Werbung

Nachricht vom 07.04.2020    

Wie sieht die aktuelle Situation in Pflege- und Seniorenheimen aus?

Von Wolfgang Tischler

INTERVIEW | Auch in unserer Region steigen die offiziell gemeldeten Fallzahlen des neuartigen Coronavirus täglich weiter an. Bund und Länder haben ein umfangreiches Kontaktverbot für Seniorenheime erlassen. Welche Auswirkungen hat dies auf die Bewohner und Pflegekräfte?

Fachmann Sven Lefkowitz im Telefoninterview. Foto: privat

Region. Ein kompetenter Gesprächspartner ist der Landtagsabgeordnete Sven Lefkowitz, der bis Mitte letzten Jahres die Senioren-Residenz Sankt Antonius in Linz/Rhein geleitet hat und in Mainz unter anderem ordentliches Mitglied im Ausschuss für Soziales und Arbeit ist.

Sven, was hat dich bewogen in der jetzigen Situation bei deinem alten Arbeitgeber auszuhelfen?
Sven Lefkowitz:
Bei mir waren, wie bei vielen Mitmenschen, Termine weggefallen und ich habe überlegt, wie ich diese gewonnene Zeit sinnvoll nutzen kann. Also machte ich ein Angebot dort, wo ich mich gut auskenne, in der Pflege. Da ich von meiner ehemaligen Stelle in Linz im Guten gewechselt habe, war ich in Linz zur Aushilfe willkommen. Bislang habe ich dort fünf Tage in der Verwaltung und drei Tage in der Pflege gearbeitet. Es war für mich auch interessante Erfahrung, wieder als normaler Mitarbeiter und nicht als Vorgesetzter zu arbeiten.

Wie nehmen die Bewohner des Heimes die Kontaktsperren auf und wie gehen sie damit um?
Sven Lefkowitz:
Die Kontaktsperren waren richtig und wichtig, denn es gab einige Angehörige, die es nicht verstehen wollten und sich nicht an die Regeln hielten. Hier hatte ich aus verschiedenen Einrichtungen im Kreis entsprechende Meldungen erhalten. Die Bewohner empfinden es ganz unterschiedlich, je nach Grad der Orientierung. Die Beschäftigten und besonders die Betreuungsmitarbeiter müssen nun für Abwechslung sorgen, was bislang zum Teil die Angehörigen gemacht haben. Auch innerhalb der Pflegeeinrichtungen gibt es nun für Mitarbeiter und Bewohner eine konsequente Trennung nach Wohnbereichen. Diese neue Situation fordert alle Beteiligten. Die Bewohner haben für die außergewöhnliche Situation viel Verständnis.

Welche besonderen Herausforderungen hat das Personal in der Krise?
Sven Lefkowitz:
Es ist die derzeitige Unsicherheit, ob und wann der Virus auf die Einrichtung übergreift. Ein bestimmendes Thema ist die Schutzausrüstung. Ist genug Material vorhanden, bekommen wir rechtzeitig Nachschub? Hinzu kommt, dass derzeit eine große Anzahl von Fake News die Runde macht, die aus nicht seriösen Quellen kommen und zur Verunsicherung des Personals beitragen. Mit einem Satz zusammengefasst: Es ist wie die Ruhe vor dem Sturm.

Wie halten die Angehörigen noch Kontakt?
Sven Lefkowitz:
Vorab muss ich sagen, dass die Angehörigen sich in Linz vorbildlich verhalten. In der jetzigen schweren Zeit ist die Digitalisierung auch für unsere älteren Mitmenschen ein Segen. Mit Unterstützung der Betreuungsmitarbeiter gibt es Videotelefonie oder Bildkontakt über Tablets. Kleine Videos werden geschickt. Es gibt Mails von Angehörigen, die ankommen und den Bewohnern vorgelesen oder für sie ausgedruckt werden. Da ist ja auch noch der klassische Brief, mit dem dann auch Fotos und selbst gemalte Bilder von Enkeln ankommen. Das Schöne ist, nicht nur Verwandte und Bekannte schreiben, nein, es kommen auch Briefe von wildfremden Menschen, die Mut machen wollen. Es ist schwierig, aber die Kreativität überwindet die Grenzen.

Wenn du einen Wunsch in der jetzigen Situation äußern könntest, wie würde er lauten?
Sven Lefkowitz:
Gemeinsam durchhalten, solange es notwendig ist. Nicht, dass wir durch zu schnelle Lockerungen einen neuen stärkeren Krankheitsausbruch haben und alles Bisherige umsonst war. Also das soziale und wirtschaftliche Leben sehr kontrolliert wieder anfahren. Mein innigster Wunsch ist, dass die Pandemie aus den Einrichtungen fernbleibt.

Sven wir danken dir für das Telefongespräch.
Das Gespräch wurde von Wolfgang Tischler geführt.


Jetzt Fan der NR-Kurier.de Lokalausgabe Neuwied auf Facebook werden!


Kommentare zu: Wie sieht die aktuelle Situation in Pflege- und Seniorenheimen aus?

