Werbung

Nachricht vom 19.04.2020    

Buchtipp „Varieté“ von Stephanie Langenberg

Von Helmi Tischler-Venter

Mit ihrem Erstlingswerk ist Stephanie Langenberg ein atmosphärisch dichter und spannender Roman gelungen, der Kaiserzeit und Gegenwart miteinander verwebt und nebenbei ein Sittengemälde darstellt. Grundlage ist ein Mordprozess im Jahr 1924, der den Mord an der neununddreißigjährigen Tänzerin und Kurtisane Luise Bergmann verhandelte. Angeklagt war der für seinen soliden Lebensstil bekannte Carl Ludwig Graf von Häberlein. Er wurde freigesprochen.

Buchtitel. Foto: Verlag

Karlsruhe/Dierdorf. Im Jahr 2006 wurde ein junger Journalist von seiner Chefredakteurin aus Hamburg in die Provinz bei Heidelberg geschickt, um die Hintergründe dieses historischen Falls zu recherchieren und eine spannende Story darüber zu schreiben. Nur widerwillig nahm Reporter Paul Schmidt, der eine Vorliebe für attraktive intelligente Frauen besaß und sie mit Kaffee verglich – „anregend und bitter“ - diesen Auftrag an. Gut Bergstett, der ehemalige Tatort, wurde in ein Hotel umgestaltet, an dem noch Spuren eines Brandes zu sehen waren, bei dem 1948 Carl von Häberlein unter ungeklärten Umständen ums Leben kam. Die Leute im Dorf waren noch immer der Meinung, Luisa sei als Geist wiedergekommen und habe den Brand gelegt. Daher veranstalteten sie jedes Jahr in der Brandnacht vom 27. Juni eine Art „Hexenaustreibungsfest“.

Tatsächlich beunruhigten Hexengeschichten, Geister und nächtliche Stimmen den jungen Mann. Und mit seinem Auftrag kam er nicht recht voran. Er recherchierte, dass Luisa, die Tochter der Näherin auf Gut Bergstett zusammen mit Meli, der Tochter des Hauses aufwuchs und die beiden Mädchen Freundinnen waren, bis Luisa und ihre Mutter das Gut im Jahr 1899 verließen. In Mannheim fanden Mutter und Tochter eine kärgliche Unterkunft, doch ihr Leben war von Armut und Hunger geprägt. Durch die Not erkrankte die Mutter und starb nach kurzer Zeit, Luisa war nun ganz auf sich allein gestellt. Mit einer Anstellung im Varieté schienen schließlich ihre Probleme gelöst. Doch wieder lief das Schicksal gegen sie und die Vergangenheit holte sie immer wieder ein.

Die Erzählstränge des Romans wechseln zwischen Vergangenheit und Gegenwart hin und her. Fotos aus den Jahren 1908 und 1909 und Akten aus dem Archiv der Gemeinde stellen Verbindungen her. Immer mehr Verstrickungen und Verfehlungen der Protagonisten werden deutlich. Bekanntschaften und Beziehungen besitzen eine tragische Dynamik.

Das Jagdfieber des Journalisten lässt diesen hartnäckig die gefundene Fährte verfolgen und aufgedröselte Fäden zu einem Strang wiedervereinen. Am Schluss erhält Paul Schmidt Antworten auf seine Fragen und eine fulminante karrierefördernde Geschichte, die bis in seine Heimatstadt Hamburg führt.

Das 383-seitige Taschenbuch „Varieté“ ist bei Lauinger I Der kleine Buch Verlag in Karlsruhe erschienen, ISBN: 978-3-7650-9144-5; als E-Book ISBN: 978-3-7650-9145-2. htv


Jetzt Fan der NR-Kurier.de Lokalausgabe Dierdorf auf Facebook werden!


Kommentare zu: Buchtipp „Varieté“ von Stephanie Langenberg

Es sind leider keine Kommentare vorhanden

Anmeldung zum WW-Kurier Newsletter


Mit unserem kostenlosen Newsletter erhalten Sie täglich einen Überblick über die aktuellen Nachrichten aus dem Westerwaldkreis.

Beliebte Artikel beim WW-Kurier


Corona schwappt über Westerwaldkreis – 19 neue Fälle

Am 4. August gibt es 423 bestätigte Fälle im Westerwaldkreis, davon inzwischen 366 wieder genesen. 122 Westerwälder befinden sich in angeordneter Quarantäne. Damit gab es seit Dienstag 19 neue Fälle. Erfreuliche Nachrichten aus dem Unternehmen aus der VG Montabaur.


Region, Artikel vom 08.08.2020

Keine Angst vor Schlangen im Garten!

Keine Angst vor Schlangen im Garten!

