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Nachricht vom 06.04.2020    

Klara trotzt Corona, IX. Teil

GASTBEITRAG | Die Autoren Christiane Fuckert und Christoph Kloft verfassen täglich neue Episoden, mit denen die Leser in dieser schweren Zeit am Alltag von Klara Schrupp und Pfarrer van Kerkhof teilhaben können. Die Autoren der Limburg-Krimis um die schrullige Haushälterin und ihren gutmütigen Chef, möchten damit etwas Trost, Unterhaltung und hin und wieder vielleicht sogar ein Lächeln schenken, wenn Sie sehen, wie Klara und van Kerkhof ihren Alltag bewältigen. Die Limburger Pfarrhausermittler lassen sich nicht unterkriegen.

Symbolfoto

Kölbingen. IX. Folge vom 6. April
Der Pfarrer saß an seinem Schreibtisch und heftete den Schriftverkehr der vergangenen Wochen ab. Da seine Sekretärin zurzeit nicht ins Pfarrhaus kam – so hatten sie alle gemeinsam entschieden –, erledigte er jetzt die Ablage selbst.

„Herr Pfarrer?“, drang Klaras Stimme aus der Küche zu ihm ins Büro. „Ja, Klara, was gibt es denn?“ „Wenn Sie unseren Kater in den Garten lassen, könnten Sie bei der Gelegenheit auch gleich ein paar Zweige vom Forsythienstrauch mit reinbringen.“

Van Kerkhof seufzte leise und murmelte vor sich hin: „Ach, ich will in den Garten? Nun, dann weiß ich es ja jetzt.“ Er erhob sich und rief: „Komm, Willi, wir gehen mal raus.“ Sofort erschien der junge graugetigerte Kater, der mittlerweile dem Stimmfall seiner Halter schon recht gut entnehmen konnte, was angesagt war.

„Hier, nehmen Sie die Gartenschere mit!“ Klaras Hand streckte ihm das Schneidegerät im Vorbeigehen durch die Küchentür entgegen. „Jetzt haben wir schon mal die wichtigste Woche im Kirchenjahr und sitzen nur untätig hier herum, da darf es ruhig ein bisschen schön geschmückt sein. Die Eier habe ich ausgeblasen und gefärbt, die hängen wir dann an die Zweige. - Vier bis fünf Äste brauche ich.“

Das war eine klare Ansage. Der Pfarrer trat durch die Terrassentür hinaus in den Garten, und sogleich entleerte sich das Tier an seiner gewohnten Stelle. Während van Kerkhof die zart auflebende Natur um sich her betrachtete, wurde ihm etwas wehmütig ums Herz. Es war wirklich alles sehr schlimm und traurig zurzeit.

Wie gut, dass sie am Palmsonntag den Gottesdienst ihres Bischofs Georg Bätzing im Internet hatten verfolgen können, gemeinsam mit achthundert weiteren Menschen, wie die Zahlen auf dem Bildschirm zeitgleich angezeigt hatten. Klara und er hatten in seinem Büro vor dem Computer gesessen, und Klara war ganz ergriffen von den Worten des Bischofs gewesen, von seinem einsamen Gesang und der feierlich ruhigen Atmosphäre, die ihn umgeben hatte. Und nun stand schon der Gründonnerstag vor der Tür, man feierte das Letzte Abendmahl Jesu, und wieder blieb ihnen nichts anderes übrig, als zuhause zu bleiben. Wie sehr ihm das Gemeindeleben doch fehlte.

„Wo bleiben Sie denn?“, rief Klara ungeduldig im Hintergrund. „Wenn ich mich nicht um alles kümmern würde, wäre es richtig trostlos im Haus!“ „Sofort, meine Liebe!“, rief er zurück. Dann fiel ihm etwas ein. Wie gut, dass er gerade jetzt daran dachte. Klara würde sich noch einen Moment gedulden müssen.

Er trat durch das Gartentürchen zum Hintereingang der Kirche und holte etwas hervor, das er dort gut verborgen in einer sonnigen Ecke gelagert hatte. Damit trat er den Rückweg ins Haus an. „Hier, liebe Klara, die Forsythien.“

„Und was verstecken Sie da hinter Ihrem Rücken? Ich hoffe doch nicht, dass es sich um Naschzeug handelt und Sie die Fastenzeit brechen?“ Mit einem langen Schritt versuchte sie, ihren Chef zu umkreisen, doch der drehte sich gleichzeitig mit und amüsierte sich über Klaras ratlose Miene. Ihre ausgeprägte Neugierde stand ihr oftmals selbst im Weg, besonders wenn es um ihr Fürsorgesyndrom ging, wie er Klaras Ängste um seine Gesundheit im Stillen bezeichnete.

