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Nachricht vom 13.04.2020    

Roberto Capitoni: Künstler gehen auf die Barrikaden

Die in Rheinland-Pfalz lebenden Comedians, Kabarettisten, Sänger, Musiker, Tontechniker, Künstler, Artisten, Freelancer, Solo-Selbstständige sind sauer. Denn die Soforthilfen der Landesregierung treffen auf sie nicht zu. Künstler haben oft kaum laufende Kosten und können so keine Beihilfe erhalten.

Roberto Capitoni bei seinem Auftritt in Melsbach mit Kollegen. Archivfoto: Wolfgang Tischler

Region. Der Comedian Roberto Capitoni hat die nachfolgende Nachricht an die Ministerpräsidentin wegen der Soforthilfe in Rheinland-Pfalz verfasst. Nachstehend das Schreiben im Wortlaut:
„Sehr geehrte Frau Dreyer,
leider geht das an der Realität komplett vorbei. Abgesehen davon, dass es ein Unding ist, nur Betriebskosten geltend machen zu dürfen, was bei vielen Künstler unmöglich ist, da sie de facto kaum welche haben, ist der Vorschlag, doch Corona-Grundsicherung zu beantragen, für mich und viele meiner Kollegen ein Witz.

Denn, wenn man wie ich, in den letzten 40 Jahren den Fehler gemacht hat, gut zu arbeiten, immer brav alle Steuern bezahlt zu haben, gut zu wirtschaften und sein Geld gut angelegt zu haben, damit man im Alter vernünftig versorgt ist, und zwar ohne staatliche Hilfen in Anspruch zu nehmen, dann hat man nämlich keinen Anspruch auf diese Grundsicherung.

Auch wenn man monatelang keinerlei Einkommen haben wird. Dann heißt es beim Amt, man solle doch seine Lebensversicherung, die man als Altersversorgung abgeschlossen hat, auflösen und seine Wertpapiere, die Aufgrund der Corona-Maßnahmen z.Zt. tief im Keller sind, verkaufen. Dass beides auch noch zusätzlich nur mit massiven Verlusten durchführbar ist, interessiert da kein Schwein.

Da stellt sich doch die Vermutung: hätte ich in den letzten Jahrzehnten wenig oder schlecht gearbeitet und gewirtschaftet und hätte das verdiente Geld mit vollen Händen ausgegeben, dann würde ich jetzt vom Land Rheinland-Pfalz damit belohnt werden, das Corona-Grundeinkommen zu erhalten. Da ich aber so doof war, mich selbst um meine Altersversorgung zu kümmern, auch damit ich dem Staat, von dem ich übrigens noch nie etwas bekommen habe, später nicht auf der Tasche liegen muss, gehe ich leer aus. Das ist doch ein schlechter Witz.



Und das Lustigste an diesem schlechten Witz ist, dass, wenn ich in Mannheim oder Karlsruhe wohnen würde, das alles kein Problem wäre. Das soll mir mal einer intelligent erklären.

Die Un-Wörter des Jahrhunderts werden wohl Grundsicherung, Soforthilfe, das sind die schlechtesten Witze die ich je gehört habe. Dass ich nicht lache, neun Anträge für drei Leute, das soll Vereinfachung sein. Das sind 30 Seiten, liebe Frau Dreyer, haben Sie selbst mal versucht so eine Flut von Anträgen auszufüllen. Und wir Drei sollen einen Lebenslauf abgeben, wozu, ich will mich nicht bewerben, ich such auch keinen Job, ich will nur eine Unterstützung über diese Zeit in der ich keinen Auftritt habe, ich will ja arbeiten, darf aber nicht.

Das ist Verarsche, nix anderes, keine Wertschätzung für Kultur, „Deutschland ein Land der Dichter und Denker“, dass ich nicht lache, da wurde leider nicht zu Ende gedacht, das ist ein Schlag ins Gesicht, nix anderes.

An alle in Rheinland-Pfalz lebenden Comedians, Kabarettisten, Sänger, Musiker, Tontechniker, Künstler, Artisten, Freelancer, Solo-Selbstständige und... und... und... Nicht aufgeben, wir kämpfen für unser Recht!“



Kommentare zu: Roberto Capitoni: Künstler gehen auf die Barrikaden

3 Kommentare

Hallo. Die Kritik kann ich nur teilweise nachvollziehen. Ich habe vor kurzem die Grundsicherung beantragen müssen. Ich habe die zuständige Hotline kontaktiert und wurde dort sehr zuvorkommend beraten. Es ist ein vereinfachter Antrag (2 Formulare plus Belege) OHNE Vermögensprüfung. D.h. es sollten weder Erspartes noch Altersvorsorge oder Wohneigentum angerechnet werden. Mir wurde das so erklärt, dass die Leistungen im Grunde die gleichen sind wie in anderen Bundesländern, jedoch die Infrastruktur der Jobcenter genutzt werden. Dadurch sind auch Betrugsfälle wie jetzt neulich in NRW bekannt wurden, ausgeschlossen. Da ich allerfings bisher noch keine Bestätigung bzw. Leistungen bekam, kann ich noch keine abschließende Aussage dazu machen, ob das wirklich alles so reibungslos funktioniert.
#3 von Christoph Jung, am 14.04.2020 um 16:34 Uhr
Hallo. Ich kann dem Artikel nur zu 100% zustimmen! Man kann nur wünschen und hoffen, dass die vielen Petitionen und sonstigen Aktionen gegen diese schallende Ohrfeige für alle beschriebenen Menschen noch etwas bewirken. Ich habe auch viele Briefe geschrieben...an die Dreyer oder die Parteien in RLP. Die Antworten ähneln sich alle... mit Verweis auf die Grundsicherung wäre das Hilfsprogramm doch richtig gut und fair! Wo leben die? Wissen die, wie Kultur funktioniert? Können die mit dem Begriff Empathie auch nur ansatzweise etwas verbinden? Ich könnte Stunden weiter schreiben. Im Endeffekt bleibt als letztes Mittel nur, eine riesige Demonstration auf die Strasse zu bringen... oder bei allen zukünftigen Events der Politik die Stecker ziehen... einfach unmöglich, was passiert! Liebe Grüße und frohe Ostern.
#2 von Joachim Dettenberg, am 13.04.2020 um 18:53 Uhr
Danke Roberto für diesen Bericht und dein Engagement. Ich selbst habe bereits auch an alle Kommunalpolitiker, die ich persönlich kenne in RLP geschrieben und Feedbacks erhalten. Mehr oder weniger gehaltvolle.....aber es geht genau um das was du hier auf den Punkt bringst. Ich hoffe Frau Dreyer als Ministerpräsidentin bekommt dieses Mal Schwung in die Bude in Mainz und zeigt sich "erkenntlich" bei jenen die Kultur schaffen und betreiben. Sonst sind wir wieder einmal in der Geschichte doch nur der "Bajazo".

#1 von irma stanton, am 13.04.2020 um 18:53 Uhr

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