Werbung

Nachricht vom 25.03.2020    

Auswirkungen der Corona-Krise auf den Mittelstand

Die IfM-Präsidentin und Uni Siegen-Professorin Dr. Friederike Welter begrüßt die beschlossenen Sofortmaßnahmen für mittelständische Unternehmen. Entscheidend für den Mittelstand sei die Dauer der wirtschaftlichen Einschränkungen.

(Symbolbild: Pixabay)

Siegen. „Die Bundesregierung hat in dieser schwierigen wirtschaftlichen Phase mit ihren umfassenden Unterstützungsmaßnahmen sowohl für die Großkonzerne als auch für den Mittelstand ein sehr positives Zeichen gesetzt. Es ist zudem gut, dass sie auch die Solo-Selbstständigen im Blick hat“, erklärt Prof. Dr. Friederike Welter, Präsidentin des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn, die zugleich an der Universität Siegen die Professur für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Management kleiner und mittlerer Unternehmen und Entrepreneurship innehat. Gleichwohl sei es aktuell schwer abzuschätzen, wie lange die Krise aufgrund der Coronavirus-Pandemie andauert. Mit WissenschaftlerInnen am IfM hat Prof. Welter die Ausgangssituation im Mittelstand vor Beginn der Krise sowie zwei verschiedene zeitliche Krisenszenarien betrachtet, um die wirtschaftlichen Folgen für und auf die Unternehmen besser einschätzen zu können.

Bis zum Ausbruch der Covid-19-Pandemie Anfang März in Deutschland war die Eigenkapitalquote der meisten kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) dank der guten Gewinnsituation in den vergangenen Jahren deutlich besser, als zu Beginn der Finanzkrise in 2008/2009, konstatieren die WissenschaftlerInnen. In 2017 lag die Eigenkapitalquote bei 29 % und damit nahezu gleichauf wie die von großen Unternehmen (32 %). „Dank starker Zuwachsraten in den vergangenen Jahren weisen auch die Kleinstunternehmen im Durchschnitt ähnlich hohe Eigenkapitalquoten auf wie große Unternehmen. Jedoch ist der Anteil der Kleinstunternehmen, die überhaupt kein Eigenkapital bilanziell ausweisen deutlich höher als bei größeren Unternehmen. So verfügt rund jedes vierte Unternehmen – also etwa 770.000 Unternehmen mit einem Jahresumsatz zwischen 17.500 Euro und maximal einer Million Euro –sogar über kein Eigenkapital. Für sie ist aktuell die Gefahr einer Liquidation deutlich höher, als für die größeren Unternehmen", berichtet Prof. Friederike Welter. Von den knapp 340.000 Unternehmen im Einzelhandel mit einem Umsatz zwischen 17.500 Euro und maximal einer Million Euro gelte dies schätzungsweise für 110.000 Unternehmen.

Maßnahmen der Bundesregierung sorgen für kurzfristige Entlastung
Maßnahmen der Bundesregierung wie Kurzarbeit oder die angekündigten Kredithilfen bieten den ArbeitgeberInnen zunächst Entlastung. Eine besondere Bedeutung komme jedoch dem Soforthilfe-Fonds für Solo-Selbstständige und Kleinstbetriebe zu, der abgestufte Einmalzahlungen für eine Überbrückung von drei bis maximal fünf Monaten vorsieht, sagt Welter: „Bei den meisten mittelständischen Unternehmen dürfte eine kurzfristige Krise nicht unbedingt gleich zur Liquidation führen. Anders könnte sich das für Kleinstunternehmen und Wirtschaftszweige ohne digitalisierbare Dienstleistungen oder Vermarktungswege darstellen, etwa in der Kultur-, Unterhaltungs- und Freizeitwirtschaft, im Tourismus- und Gaststättengewerbe. In diesen Bereichen lassen sich die ausgefallenen Umsätze nach Abflauen der Krise nicht nachholen. Wir empfehlen daher eine Abstufung der Hilfen in Abhängigkeit davon, wie stark die jeweiligen Branchen von der Krise betroffen sind." Auch habe sich die Grundsicherung in der Vergangenheit grundsätzlich als Instrument zur Überwindung kurzfristiger Unternehmenskrisen bewährt. Bislang war die Gewährung der Hilfe allerdings an eine Vermögensprüfung geknüpft, was im Zuge der aktuellen Maßnahmen nun offenkundig ausgesetzt wird.

Dauert der Stillstand länger als 6 Monate an, ist nach Einschätzung der IfM-WissenschaftlerInnen nicht nur mit einer höheren Anzahl an Liquidationen zu rechnen, sondern auch mit einem Übergreifen der negativen wirtschaftlichen Folgen auf weitere mittelständische Wirtschaftsbereiche sowie auf die Zulieferer. Die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht für die Unternehmen sei daher zu begrüßen. Zugleich weisen die WissenschaftlerInnen daraufhin, dass das Schutzschirmverfahren im Insolvenzrecht auch eine Chance zur Krisenlösung biete. (PM)

Lesen Sie auch:
IHK und HwK bieten umfangreiche Informationen für Unternehmen



Kommentare zu: Auswirkungen der Corona-Krise auf den Mittelstand

Es sind leider keine Kommentare vorhanden

Anmeldung zum WW-Kurier Newsletter


Mit unserem kostenlosen Newsletter erhalten Sie täglich einen Überblick über die aktuellen Nachrichten aus dem Westerwaldkreis.

