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Nachricht vom 23.04.2020    

Klara trotzt Corona, XX. Folge

GASTBEITRAG | Die Limburger Pfarrhausermittler lassen sich nicht unterkriegen: Klara Schrupp und Pfarrer van Kerkhof, meistern weiterhin unverdrossen ihren ungewöhnlichen Alltag in Corona-Zeiten. Mit einer täglich neuen und aktuellen Episode erfreuen Christiane Fuckert und Christoph Kloft, die Autoren der Limburger Pfarrhausermittler, die Leserschaft. Vielleicht gelingt ihnen und Ihnen ein Moment des Lächelns.

Symbolfoto

Kölbingen. Klara trotzt Corona, 20. Folge vom 23. April
Pfarrer van Kerkhof wälzte sich unruhig in seinem Bett, von einer Seite auf die andere. Als er sich hingelegt hatte, schon recht früh, war er überzeugt gewesen, sofort einschlafen zu können. Doch nun fühlte er sich wacher als am Mittag.

Vielleicht sollte er sich noch einmal vor den Fernseher setzen, nichts über Corona, nein, es lief bestimmt auch in irgendeinem Sender etwas Beruhigendes, etwas Wohltuendes. Niemand sollte sich zurzeit etwas vormachen, bei jedem lagen in bestimmten Bereichen die Nerven blank.

Ob Klara noch unten war? Er hatte ihr recht knapp eine gute Nacht gewünscht, weil er urplötzlich so müde wie selten zuvor gewesen war. In seinem Morgenmantel begab er sich nun auf die Treppe und vernahm auf den oberen Stufen schon ein undefinierbares Gemurmel aus dem Wohnzimmer. Vielleicht saß seine Haushälterin mit ihrem Rosenkranz dort, weil auch sie keine Ruhe fand? Stören wollte er sie dabei aber auf gar keinen Fall. So schlich er sich in die Küche, mit dem Vorsatz, sich ein Glas Milch einzugießen und dann wieder leise nach oben zu gehen.

Im Hausflur hielt er inne: Nein, Klara betete nicht, sie erzählte, sprach mit jemandem. Da dies zu einer so späten Stunde völlig unmöglich und nie vorgekommen war, richtete er sein Ohr auf den Spalt der angelehnten Tür. Er fühlte sich wie ein Verräter, denn dass er seine Klara belauschte, war ebenfalls nie zuvor der Fall gewesen.

Und gleich darauf konnte er sich ein Bild von der Szene im Innern machen: Klara sprach mit dem jungen Kater. Ausgiebig und frei heraus, als handelte es sich um einen Therapeuten.

„Weißt du, kleiner Willi, du kannst froh sein, dass du ein Tier bist und nichts von dem begreifst, was sich in der Welt gerade abspielt. Schon schlimm genug, dass es wahrscheinlich wieder so einen trockenen heißen Sommer geben wird und dich die Zecken piesacken, weil der Winter zu warm war und die Biester nicht erfroren sind.“

Es folgte ein schmatzendes Geräusch. Ah ja, sie hatte das junge Tier geküsst, bestimmt wie immer auf den kleinen Kopf zwischen die Ohren. Dann setzte sie ihre Ansprache fort. „Da geht es zurzeit aber auch anderen Tieren schlecht. Weil sie nicht öffnen können, sind viele Tierheime verarmt und es fehlt an Personal. Und niemand kommt, um die Hunde auszuführen, die Armen stehen in ihren Käfigen und verstehen die Welt nicht mehr. Und die Spender haben nicht mehr so viel Geld wie vor Corona. Hach, was für ein Leid diese fiese Krankheit mitgebracht hat. An die armen Leute in Afrika darf ich gar nicht denken. Wir haben es ja noch gut hier, kleiner Willi. Schau, du kannst in den Garten und wir haben ein sauberes eigenes Haus. - Ob du weißt, dass du ein Pfarrhaus-Kater bist? Eigentlich müsstest du das schon manchmal merken. Aber wie schon, du hast ja keinen Vergleich zu anderen Katzen.“ Schmatz.

Van Kerkhof war so angetan von dem Monolog hinter der Tür, dass er trotz schlechten Gewissens wie elektrisiert stehen blieb, wo er stand.

