Werbung

Nachricht vom 08.03.2020    

Buchtipp: „Welt der Kobolde – Neue Abenteuer“ von Karin Klasen

Von Helmi Tischler-Venter

Die Kobolde aus Koboldend sind wieder in Abenteuer verstrickt: Nasefried, sein Freund Ohrefried, die Littlefrieds, der Schusterfried und auch der Gedankenspringer Bennfried sind unterwegs auf ihren Gedankenreisen, Wanderungen oder in ihrem Geheimversteck, dem Möckili im Koboldwald. Autorin Karin Klasen aus Wirscheid behandelt in ihren Kobold-Geschichten Themen wie Freundschaft, Schule und Vertrauen.

Buchtitel. Fotos: Verlag

Dierdorf/Wirscheid. In liebevoller Weise werden die Protagonisten, die umgebende Natur, Mitbewohner und Nachbarn geschildert: Sehr sympathisch beschreibt Ohrefried seine Probleme mit dem Lernen: „Mein Kopf hat manchmal Lieferschwierigkeiten mit dem Gedankennachschub. Oft genug sitzt jemand in mir drin, der mir sogar `nen Vogel zeigt, wenn du verstehst, was ich meine.“ Auf der Suche nach den grau-braunen „Trapplern“, den Waldmäusen, stellt Nasefried erstaunt fest: Hey, Ohrefried, ich dachte, dass es bei uns daheim schon wuselig ist. Mir scheint, dass es hier geradezu chaotisch zugeht.“

Karin Klasen lässt wortmalerisch Bilder erstehen, die es unglaublich erscheinen lassen, dass die Autorin blind ist: „Draußen regiert, wie schon seit Tagen, der Regen. Eine geheimnisvolle Dämmerung begleitet ihn. Ein Spinnennetz aus Wasserrinnen ist dabei, den Dorfplatz zu umzingeln.“ Das führt die Kobolde zu der Frage, wie die Wolken entstehen. Natürlich weiß Schlaufried die Antwort: „Also, winzig kleine Teile wie zum Beispiel Staubkörner braucht es zunächst einmal. Um die herum bilden sich noch winzigere Tröpfchen.“ In kindgerechter Weise schildert er die Wetterphänomene.

Im Kontakt mit anderen Waldbewohnern lernen die Kleinen, dass es außer Reden noch andere Möglichkeiten des sich Erzählens und Zuhörens gibt. „Zeichen, die keiner Worte bedürfen“ wie das Flügelschlagen eines Schmetterlings. Beim Umherstreifen im Wald begegnen sie zum Beispiel Waschbären, Stinktieren und Füchsen, alle Begegnungen bringen auch wissenschaftliche Erkenntnisse.

Da die Kobolde Gedankenreisen unternehmen können, verlassen sie des Öfteren ihren Lebensraum Wald. „Slagroomsnoepjes“ lässt die erstaunten Kobolde in das holländische Flachland reisen, in dem sie Blumenfelder und Windmühlen sehen und eine sehr lustige Sprache hören. Bei der Reise zu den Langnasen in Afrika, erfahren sie, dass Elefanten ständig mit den Ohren wedeln, weil sie nicht schwitzen können. In Australien treffen sie Kängurus mit stabilen Schwänzen und Beuteln am Bauch.

In Schusterfrieds Märchenerzählungen gibt es eine geheimnisvolle Welt mit Einhörnern, die Schlechtes in Gutes verwandeln können und beim Davonrasen einen Schweif aus hunderten von Sternen hinter sich her ziehen.

Klasen lässt auch schwierige Themen wie Angst und Tod nicht aus. Einfühlsam erfahren die Protagonisten in „Die letzte Reise“, dass die Großmutter gestorben ist: „Kein Laut ist zu hören, nur der Regen rauscht unablässig. In der Stunde, als sich Tag und Nacht begegnen, wenn es weder hell noch dunkel ist, beginnt der Regen nachzulassen und die Wolken verschwinden. In diesem Halbdunkel ertönt die Stimme des Nachtwächterfrieds. Mit einem speziellen Singsang ruft er alle Koboldender zum Haus des alten Muttchens im Heckenweg. Noch erhellt Mondlicht die dahineilenden Gestalten. Diese Nacht ist nicht spurlos vorübergegangen. Das Koboldmuttchen hat vor einer Stunde für immer ihre gold-braunen Augen geschlossen. Obwohl sie schon sehr alt war, umarmt Traurigkeit die Koboldgemeinschaft, besonders Littlefried Neun, dessen Großmutter sie war.“ Zum feierlichen Schweigen gibt es zunächst einmal Preiselbeertee. Dann tröstet Ohrefried den vor Trauer zitternden Neun: „Sieh mal, es macht einen Riesenunterschied, ob jemand gelebt hat oder nicht. Ohne das Muttchen gäbe es weder deine Mama noch dich. Stell dir vor, ohne ihr Rezept könnte unsere Kobold-Omi kein einziges Sahnebonbon zubereiten! ..,Ich für meinen Teil werde immer an sie denken, wenn ich welche lutsche.“ Und da Nummer Neun unsicher ist, wie man richtig trauert, erzählt Ohrefried von seiner Art der Trauerbewältigung und bestärkt Neun: „Wie du mit deiner Traurigkeit umgehen kannst, wirst nur du herausfinden, niemand anders! Das wäre ja noch schöner! Das eigentlich Wichtige ist, dass du deinen eigenen Weg findest.“

