Werbung

Nachricht vom 08.03.2020    

Biologe verlangt Umdenken in der Landwirtschaft

Rund 100 Menschen drängten sich im Studio des Selterser Stadthauses, um einem Vortrag von Prof. Dr. Thomas Wagner über Insekten zuzuhören. Für einige Besucher blieben nur noch Sitzkissen am Boden oder Stehplätze übrig. Der wissenschaftliche Mitarbeiter der Zoologie an der Universität Koblenz-Landau, sprach in Selters auf Einladung des Forum Selters.

Prof. Dr. Thomas Wagner bei seinem Vortrag. Fotos: Agentur Media Schneider

Selters. Wagners Untersuchungen zeigten, dass im konventionellen Obstanbau viel weniger Käfer zu finden sind als in Naturschutzgebieten. Er präsentierte den erstaunten Besuchern den umfangreichen Spritzplan von Obstbauern und wies auf die Gefährlichkeit langanhaltender Gifte hin, die sich in der ganzen Pflanze verteilen, wie zum Beispiel der Wirkstoff Thiacloprid, der im Handelsprodukt Calypso enthalten ist.

Der Biologe warf der Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner vor, dass sie nicht wisse, was sie tue, wenn sie nur die Großbauern und die konventionelle Landwirtschaft unterstütze, sich aber nicht für Biobauern einsetze. „Die aktuelle Form der Landwirtschaft ist ein Kampf gegen die Natur“, resümierte der Wissenschaftler. Er zeigte Bilder von überdüngten und vergifteten Wiesen auf denen ein natürlicher Bewuchs nie mehr möglich sei. Die einzige Chance, dem zu entgehen sieht Wagner im Umsatteln auf biologischen Anbau.

Aber auch mit den privaten Gartenbesitzern ging der Zoologe ins Gericht, zeigte Bilder von „modernen Gartensünden“, wie Stein- und Koniferenwüsten und riet dazu, niemals Kirschlorbeer zu pflanzen weil er giftige Blausäure produziere: „Da ist eine Betonmauer noch sinnvoller, weil darauf irgendwann wenigstens Moose anwachsen“. Mit Sätzen wie: „jeder Garten habe das Potential zu einem Gemüsegarten“, machte der Biologe Mut, das eigene Verhalten zu überdenken. Er riet zu heimischen Pflanzen, besonders zum Natternkopf, empfahl, eigene Hühner zu halten und lieber einmal im Monat ein gutes Biohuhn zu essen, als täglich ein „Schmodderhuhn“ aus der industriellen Massentierhaltung.



„Wer dem Laub mit dem Laubsauger zu Leibe rückt, saugt auch unzählig viele Käfer ein und hat hinterher einen Sack voller Leichen“, sagte Wagner. Und immer wieder appellierte er: „Esst mehr Bio!“ Diesen Appell unterstützte die unter den Besuchern anwesende Antonia Aller. Ihr Familienhof, der Wiesenhof in Maxsain, stellt sich gerade auf Bio um. Sie berichtete, dass es in ganz Rheinland-Pfalz keine Molkerei für Biomilch gebe und nur das Kaufverhalten der Menschen den Markt ändern könne.

Der Biologe machte deutlich, wie bedeutend Insekten für das Leben auf der Erde sind: „Jede dritte Tierart ist ein Insekt und jede vierte Tierart ist ein Käfer“. Fasse man nur die Termiten zusammen, brächten sie mit 60 Millionen Tonnen die gleiche Biomasse auf die Waage, wie die gesamte Menschheit. Er erklärte, dass der Überlebenserfolg und die große Diversität der Käfer auch darin liege, dass sie in der Lage seien, sich in Holz zu nagen und so vor Feinden schützen könnten. (PM)


Lokales: Selters & Umgebung

Jetzt Fan der WW-Kurier.de Lokalausgabe Selters auf Facebook werden!

Weitere Bilder (für eine größere Ansicht klicken Sie bitte auf eines der Bilder):
 


Anmeldung zum WW-Kurier Newsletter


Mit unserem kostenlosen Newsletter erhalten Sie täglich einen Überblick über die aktuellen Nachrichten aus dem Westerwaldkreis.

» zur Anmeldung



Aktuelle Artikel aus der Region


Pianistinnen der Kreismusikschule Westerwald ausgezeichnet

Montabaur/Saarbrücken. Einen wunderbaren zweiten Platz belegte dabei das Klavier-Duo Amy Schäfer und Melissa Bischoff. Das ...

100 Jahre im Einsatz: Freiwillige Feuerwehr Willingen feiert Jubiläum

Willingen. Wenn die Feuerwehrsirene in Willingen jeden ersten Samstag im Monat mittags ertönt, dann ist das für jeden im ...

Verkehrsunfall auf der L 318: Motorradfahrerin schwer verletzt

Girod. Nach Angaben der Polizeidirektion Montabaur ereignete sich das Unglück gegen 13.21 Uhr. Der Verursacher des Unfalls, ...

Wandern im Westerwald: Neue Rundtour "Wäller Tour Druidenstein-Wanderweg"

Region. Auch abseits seiner Fernwanderwege hat der Westerwald einiges zu bieten. Auf den Wäller Touren taucht der Wanderer ...

Von Worten zu Wunden: Streit in Seck eskaliert

Seck. Gegen 20.20 Uhr wurde die Polizei Westerburg über den Konflikt in der Ortschaft Seck informiert. Vor Ort stellten die ...

Kinderschutzbund Westerwald informiert: "Wo steht mein Kind in der digitalen Welt?"

Höhr-Grenzhausen. Der Umgang mit Medien ist für Kinder heutzutage selbstverständlich. Sie gucken bei den Eltern auf das Handydisplay, ...

Weitere Artikel


Wie sich der ökologische Fußabdruck monetär bemerkbar macht – oder: Der Irrsinn mit der Bahn

Das Vorhaben war klar:
Den CO2 Ausstoß beim Reisen verringern, einmal nach Barcelona und einmal nach Berlin. Die Lösung ...

Früh im Jahr Markt des Werberings Hachenburg

Hachenburg. Folgende Programmpunkte sind in Vorbereitung:
Samstag:
- Autoschau Neumarkt und Bushalteplatz
- Frühlingsmarkt ...

Buchtipp: „Welt der Kobolde – Neue Abenteuer“ von Karin Klasen

Dierdorf/Wirscheid. In liebevoller Weise werden die Protagonisten, die umgebende Natur, Mitbewohner und Nachbarn geschildert: ...

Tipps der “Initiative Hachenburg Plastikfrei“ zum Frühjahrsputz

Hachenburg. So ziehen beispielsweise Spezialfaserwedel mit Einwegbezügen Staub magisch an, müssen jedoch nach jedem Wischen ...

Vortrag: „Und täglich schmerzt die Schulter…“

Limburg. Dr. Alexander Bode, leitender Oberarzt der Unfallchirurgie und Orthopädie am St. Vincenz-Krankenhaus, wird am Mittwoch, ...

Ohne Umwege zum Ausbildungsplatz

Mmontabaur. Sie alle sind eingeladen, am Donnerstag, 19. März, zwischen 14 Uhr und 17 Uhr einfach in ihre Agentur für Arbeit ...

Werbung