„Dann schauen Sie, meine Liebe, was auch ich zur festlichen Atmosphäre in unseren Wänden beitragen möchte.“ Und er reichte ihr sein heimlich gezüchtetes Geschenk. Klara wurde augenblicklich feuerrot im Gesicht und die Freudentränen schossen ihr aus den Augen. „Ein Körbchen mit Blumen!“, stieß sie ergriffen aus. „Aus Ihren Zwiebeln! Hyazinthen und Narzissen … und wie heißt das hier?“ Ihr Finger deutete auf die kleinen blaue Blüten, die sich zwischen dem leuchtenden Gelb und Rosa ausbreiteten. „Das sind Traubenhyazinthen“, sagte van Kerkhof, wiederum erfreut über die Freude seiner Haushälterin.

„Nein, so was Schönes aber auch!“ Klaras Begeisterung ähnelte der, die sie an Weihnachten vor zwei Jahren zuletzt gezeigt hatte, als er ihr den damals winzigen Kater geschenkt hatte. „Das stellen wir in der Küche auf die Fensterbank! Nein, also wirklich, der Mann ist ja wahrhaftig noch für Überraschungen gut!“ Fort war sie, mitsamt dem Blumenkorb.

Der Duft der Hyazinthen breitete sich schnell in der ganzen Küche aus. „Was haben wir es so gut“, stellte Klara beim Abendessen mit Blick auf das Blumenkörbchen fest. „Und da gibt es gerade im Moment so viele Menschen, die so krank sind, und wieder andere, die sich kümmern und so hart arbeiten, überall auf der Welt. Könnten wir nicht auch etwas Gutes für andere tun? Ich meine, als Erntehelfer taugen wir ja wohl nicht mehr.“ Eine Weile kaute sie schweigend. Plötzlich sprudelte es aus ihr heraus. „Ich hab's! Wir könnten doch ein Sorgentelefon einrichten. Ich meine damit nicht unser Pfarrhaustelefon alleine. Es gibt so viel Leid und Ratlosigkeit zurzeit. Die könnten es in der Zeitung veröffentlichen, Sie wissen doch, was ich jetzt meine …“

Der Pfarrer nickte. „Sie wollen damit sagen, dass jemand hier auch außer der normalen kirchlichen Seelsorge um Rat und Zuspruch anrufen kann. Nun, das ist im Grunde ja das, was mein Amt beinhaltet, aber Sie meinen, wir sollten gerade jetzt noch einmal betont darauf hinweisen. So etwas wie die allgemeine Telefonseelsorge. Ein offenes Ohr für Notsituationen, einen Zuhörer für die Ängste und belastenden Dinge des Alltags.“
„Das meine ich! So ein Ohr hätte ich!“, bestätigte Klara eifrig. „Ich würde freiwillig den ganzen Tag am Telefon ...“

„Das überlassen Sie dann doch bitte mir, meine Liebe“, entschied van Kerkhof milde lächelnd, jedoch mit einer Konsequenz in der Stimme, die Klara einsichtig nicken ließ. „Von mir aus“, brummte sie, wurde aber umgehend wieder forsch. „Etwas könnten Sie aber trotzdem für mich tun. Ich würde gern vor Ostern noch meine Beichte ablegen.“

„Aber gerne, Klara, ich habe immer ein offenes Ohr für Sie.“ „Phh, doch nicht bei Ihnen! Sie glauben ja nicht, dass ich Ihnen meine Geheimnisse anvertraue! Nein, Sie können für mich rauskriegen, wohin ich mich da wenden muss.“ Herausfordernd trommelte sie mit zwei Fingern auf dem Tisch.

„Dann schlage ich vor, Sie verschieben es auf die Zeit nach Corona“, sagte der Pfarrer. „So schlimm werden Ihre Sünden schon nicht sein.“ „Aber Ostern ohne Beichte ist wie … “ „Der liebe Gott wird das verstehen, meine Liebe. Er will ganz bestimmt nicht, dass Sie sich unnötig in Gefahr bringen. Und wie gesagt: Ich bin zur Not ja auch noch da!“

Klara schüttelte vehement den Kopf: „Da müsste ich wirklich schon viel verbrochen haben! Dann würde ich's noch lieber meinem neuen Blumenkorb erzählen! Und damit basta!“ Sie machte eine energische Handbewegung, die van Kerkhof zeigte, dass die Diskussion hiermit beendet war. (http://www.christoph-kloft.de)

Bisher erschienene Fortsetzungen:
Klara trotzt Corona, VIII. Teil
Klara trotzt Corona, VII. Teil
Klara trotzt Corona, VI. Teil
Die Limburger Pfarrhausermittler: Klara trotzt Corona, V. Teil
Die Limburger Pfarrhausermittler - Klara trotzt Corona, IV. Teil
Klara trotzt Corona, dritter Teil
Klara trotzt Corona, zweiter Teil
Klara Schrupp und Pfarrer van Kerkhof trotzen der Corona-Krise


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