In einer anderen Geschichte stellt sich ein mutterloses Mädchen vor, dass die Polarlichter am Himmel tanzende Feen sind, die Kinder trösten wollen. Seine Oma meint: „Natürlich nennt man die Naturerscheinungen Polarlichter, aber eben auch tanzende Feen! Besonders Minikobis und Littlefrieds dürfen sich aussuchen, was sie glauben wollen oder nicht.“

Unter jeder der 22 Erzählungen ist ein kleines Schwarz-Weiß-Bild abgedruckt. Am Ende verabschiedet sich die Autorin aus der Welt der Kobolde. Das Buch ist geeignet zum Vorlesen, Kuscheln und miteinander Reden über die Kobolde und ihre erkenntnisreichen Abenteuer. Erschienen ist der Band bei: Edition Paashaas Verlag, ISBN 978-3-96174-054-3. htv


Jetzt Fan der NR-Kurier.de Lokalausgabe Dierdorf auf Facebook werden!

Weitere Bilder (für eine größere Ansicht klicken Sie bitte auf eines der Bilder):
 


Kommentare zu: Buchtipp: „Welt der Kobolde – Neue Abenteuer“ von Karin Klasen

1 Kommentar

Liebe Frau Tischler-Venter
Mit großer Freude habe ich Ihre einfühlsame Rezension für eines meiner Bücher gelesen. Ich bedanke mich herzlich, dass Sie sich die Zeit dafür genommen haben. Autoren, die keinen bekannten Namen tragen, haben es schwer in der literarischen Welt Fuß zu fassen. Da ist es umso besser, wenn sie sich so wie auch ich, ihrem liebsten Hobby, dem Schreiben, einfach hingeben. Können Sie sich vorstellen, wie schnell dabei die Stunden vergehen? Hin und wieder muss sogar mein Mann das Kochen übernehmen.
Ich wünsche Ihnen und Ihrem Team weiterhin viel Freude bei Ihrer schönen Arbeit.
Sonnige Grüße aus Wirscheid
Karin Klasen
#1 von Karin Klasen, am 09.03.2020 um 12:47 Uhr

Beliebte Artikel beim WW-Kurier


Dritter bestätigter Todesfall durch Corona im Westerwaldkreis

Wie das Kreisgesundheitsamt am gestrigen späten Abend (31. März) erfuhr, gibt es im Westerwaldkreis einen dritten Todesfall zu beklagen. Ansonsten gehen die Zahlen weiter nach oben. In der VG Selters ist der Anstieg besonders stark. Dort gibt es mittlerweile 26 Infizierte. Im gesamten Westerwaldkreis sind es 178.


Vorarbeiten für das Verbandsgemeindehaus starten planmäßig

Es ist kein Aprilscherz und dennoch in Zeiten der Corona-Krise eine Nachricht, die aus dem Rahmen fällt: Planmäßig ab 1. April wird die Baustelle für das neue Verbandsgemeindehaus am Gerberhof in Montabaur eingerichtet, am 7. April beginnen die ersten Tiefbauarbeiten. Dabei handelt es sich zunächst noch um Vorbereitungen, denn vor dem eigentlichen Baubeginn muss das Grundstück mit einer unterirdischen Stützwand abgesichert werden. Was tatsächlich noch Vorarbeiten sind, wird schon eine geschäftige Baustelle sein, denn mächtige Erdbohrer, Bagger, Betonmischer, Kipplader und Menschen, die all diese Maschinen bewegen, kommen zum Einsatz.


