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Nachricht vom 17.04.2020    

Klara trotzt Corona, XVI. Folge

GASTBEITRAG | Die Limburger Pfarrhausermittler lassen sich nicht unterkriegen. Die schrullig-resolute Haushälterin Klara Schrupp und ihr gutmütiger Pfarrer Willem van Kerkhof meistern ihren nun schon wochenlang eingeschränkten Alltag und unterhalten ihre Leserschaft mit täglich neuen Episoden.

Symbolfoto

Kölbingen. Klara trotzt Corona, Folge 16 vom 17. April
Klara fing ihren Chef schon an der Haustüre ab: „Herr Pfarrer, hier haben ganz viele Leute angerufen. Nun schimpfen Sie nicht, dass ich drangegangen bin, aber Sie waren nicht da.“ „Sie wissen doch, dass ich eine Besprechung mit Pfarrer Tiedgen hatte, meinem evangelischen Kollegen.“ „Ja, ja, ich weiß. Aber deshalb haben trotzdem viele Leute angerufen.“ Klara war immer noch ganz aufgeregt. „Ich habe Ihnen eine Liste mit den Nummern gemacht.“ „Das ist schön, liebe Klara. Ich sehe mir sie gleich an.“

„Mit zweien habe ich länger gesprochen“, sagte Klara so bedeutungsvoll, dass der Pfarrer sie an Ort und Stelle nach den Namen fragen musste.

„Und, wer war das?“ „Die eine war eine Schülerin. Ein ganz liebes Mädchen. Stellen Sie sich vor, sie hat sich angeboten, für uns einzukaufen.“ „Eine hervorragende Idee“, freute sich van Kerkhof. „Zumal die Kontaktsperre ja noch etwas bestehen bleibt, unser Siggi noch in Quarantäne ist und wir die Nachbarin auch nicht immer beanspruchen dürfen.“ „Das schon. Aber ich habe trotzdem gesagt, dass ich das erst mit Ihnen besprechen muss. Sie sind ja der Chef!“ „Ach, im Notfall bin ich wieder der Chef!“, lachte van Kerkhof. „Sie hatten doch etwas dabei, wenn sie ihr nicht gleich zugesagt haben!“

„Nun ja“, druckste Klara herum. „So bisschen Bedenken habe ich schon.“
„Und warum?“ Klara überwand sich und ließ es heraus: „Nun … weil die jungen Dinger sich doch nicht mit den Sonderangeboten auskennen. Und wenn sie dann nur die teuersten Sachen kauft, dann ist das auch nichts.“

„Wenn Sie ihr das richtig sagen, dann kann nichts schiefgehen, denke ich.“ „Aber ob sie das alles kapiert, was ich will? Sie wissen ja, das Mineralwasser darf nicht so viel Sprudel haben wegen meinem Sodbrennen.“ „Ich weiß.“ „Und die Salami muss fettreduziert sein, Sie haben in der ganzen Zeit im Haus sowieso schon ziemlich zugelegt!“

Der Pfarrer überhörte den letzten Satz wohlwollend. „Also von mir aus können Sie dem Mädchen gerne zusagen. Ist doch nett, wenn die viel gescholtene Jugend sich anbietet. Die jungen Leute wollen doch nur was tun und für sie ist diese Zeit ja auch nicht leicht.“

„Na gut“, gab Klara sich geschlagen. „Dann sage ich ihr halt zu, aber der Einkaufszettel wird dann eben richtig lang. Weil ich ja überall dazuschreiben muss, wie ich das meine. Außerdem fehlt uns ziemlich viel.“

„Hat sie denn schon den Führerschein, ein Auto? Ich meine, wenn sie für Ihre besonderen Wünsche vielleicht an verschiedenen Stellen einkaufen muss und dann noch dazu eine lange Liste zusammen kommt?“

„Hach, das klappt schon. Sie will uns die Einkäufe mit der Eselstasche bringen. Ich sehe Ihnen an, Sie kapieren wieder mal nichts. Drahtesel – Fahrrad! Eine Gepäcktasche, die hinten auf beiden Seiten runterhängt. Und, macht es jetzt Klick bei Ihnen?“

„Ah ja, dann kauft sie mit dem Fahrrad ein. Das klingt doch gut. Dann machen Sie das nur!“ Der Pfarrer trat unruhig auf der Stelle. Doch er wusste, dass noch eine Frage fehlte, bis er endlich guten Gewissens ins Haus gehen durfte.