Es sind leider keine Kommentare vorhanden

Anmeldung zum WW-Kurier Newsletter


Mit unserem kostenlosen Newsletter erhalten Sie täglich einen Überblick über die aktuellen Nachrichten aus dem Westerwaldkreis.

Beliebte Artikel beim WW-Kurier


Corona im Westerwaldkreis: 75 neue Fälle am Wochenende

Das Gesundheitsamt Montabaur meldet am heutigen Sonntag (24. Januar) insgesamt 3.896 (+75) bestätigte Corona-Fälle von Samstag und Sonntag. Der Westerwaldkreis verzeichnet aktuell 228 aktiv Infizierte. Der aktuelle Inzidenzwert liegt laut Land bei 79,2.


Friseur- und Kosmetikbranche sendet Hilfeschrei an Malu Dreyer

Der seit Herbst letzten Jahres andauernde Lockdown für Friseure und Kosmetiker führt aktuell zunehmend zu akuten Notsituationen für viele Unternehmen und auch für viele Betriebsinhaber/Innen aus der Branche.


Region, Artikel vom 24.01.2021

Unfallflucht durch 92-jährigen PKW-Fahrer

Unfallflucht durch 92-jährigen PKW-Fahrer

Die Polizei sucht nach einer Unfallstelle, an der der PKW eines alten Herrn mit einer Mauer oder einem anderen Objekt im Straßenbereich kollidierte. Der Unfall ereignete sich wahrscheinlich innerhalb der Verbandsgemeinde Wirges.


Region, Artikel vom 22.01.2021

Winter kommt am Wochenende zurück

Winter kommt am Wochenende zurück

Nachdem es im Laufe dieser Woche zum Teil frühlingshafte Temperaturen gegeben hat, kehrt am Wochenende der Winter zurück. Am Sonntag gibt es Schnee bis in tiefere Lagen.


Region, Artikel vom 24.01.2021

Drei fahruntüchtige Fahrer auf A 3 gestoppt

Drei fahruntüchtige Fahrer auf A 3 gestoppt

Im Zuständigkeitsbereich der Polizeiautobahnstation Montabaur konnten in der Zeit vom 22. Januar bis 24. Januar 2021 insgesamt drei Fahrten mit fahruntüchtigen Fahrern festgestellt werden.




Aktuelle Artikel aus der Region


Corona im Westerwaldkreis: 75 neue Fälle am Wochenende

Montabaur. Bisher wurden im Impfzentrum Hachenburg 2.637 Stand 23. Januar) Westerwälder geimpft. Hier gibt es alle wissenswerten ...

Neue Trainingsanzüge für Freiwillige Feuerwehr Herschbach

Herschbach/Oww. Daher bedarf es neben der feuerwehrtechnischen Ausbildung auch eines regelmäßigen, sportlichen Trainings. ...

Unfallflucht durch 92-jährigen PKW-Fahrer

Ebernhahn. Am 23. Januar 2021, im Laufe des späten Abends, wurde in der Ortslage Ebernhahn ein 92-jähriger Fahrzeugführer ...

Drei fahruntüchtige Fahrer auf A 3 gestoppt

Montabaur. Am Freitagmittag wurden bei einem PKW-Fahrer drogentypische Auffälligkeiten festgestellt. Ein Drogenvortest bei ...

Nicole nörgelt - …über die morbide Lust am Trash

Region. Diese morbide Lust, dabei zuzusehen, wie sich abgehalfterte Halbberühmtheiten von anno dazumal zurück ins Rampenlicht ...

Väter dürfen wieder in den Kreißsaal

Limburg. Werdende Väter sind ab Montag, 25. Januar 2021, wieder im Kreißsaal des St. Vincenz-Krankenhauses zugelassen. „Wir ...

Weitere Artikel


Klara trotzt Corona, X. Folge

Kölbingen. Folge X vom 7. März
Seit zwei Stunden hatte der Pfarrer Klara nicht gesehen. Weit konnte sie nicht sein, sie ...

Nachhaltige Aktion der Genossenschaftsbank heute wichtiger denn je

Hachenburg. Das Projekt wurde zur Herzenssache. „Wir agieren regional im Westerwald. Auch deshalb möchten wir nachhaltige ...

Kein Anspruch eines Lehrers auf Beseitigung von Fotos aus Schuljahrbuch

Koblenz. Der Kläger ist Studienrat im rheinland-pfälzischen Schuldienst. Bei einem Fototermin in der Schule ließ er sich ...

DRK Krankenhaus auf Corona-Krise gut vorbereitet

Hachenburg. Dazu gehört auch ein regelmäßiger Austausch mit den Gesundheitsämtern, Landkreisen und dem Gesundheitsministerium ...

Stillstand in der Hausinstallation gefährdet die Trinkwasserhygiene in Gebäuden

Hachenburg. Als örtlicher Wasserversorger appellieren die Verbandsgemeindewerke Hachenburg, Betriebszweig Wasserwerk an ...

In der Nacht zu Mittwoch in den Supermond schauen

Region. Supermond klingt magisch. Doch der Begriff beschreibt umgangssprachlich den Zeitpunkt, wenn ein Vollmond der Erde ...

Werbung