Region, Artikel vom 31.03.2020

Corona: 160 bestätigte Fälle im Westerwaldkreis

Corona: 160 bestätigte Fälle im Westerwaldkreis

Die Kreisverwaltung Montabaur meldet 160 bestätigte Fälle im Westerwaldkreis am Dienstagabend (31. März). Bei der Anzahl der bestätigten Fälle gilt es zu beachten, dass diese Zahlen alle Infizierten seit Beginn der Testungen am 9. März umfassen und auch bereits genesene Personen beinhalten.


Wirtschaft, Artikel vom 01.04.2020

Engel leben mitten unter uns

Engel leben mitten unter uns

GASTBEITRAG | Die Corona-Pandemie schüttelt unser Leben kräftig durcheinander. Das hektische Treiben der Geschäftswelt hält inne und das bisher praktizierte Miteinander ist über Nacht ein Spielfeld der Individuen geworden. Da erscheinen plötzlich Menschen im Blickwinkel der Öffentlichkeit, die sonst in der Masse der Gesellschaft unbeachtet blieben.


Obermeister der Fleischerinnung Rhein-Westerwald appelliert

In den Medien wird im Zusammenhang mit der Corona-Krise immer wieder darauf hingewiesen, dass der Lebensmittelhandel weiterhin geöffnet bleibt. Nicht extra erwähnt wird das Nahrungsmittelhandwerk: Fleischerfachgeschäfte und auch Bäckereien in unserer Region. Viele Bürgerinnen und Bürger sind verunsichert, ob der Fleischer ihres Vertrauens noch geöffnet hat.




Aktuelle Artikel aus der Kultur


Klara trotzt Corona, VI. Teil

Folge VI vom 1. April
Kölbingen. Pfarrer van Kerkhof studierte die Zeitung und schüttelte den Kopf. Die Nachrichten aus ...

Die Limburger Pfarrhausermittler: Klara trotzt Corona, V. Teil

Folge V vom 31. März
Region. Aufgeregt kam Klara in van Kerkhofs Büro. „Herr Pfarrer, ich habe gerade mit Anni telefoniert. ...

„KULTUR ZU HAUS“: Live-Konzerte daheim erleben

Montabaur. „Wir richten den Blick nach vorn und lassen unsere Bürgerinnen und Bürger nicht allein“, sagt Stadtbürgermeisterin ...

Die Limburger Pfarrhausermittler - Klara trotzt Corona, IV. Teil

Kölbingen. Die Geräusche aus dem Innern waren leicht einzuordnen – durch Klaras leichte Schwerhörigkeit war der Fernsehapparat ...

Buchtipp: „Ich mach dir Betonschuhe“ von Roberto Capitoni

Koblenz/Dierdorf. Hauptfigur in der Geschichte ist Robertos Onkel Luigi aus Palermo, als Bühnenfigur bekannt und beliebt ...

2020: „Abitur der Tränen“

Bad Marienberg. 13 gemeinsame Jahre schweißen zusammen. Glückliche Momente mit Freudentränen und Tränen der Trauer, wenn ...

Weitere Artikel


Eröffnungsveranstaltung der 19. Westerwälder Literaturtage wird verschoben

Wissen. Veranstaltung wird aus gegebenem Anlass verschoben!

Dahls Ermittler wagen, wovor jeder andere Ermittler zurückschreckt: ...

Eisbären wollen Fanbus für Pokalhalbfinale einsetzen

Nentershausen. Aus diesem Grund wollen die Eisbären einen Bus einsetzen, wenn sich bis Freitag, 13. März, eine Mindestanzahl ...

NABU Hundsangen startet neues Wiesenprojekt

Hundsangen. Außerdem werden Rohbodenflächen und Erdwände als Brutmöglichkeiten für solitär lebende Wildbienen angelegt und ...

Früh im Jahr Markt des Werberings Hachenburg

Hachenburg. Folgende Programmpunkte sind in Vorbereitung:
Samstag:
- Autoschau Neumarkt und Bushalteplatz
- Frühlingsmarkt ...

Wie sich der ökologische Fußabdruck monetär bemerkbar macht – oder: Der Irrsinn mit der Bahn

Das Vorhaben war klar:
Den CO2 Ausstoß beim Reisen verringern, einmal nach Barcelona und einmal nach Berlin. Die Lösung ...

Biologe verlangt Umdenken in der Landwirtschaft

Selters. Wagners Untersuchungen zeigten, dass im konventionellen Obstanbau viel weniger Käfer zu finden sind als in Naturschutzgebieten. ...

Werbung