„Und wer war der zweite Anrufer?“ „Das war Ilo, der Stadtführer. Er wollte sich nur mal erkundigen, wie es uns geht.“ „Das war aber nett von ihm. Ich hoffe, bei ihm ist alles in Ordnung?“ „Auf jeden Fall, Herr Pfarrer. Der Mann hat so ein sonniges Gemüt. Er lässt sich die Laune auch von dem kleinen Giftzwockel Corona nicht verderben.“ „Das ist schön.“ Van Kerkhof machte Anstalten, an Klara vorbeizugehen, doch ließ sie ihn noch nicht. „Und wissen Sie was? Der Ilo hat mir versprochen, wenn das alles hier vorbei ist, dann nimmt er mich mit zu einem seiner Vorträge über Limburg. Manchmal würde da auch der Bürgermeister hinkommen und dann … “ – Klara warf sich stolz in die Brust – „dann würde er mich dem vorstellen.“ „Wie schön für sie.“ „Nicht wahr, Herr Pfarrer! Ich bin jetzt schon ganz aufgeregt!“

„Nun, es kann ja noch etwas dauern! Noch hält uns Corona ans Haus gefesselt.“ „Aber trotzdem … das ist was ganz Besonderes!“ „Das ist es auch, meine Liebe. Der Bürgermeister ist ein sehr netter Mann!“

„Woher wissen Sie das?“ Van Kerkhof spürte dabei den misstrauischen Blick seiner Haushälterin. „Ich habe ihn schon mehrfach getroffen“, antwortete er arglos. „Wir haben uns immer gut unterhalten!“

Klara riss die Augen auf. „Wie … Sie kennen den auch?“ „Natürlich kenne ich ihn. In einer Stadt wie Limburg bleibt es nicht aus, dass man sich ab und zu trifft!“ „Aber davon haben Sie mir nie etwas erzählt!“ „Ich meine, doch. Und wenn nicht, war es keine böse Absicht!“

„Sie verderben mir auch jede Freude, Herr Pfarrer. Da bin ich mal zum Bürgermeister eingeladen, und da kennen Sie den schon lange! Jetzt habe ich schon gar keine Lust mehr, dahin zu gehen!“ „Warum das denn, meine Liebe, was hat das denn mit mir zu tun? Deshalb bleibt er doch immer noch der Bürgermeister!“ „Den Sie ja schon längst kennen“, wiederholte Klara schnippisch. „Das war doch nur dienstlich.“ Van Kerkhof wusste jetzt, wie er Klara besänftigen konnte. „Bei Ihnen ist es ja etwas anderes. Denn privat habe ich ihn auch noch nicht getroffen!“

Klara überlegte einen Augenblick, dann hellte sich ihre gerade noch so finstere Miene auf. „Also wäre ich Ihnen doch mal einen Schritt voraus? Sie nehmen mich ja schon nicht mit zum Bischof!“ „Auf jeden Fall wären Sie mir einen Schritt voraus. Den Bürgermeister privat zu treffen, das ist etwas ganz Besonderes!“

Ein zufriedenes Lächeln machte sich in Klaras Gesicht breit. „Dann sehe ich gleich mal nach, ob das Kleid von meinem 70. Geburtstag noch in Ordnung ist. Wenn man den Bürgermeister trifft, muss man ordentlich angezogen sein.“ „Aber es ist ja noch etwas hin!“ „Egal. Es wird eine Zeit nach Corona geben, und da darf man jetzt wenigstens schon mal wieder dran denken! Aber für alle Fälle nähe ich mir trotzdem noch einen passenden Mundschutz zum Kleid. Gepunktet und kariert zusammen trägt man nämlich nicht.“ Beschwingt ging Klara davon. Van Kerkhof schüttelte lächelnd den Kopf, während er seiner Haushälterin endlich ins Haus folgen konnte.

Klara Schrupp und Pfarrer Willem van Kerkhof wünschen Ihnen ein schönes Wochenende und melden sich am Montag wieder. Bis dahin alles Gute! Ihre Pfarrhausermittler. (www.christoph-kloft.de)

Bisher erschienene Fortsetzungen:
Klara trotzt Corona, XV. Folge
Klara trotzt Corona, XIV. Folge
Klara trotzt Corona, XIII. Folge
Klara trotzt Corona, XII. Folge
Klara trotzt Corona, XI. Folge
Klara trotzt Corona, X. Folge
Klara trotzt Corona, IX. Teil
Klara trotzt Corona, VIII. Teil
Klara trotzt Corona, VII. Teil
Klara trotzt Corona, VI. Teil
Die Limburger Pfarrhausermittler: Klara trotzt Corona, V. Teil
Die Limburger Pfarrhausermittler - Klara trotzt Corona, IV. Teil
Klara trotzt Corona, dritter Teil
Klara trotzt Corona, zweiter Teil
Klara Schrupp und Pfarrer van Kerkhof trotzen der Corona-Krise





Mehr zum Thema:    Coronavirus   
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