Beliebte Artikel beim WW-Kurier


Region, Artikel vom 03.03.2021

Corona im Westerwaldkreis: Inzidenzwert stabil

Corona im Westerwaldkreis: Inzidenzwert stabil

Das Gesundheitsamt Montabaur meldet am Mittwoch, den 3. März insgesamt 4.549 (+24) bestätigte Corona-Fälle. Der Westerwaldkreis verzeichnet aktuell 181 aktiv Infizierte.


Corona im Westerwaldkreis: 24 neue Fälle gemeldet

Das Gesundheitsamt Montabaur meldet am Mittwoch, den 3. März insgesamt 4.549 (+24) bestätigte Corona-Fälle. Der Westerwaldkreis verzeichnet aktuell 193 aktiv Infizierte.


Region, Artikel vom 04.03.2021

D-Haus in Altstadt hat weitere Zukunft

D-Haus in Altstadt hat weitere Zukunft

Kaum eine andere zum Kauf angebotene Immobilie in Hachenburg hat in den vergangenen Monaten die Gemüter so erhitzt, wie das zentral gelegene Gasthaus "Deutsches Haus", das als D-Haus über die Grenzen Hachenburgs hinaus bekannt war.


Rossmann-Filiale in Hachenburg brennt - Feuer unter Kontrolle

VIDEO | AKTUALISIERT Für die Feuerwehren der VG Hachenburg gab es am heutigen Dienstagabend (2. März 2021) gegen 20.25 Uhr Alarm. Gemeldet war ein Brand in der Drogerie Rossmann in der Saynstraße.


Region, Artikel vom 04.03.2021

Lockdown - so geht es in Rheinland-Pfalz weiter

Lockdown - so geht es in Rheinland-Pfalz weiter

Mit Testen und Impfen in behutsamen Schritten aus dem Lockdown ist die Strategie der Landesregierung Rheinland-Pfalz. Dies erläuterte Ministerpräsidentin Malu Dreyer in der heutigen Pressekonferenz.




Aktuelle Artikel aus der Wirtschaft


EVM stellt an Tankstellen auf Biogas um

Koblenz. Tanken Fahrer an den Erdgastankstellen der Energieversorgung Mittelrhein (evm), fahren sie sogar nahezu klimaneutral. ...

Sonne beschert ein gutes Energiejahr

Koblenz. Das vergangene Jahr war außergewöhnlich sonnenreich. Das macht sich auch beim Ertrag der Solarparks bemerkbar. Die ...

Frische Brötchen gibt’s weiterhin im Zentrum

Hachenburg. Das Warenangebot der Einkaufsstadt Hachenburg hat sich schwerpunktmäßig - wie in vergleichbaren Nachbarstädten ...

Steuerliche Erstberatung für Existenzgründer

Montabaur. Beispielsweise sollte ein Gründer wissen, welche Steuern wann gezahlt werden müssen und wie die Zusammenarbeit ...

Positive Ausbildungsbilanz 2020 trotz Corona-Krise

Koblenz. „Dank der gemeinsamen Anstrengungen von Betrieben, Innungen, der Handwerkskammer Koblenz in Zusammenarbeit mit der ...

Personalentwicklung und Rohstoff sind Herausforderungen der Zukunft

Montabaur. Eines dieser Unternehmen ist die hapack Verpackungsmittel GmbH & Co KG - Entwicklung und Produktion von Holzpackmitteln ...

Weitere Artikel


Abituria 2020 an der IGS Selters

Selters. Mit viel Distanz zueinander bestanden folgende Abiturienten in diesem Jahr das Abitur an der IGS Selters:
Aller, ...

Energieversorgung in Zeiten von Corona: Digitalisierung hilft

Koblenz. Energie liefert das Unternehmen so zuverlässig wie seit 134 Jahren. „Dank der Digitalisierung konnten wir sehr schnell ...

Noch mehr Online in der IHK-Akademie Koblenz

Koblenz. Ganz konkret bedeutet dies, dass auch bereits gestartete Präsenzlehrgänge online weitergeführt werden. Die Prüfungsvorbereitungskurse ...

Warum wird Klopapier gehamstert?

Region. Fast jeder von uns hat in den letzten Wochen die Erfahrung machen müssen, vor leeren Regalen zu stehen. Nicht nur ...

840.000 Euro für Kreisstraßen im Westerwaldkreis

Region. Es handelt sich dabei und folgende Ausbauabschnitte:
- K 90 zwischen Guckheim und Sainscheid (rund 1,0 Kilometer, ...

Veranstaltungen der Hospizdienste Limburg fallen aus

Limburg. Die Hospizdienste bieten Zu- und Angehörigen von Schwerstkranken telefonische Beratungen und - soweit das überhaupt ...

Werbung