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Nachricht vom 04.02.2020    

Schulseelsorgetag in Marienstatt: Krisenpläne und „Wegweiser Hilfe“

Austausch, Vernetzung, Fortbildung – wenn sich die Schulseelsorger und schulpastoralen Mitarbeiter der katholischen Schulen des Bistums Limburg treffen, trifft viel Erfahrung und Fachexpertise aufeinander. Üblicherweise finden diese Treffen in Limburg statt, jetzt war das Private Gymnasium der Zisterzienserabtei Marienstatt aber bei einem ersten „Treffen vor Ort“ Gastgeber dieser Zusammenkunft. Das Schulseelsorgeteam und die Sozialarbeiterin der Schule präsentierten ihren Gästen zwei Arbeitsschwerpunkte: „Umgang mit dem Tod in der Schule“ und der sogenannte „Wegweiser Hilfe“.

Schulpastoraltreffen in Marienstatt. Foto: privat

Marienstatt. Wenn der Tod in die Schule kommt, entsteht eine schulische Krisensituation. Die Marienstatter Schulseelsorger haben in den vergangenen Jahren ein Konzept erarbeitet, das in einer solchen schulischen Krise hilft, „klaren Kopf“ zu bewahren und trotz der Ausnahmesituation ruhig und strukturiert vorzugehen. Schulseelsorgerin Alexandra Cäsar zeigte anhand des Konzepts, was in Marienstatt passiert, wenn etwas passiert. „Es wirkt vielleicht etwas übertrieben, wenn wir wirklich kleinschrittig die Situation durchplanen. Unserer Erfahrungen haben aber gezeigt, dass es sehr hilfreich ist, auf Übersichten und Konzepte zurückzugreifen, die in einer ‚ruhigen Minute‘ entstanden sind“. In der Akutsituation sei man unter Umständen selbst Betroffener, müsse aber reagieren.

In schulischen Kleingruppen überlegten die Gäste, was an ihren Schulen passieren würde, wenn der Alltag durch eine Todesnachricht plötzlich auf den Kopf gestellt würde. Alexandra Cäsar und ihre Kollegen verwiesen darauf, dass man natürlich nicht jede Eventualität durchplanen könne, aber das Verteilen von Aufgaben, das Besprechen von Kompetenzen und das Vorentlasten von Notwendigkeiten erleichterte die Arbeit in der schweren Situation.

„Eines meiner Familienmitglieder ist schwer erkrankt und ich mache mir Sorgen, wie es weiter geht.“ „Ich werde über WhatsApp geärgert und beleidigt.“ „Ich leide oft unter Angstzuständen.“ „Ich komme in der Oberstufe nicht zurecht.“ Mit diesen und ähnlichen Fragen und Problemstellungen kommen Schülerinnen und Schüler immer wieder zu den Schulseelsorgern oder der Schulsozialarbeiterin des Privaten Gymnasiums Marienstatt. In der von der Zisterzienserabtei getragenen Schule ist das offene Ohr für die Sorgen und Nöte der gesamten Schulgemeinde eine Selbstverständlichkeit und die praktische Umsetzung der Botschaft Jesu in unsere Zeit. Ausgebildete Schulseelsorgerinnen und Schulseelsorger, eine Schulsozialarbeiterin in Kooperation mit der Caritas, Verbindungslehrkräfte sowie Lehrerinnen und Lehrer mit speziellen Beratungsthemen bilden ein starkes Team für ein breites Beratungsnetzwerk.

Wie kann die Schulgemeinde schnell erkennen, wer der richtige Ansprechpartner ist? Mit dieser Frage hat sich das Schulseelsorgeteam in Marienstatt intensiv beschäftigt. So wurde der „Wegweiser Hilfe“ entwickelt, mit dem alle Schülerinnen und Schüler sowie Eltern schnell erkennen können, wo in der Schule Hilfe vorhanden ist. Das umfangreiche Beratungsangebot ist auf einem übersichtlichen Plakat in einzelne Problemfelder unterteilt worden. Zu jedem Problemfeld wurden Ich-Botschaften formuliert, sodass die Schülerinnen und Schüler und auch Eltern sehr gezielt ihre Frage- und Problemstellung finden können. Unter den drei großen Überschriften: „Hilfe“, „Beratung“ und „Vorbeugung“ finden sich alle Kontaktdaten und die Fotos des Hilfe-Teams. Auf Plakate gedruckt hängt der „Wegweiser Hilfe“ an mehreren gut einsehbaren Orten im und vor dem Schulgebäude, online können die Marienstatter in einem geschützten Login-Bereich auf den Wegweiser zurückgreifen. Schulseelsorger Christian Pulfrich stellte das Konzept vor und betonte die Bedeutung einer guten Netzwerkarbeit.

Die Schulpastoralteams hatten bereits vor Ort die Gelegenheit, einen ersten Ansatz für die Übertragung des Konzeptes in die eigene Schule anzudenken und Fragen an das Team aus Marienstatt zu stellen. Schule ist heute viel mehr als ein Ort des Lernens. Sie ist Lebensraum junger Menschen, in welchem Kinder und Jugendliche viele Erfahrungen machen und ihre Persönlichkeit ausbilden. Deshalb ist es so wichtig, die Schulgemeinde auch in ihren Hoffnungen, Ängsten und Sorgen zu begleiten und kompetente Ansprechpartner für die unterschiedlichsten Fragen des Lebens anbieten zu können.

Wie eng Schule und Kloster in Marienstatt miteinander vernetzt sind, zeigte Pater Benedikt Michels. Der Schulseelsorger gewährte den Gästen Einblicke in das Kloster, die Basilika und die Schule.

In Marienstatt zu Gast waren Schulseelsorger und schulpastorale Mitarbeiter des Johannes-Gymnasiums (Lahnstein), der Bischof-Neumann-Schule (Königstein), der Marienschule (Limburg), der St. Ursula Schule (Geisenheim) und der St. Angela Schule (Königstein).

„Wir danken dem Schulseelsorgeteam aus Marienstatt für die Gastfreundschaft, die wir an diesem Tag erfahren durften“, freute sich Barbara Lecht, Referentin für Schulpastoral im Bistum Limburg, abschließend. (Von Barbara Lecht, Referentin für Schulpastoral im Bistum Limburg und Christian Pulfrich, Schulseelsorger Marienstatt)


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