr die B414 aus Richtung Müschenbach kommend in ...

Beginnender Waldbrand bei Sessenhausen

Sessenhausen. Gegen 18.15 Uhr wurde die Feuerwehren der Verbandsgemeinde Selters zu einem kleinen Flächenbrand alarmiert. ...

Corona im Westerwaldkreis: Die aktuellen Zahlen von Donnerstag

Montabaur. Die Zahlen des Tages.
Getestete Personen gesamt 2.617 (2.582)
• Positiv getestete Personen im Westerwaldkreis ...

Werbung