„Apropos Pfarrer: Dein Herrchen hat sich heute schon so früh verzogen wie lange nicht. Sogar auf seine Spätnachrichten hat er verzichtet. Der wird mir doch hoffentlich nichts Gefährliches da oben ausbrüten, der Mann! Da darf ich gar nicht dran denken, Willilein. Ein kranker Herr Pfarrer – das wäre eine Katastrophe. Der lässt sich ja nichts sagen, will immer seinen eigenen Dickkopf durchsetzen und könnte sogar meine Hühnersuppe ablehnen, wenn er unleidlich wäre. Am besten würden wir beide dann unsere Sachen packen und zu Anni und Helmut rauf in den Westerwald fahren. Da würde es dir gefallen, die haben einen riesigen rundherum eingezäunten Garten, die beiden, dort könntest du springen und laufen und gingest nicht verloren.“ Schmatz, schmatz.

„Und ich hätte mal Gesellschaft, eine andere als immer nur einen alternden Herrn Pfarrer, der noch dazu krank wäre.“

Van Kerkhof im Hausflur presste seine Hand gegen den Mund, um ein Auflachen zu unterdrücken. Vermutlich war der Kater genau der richtige Zuhörer für seine Klara, die zurzeit doch so viel entbehren musste.
Genau dort setzte ihr weiteres Wehklagen jetzt auch an. „Du glaubst gar nicht, wie ich meinen Kirchenchor vermisse. Die Gesellschaft, und außerdem singe ich doch so gern. Hier daheim macht mir das keinen Spaß mehr, der Herr Pfarrer ist ja immer im Haus, und ich weiß nicht, ob er meine Stimme überhaupt noch mag. Normalerweise hätten wir jetzt im Mai einen Chor-Ausflug mit dem Bus gemacht. Ja, guck mich nicht so an, da hättest du hier beim Herrn Pfarrer bleiben müssen. Das habt ihr schon einmal geschafft, das muss auch in der Zukunft noch möglich sein. - Du bist ja ein Braver, wirst dein Herrchen schon im Auge behalten. - Das gefällt dir, das Kraulen, was?“ Schmatz, schmatz, schmatz.

„Weißt du, was? Ich hole mir ein Gläschen vom roten Likör. Warte.“ Der Pfarrer vor der Tür zuckte zusammen, wurde sich aber dann bewusst, dass sich sowohl die Likörflasche wie auch die kleinen Gläschen drinnen im Wohnzimmer befanden und blieb reglos auf der Stelle stehen. Sein Herz klopfte spürbar hart. Diese Lauschaktion würde seine Klara ihm niemals verzeihen. Sie würde ihm fortan kein Wort mehr glauben, er konnte sich ja selbst nicht erklären, warum er hier stand wie ein Spion. Vielleicht war es aber aufschlussreich und sollte so sein, damit er sie in ihren Nöten künftig besser verstand?

„Sie reden sich alles mal wieder so zurecht, wie Sie es brauchen“, würde Klara ihn zurechtweisen. Womit sie natürlich recht hätte. Van Kerkhof beschloss, sich jetzt lautlos zu verziehen und sich den weiteren Verlauf dieser ungewöhnlichen therapeutischen Sitzung zu versagen, damit er auf diese Weise wenigstens ein kleines Stückchen Reue und Verzicht beweisen konnte. Wieder vernahm er schmatzende Geräusche aus dem Wohnzimmer, doch diesmal rührten sie eindeutig von Klaras Likörschlürfen. „Selbstgemacht, Willi, aus lauter roten Früchten. Ein himmlischer Genuss! Nein, du kriegst nichts ab. Aber morgen bekommst du auch was Leckeres. Es gibt Bratkartoffeln und Fisch.“

Diese letzte Information genügte dem Pfarrer, sich umgehend auf den Weg nach oben zu begeben. Klaras Bratkartoffeln waren einzigartig! (www.christoph-kloft.de)


Bisher erschienene Fortsetzungen:
Klara trotzt Corona, XIX. Folge
Klara trotzt Corona, XVIII. Folge
Klara trotzt Corona, XVII. Folge
Klara trotzt Corona, XVI. Folge
Klara trotzt Corona, XV. Folge
Klara trotzt Corona, XIV. Folge
Klara trotzt Corona, XIII. Folge
Klara trotzt Corona, XII. Folge
Klara trotzt Corona, XI. Folge
Klara trotzt Corona, X. Folge
Klara trotzt Corona, IX. Teil
Klara trotzt Corona, VIII. Teil
Klara trotzt Corona, VII. Teil
Klara trotzt Corona, VI. Teil
Die Limburger Pfarrhausermittler: Klara trotzt Corona, V. Teil
Die Limburger Pfarrhausermittler - Klara trotzt Corona, IV. Teil
Klara trotzt Corona, dritter Teil
Klara trotzt Corona, zweiter Teil
Klara Schrupp und Pfarrer van Kerkhof trotzen der Corona-Krise



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