Zurzeit lassen sich öfter Schlangen im heimischen Garten beobachten. Das ist kein Grund zur Panik sondern zur Freude, denn Schlangen sind ganz besonders scheu. Sie brauchen naturnahe Gärten mit ruhigen Versteckmöglichkeiten und Wasser. Fast immer ist es die ungiftige Ringelnatter, die einem begegnet.


Region, Artikel vom 08.08.2020

Bahn saniert Brückenbauwerk Nistertal

Bahn saniert Brückenbauwerk Nistertal

Eines der zahlreichen Brückenbauwerke der Deutschen Bundesbahn im Bereich der Gemeinde Nistertal wird derzeit instandgesetzt. Dagegen wird die „Erbacher Brücke“ dem Verfall preisgegeben.


Region, Artikel vom 08.08.2020

Geschnitzte Weinfässer von bleibendem Wert

Geschnitzte Weinfässer von bleibendem Wert

Direkt an der Hauptstraße, gegenüber der Dorfschule in Hattert, war die Wirkungsstätte von Otto Weyer, der in seiner Schreinerei die Liebe zum Werkstoff Holz entdeckte. Dort stand auch das erste Weinfass, das er kunstvoll mit Schnitzerei verzierte und später mitnahm an seine neue Wirkungsstätte an die Berufsbildende Schule in Ingelheim. Als Lehrer der Fachpraxis Holztechnik bildete er Generationen von Schülern aus und weckte in ihnen die Liebe zum Werkstoff Holz.


Der Helle Wiesenknopf-Ameisenbläuling im Westerwald

Nach dem Dunklen Wiesenknopf Ameisenbläuling (Maculinea nausithous) weist die Naturschutz-Initiative (NI) auf die Gefährdung des verwandten Hellen Wiesenknopf-Ameisenbläulings hin. Der Helle Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Maculinea teleius) ist eine Art der FFH-Richtlinie (Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie) und ist auch unter dem Namen Großer Moorbläuling bekannt. Laut der Roten Liste Deutschland und Rheinland-Pfalz fällt er unter die Gefährdungsstufe 2 (stark gefährdet).




Aktuelle Artikel aus der Kultur


Puppentheater Petra Schuff: Wie Findus zu Pettersson kam

Rennerod. Seinen Namen verdankt er schlicht und einfach einer Erbsensorte. „Findus“ heißt nämlich die Firma, deren Paket ...

Damenbesuch „Vier Hochzeiten und zwei Todesfälle“

Höhr-Grenzhausen. Und wie kommt man damit klar, dass es für manche Träume endgültig zu spät ist und geliebte Menschen einen ...

„OASE“ startet wieder durch

Montabaur. Rita Krock und Michael Musil lesen Briefe einer unerfüllten Liebe, zwei Lebenswege enthüllen sich dem stillen ...

Kulturszene rund um Montabaur trifft sich

Montabaur. Willkommen dazu sind alle, die in den verschiedenen Bereichen des regionalen Kulturangebotes aktiv oder als „Konsumenten“ ...

Maren Seubert zeigt "Der neue Weg - Teil I"

Enspel. Eine perfekte Möglichkeit, mit ihr in Austausch zu treten, sich ihre Kunst erklären zu lassen, ihre Gedanken und ...

JuZe ins Kino: Filmreihe gegen Rassismus

Hachenburg. Die ersten beiden Filme sind bereits gelaufen: „Queen & Slim“ erzählte die Geschichte eines Paares in den USA, ...

Weitere Artikel


20 Jahre Erneuerbare Energien Gesetz– eine Erfolgsgeschichte

Region. Das deutsche EEG hat aber noch einen weitaus bedeutenderen Effekt auf die globale Energiewende: Waren die regenerativen ...

Wo kommt der gelbe Staub her?

Dierdorf. Blütenstaub ist eine andere Bezeichnung für Pollen. Das sind mikroskopisch kleine Körper aus dem Staubbeutel der ...

Online–Ausbildung der Ausbilder

Koblenz. Wer ausbilden will, muss neben der persönlichen und fachlichen Eignung auch über pädagogische, rechtliche, organisatorische, ...

Präventionsprojekt "Schutzbär Bulli" - Ein Bär spricht Klartext

Siershahn. Schutzbär Bulli vertritt die Bullizei, eine spezielle Abteilung der Initiative gegen Gewalt...
Ähnlich wie die ...

Nicole nörgelt…

Region. Jetzt sitze ich hier auf dem heimischen Balkon und genieße das heimelige Tschilpp-Tschilpp und Piep-Piep um mich ...

Pfarrheim in Seck brennt

Seck. Durch die eingesetzten Feuerwehrkräfte konnte ein Übergreifen der Flammen auf Nachbargebäude verhindert werden. Es ...

Werbung