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Nachricht vom 20.04.2020    

Wo kommt der gelbe Staub her?

Von Helmi Tischler-Venter

Auf Wasserflächen, Terrassen und Fahrzeugen hat sich gelber Staub abgelagert. Gelb ist gerade die Farbe des Westerwaldes, denn zurzeit blühen massenhaft Löwenzahnpflanzen und Rapskulturen. Ihr Blütenstaub wabert durch die Luft, zusätzlich zu den Pollen der Frühblüher, mit denen Allergiker schon länger unliebsame Bekanntschaft gemacht haben. Die vielen Blütenpollen provozieren Niesattacken, die allerdings im Gegensatz zu Corona-Infektionen ungefährlich sind.

Gelber Staub auf dem Auto. Fotos: Helmi Tischler-Venter

Dierdorf. Blütenstaub ist eine andere Bezeichnung für Pollen. Das sind mikroskopisch kleine Körper aus dem Staubbeutel der Blütenpflanzen. Blütenstaub sind die männlichen Geschlechtszellen oder die Träger von männlichen Geschlechtszellen. Der Staub ist oft eine mehlartige Masse, die in den Samenpflanzen gebildet wird. Er riecht besonders gut und kann bei manchen Allergikern zu Atemnot führen.

Blütenpollen sind grundsätzlich gut und wichtig, denn sie stärken das Immunsystem, weil in den Samenzellen zahlreiche Nährstoffe stecken, darunter Vitamin B, C, D, E sowie Proteine, Cysetin, Nukleinsäuren und Magnesium. Wer regelmäßig Blütenpollen zu sich nimmt, kann das Abwehrsystem seines Körpers stärken und so vor Krankheiten schützen.

Die Erzeuger der Blütenstaubwolke sind sogar insgesamt essbar. Nicht nur Weidetiere, Kaninchen und Hühner gieren nach frischem Grün und Kräutern. Auch Menschen hungern nach Frische und Vitaminen. Die Natur hilft: Junge Löwenzahnblätter lassen sich zu gesundem Salat verarbeiten. Der Bitterstoff darin unterstützt Galle und Verdauung. Auch die Blätter der Knoblauchrauke, die gemäß ihrem Namen leicht nach Knoblauch schmecken, passen wunderbar in Salat. Junger Sauerampfer bringt eine pikant-säuerliche Note dazu. Weitere Wildkräuter, die zurzeit leicht zu erkennen sind, ergänzen kostenlos die vitalstoffreiche Ernährung: Die Vogelmiere ist vollständig mit ihrer Blüte essbar und reich an Mikronährstoffen sowie vielseitig in ihrer Zubereitung. Die Pflanze ist auch ein Freund des Naturgärtners und ein deutlicher Anzeiger eines gesunden Bodens.

Wer Gänseblümchen in seinem Rasen findet, sollte sich nicht ärgern sondern freuen, denn die leicht nussig schmeckenden Blütenköpfchen zieren ebenfalls jeden Salat. Sie sind nicht nur hübsch, sondern auch sehr gesund, denn sie enthalten unter anderem Bitterstoffe und Flavonoide. In der Naturheilkunde werden Gänseblümchen als Heilkraut eingesetzt.

Weniger auffällig, weil bodennah und in geringerer Menge wachsend, sind Veilchen. Bedenkenlos können Sie alle Veilchenarten essen. Sie sind nicht giftig, sondern überaus schmackhaft. Ihre Blätter schmecken angenehm mild. Die Blüten beispielsweise vom Waldveilchen oder Duftveilchen haben ein leckeres parfümartiges Aroma. Die Blätter von Veilchen können Sie für Salate, für Smoothies und grüne Säfte verwenden. Auch pur schmecken sie äußerst angenehm. Da es keine schädlichen Inhaltsstoffe gibt, können Sie die Blätter ruhig reichlich verwenden. Doch es sind vor allen Dingen die Blüten, die wegen ihrer Optik beliebt sind. Häufig dienen sie als Garnierung von Speisen, kandiert auch für Kuchen und Süßspeisen.

Ebenfalls blaue Blüten hat der verbreitete Gundermann. Gundermann ist eine essbare Heilpflanze, deren Blätter roh genießbar sind und einen leicht scharfen Geschmack haben, der an Minze und auch Lakritz erinnert. Das Aroma ist recht stark, sodass das Kraut beim Würzen nur sparsam verwendet werden sollte. Gundermann passt als Gewürz zu allen Speisen, die sich auch mit Thymian oder Minze vertragen. Beliebt ist Gundermann als Würzmittel für Eier, Kräuterbutter und Quarkspeisen. Die Blätter des Krauts werden kurz vor dem Essen kleingeschnitten und frisch über die Speisen gestreut. Mitkochen sollten Sie nur getrocknete Blätter.

Raps wird großflächig als Öl- und Futterpflanze angebaut. Beim Spaziergang schnuppert man sein angenehmes Aroma. Das zieht auch Insekten an, leider auch den bei Landwirten sehr unbeliebten Rapsglanzkäfer, der nur etwa zwei Millimeter lang wird und mit Insektizid bekämpft wird.

Auch die Vogelmiere ist nicht nur eine sehr gesunde Abwechslung auf dem Speiseplan der heimischen Gemüsesorten, die vor allem schon sehr zeitig nach dem Winter in Erscheinung tritt, sondern bildet auch eine der ersten Nektarquellen vor allem für die zu dieser Zeit ausgehungerten kleineren Insektenarten. Blüten des Löwenzahns sind ebenfalls eine zuverlässige Nektarquelle für Insekten.

Auch Menschen können sich die Inhaltsstoffe dieser Heilpflanze zu Nutzen machen. Selbst gemachter Löwenzahnhonig schmeckt sehr lecker und ist einfach herzustellen: Sie brauchen dafür etwa 400 Stück bei Sonnenschein gepflückte Löwenzahnblüten. Diese werden unter fließendem Wasser gründlich abgespült. Die Blüten dann in einen großen Kochtopf geben, mit dem Wasser aufgießen und zwei entkernte und in dünne Scheiben geschnittene Zitronen hinzugeben. Die Masse lassen Sie 15 Minuten aufkochen und dann 24 Stunden (am besten über Nacht) ruhen. Danach die Masse durch ein Leinentuch sieben und ausdrücken. Den gewonnenen Saft mit Zucker sirupartig einkochen, dabei müssen Sie immer gut umrühren; der Vorgang kann einige Stunden dauern; die Masse sollte immer langsam vor sich hin simmern. Zur Kontrolle der Festigkeit gelegentlich einen Löffel voll auf einer Untertasse abkühlen lassen. Der Honig ist perfekt, wenn er im abgekühlten Zustand Fäden zieht, er sieht fertig so dunkel aus wie Waldhonig. Er wird noch heiß in Schraubgläser gefüllt. htv


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