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Nachricht vom 02.02.2020    

„Fassenacht for Future“ - Furioser Start der Hundsänger Karnevalisten

Es scheint, als sei es ein Naturgesetz. Herausragende Karnevalsveranstaltungen und Hundsangen, das ist die Symbiose, die in der hiesigen Region seit Jahrzehnten ein Selbstverständnis genießt wie die Erdanziehungskraft. In der restlos ausverkauften Olmerschhalle startete der Hundsänger Carnevalverein mit seiner 1. Kappensitzung in die närrische Saison. Unter dem Motto: „Fassenacht for Future, uns gibts nur einmal“, ist die aktuelle Kampagne mit einem Augenzwinkern auf den anglizistischen Zeitgeist überschrieben. Das Publikum erlebte wieder einmal ein herausragendes Karnevalsevent.

Fotos: Wolfgang Gröschen

Hundsangen. Das Hinterteil voraus, zog der Elferrat zunächst in die Narrhalla ein, um sodann im Vorwärtsgang bei rhythmischer Musik durch die Reihen des Publikums zur Bühne zu tänzeln. Ob es sich bei ihrer Mini-Tanzeinlage vor ihrem Kabinettstisch um einen perfekt einstudierten Slapstick oder bei dem einen oder anderen Elferräter um einen moderaten Defekt der Takt-Bewegungs-Koordination handelt, wurde nicht lange diskutiert. Der singende Sitzungspräsident, Frank Göbel, gab mit seinem Eröffnungslied „Dot ess Fassenacht“ die passende Antwort. Ein toller Spaß, der die Stimmung von Null auf Hundert schießen ließ. Routiniert und zugleich spritzig und locker wie eh und je hielt Göbel das Höhenruder der guten Laune fest in der Hand und ließ gleich seine Puppen tanzen.

Dem HCV-Junioren-Ballett war es nämlich vorbehalten mit ihrem Gardetanz das eigentliche Programm zu eröffnen. Mit ihrer jugendlichen Frische, ihrer ansteckenden Unbekümmertheit und ihrer tänzerischen Klasse eroberten sie im Handstreich die Gunst des Publikums. Lisa Eichmann und Laura Trenz waren die Urheberinnen dieser tollen Tanzkreation.

Ein Protokoll aus der Bütt gehört zu den unverzichtbaren Narrentraditionen, die der „Ampelmann“ Dieter Ehinger seit Jahren hochhält. Spitzzüngigkeit, einen ordentlichen Schuss Satire und eine Prise Polemik, das sind die Zutaten aus denen er seinen Chronisten-Cocktail mixt. Nicht nur Greta Thunberg und der Klimawandel, auch Donald Trump und Boris Johnson („Die sind wohl verwandt, wie ich so hör, zumindest haben sie den gleichen Frisör“) waren Objekt seiner Glossen, sondern auch regionale Themen wie der vom Regen weggeschwemmte „50.000-Euro-Weg“ zwischen Hundsangen und Obererbach wurden gehörig durch den Kakao gezogen.

Und wieder wirbelten furios Mädchenbeine über das Bühnenparkett. Nur wenige Takte genügten, und das HCV-Ballett hatte mit seinem Gardetanz den Mitklatsch-Trieb des Publikums voll getroffen. Mit seiner Eleganz, seiner Virtuosität und seiner wohltuenden Lockerheit lieferte es den Stoff, der Alltagssorgen schnell vergessen lässt. Erstmals zeichnete Anne-Kathrin Pörtner für diesen Auftritt verantwortlich. Toller Einstand!

Szenenwechsel. Die Sketch-Gruppe „International“ verwandelte die Bühne in ein Museum. Wundersame Dinge trugen sich zur Nachtzeit in den altehrwürdigen Mauern zu. Ob abwandernde Museumsbesucher, zwei zum Leben erwachte antike Porträtgemälde oder zwei Nachtwächter und eine Putzfrau, es kam jeweils zu köstlichen Dialogen. Schließlich sorgte eine tölpelhafte Einbrecherbande für einen intensiven Angriff auf die Lachmuskulatur, die Standing Ovations des Publikums herausforderten. Ein toller Sketch aus der Feder von Matthias Hönig.

Als Greta Thunberg annektierte Friedhelm Meudt sein unverzichtbares Narrenutensil, die Bütt. Schon die deutlich erkennbare Körpergewichtsdifferenz zu der jungen Schwedin sorgte für einen spontanen Heiterkeitserfolg. Er veränderte mehrfach seine Identität. Mal war er Gretel aus dem Westerwald, mal war er Pfarrer. In jeder Phase malträtierte er mit seinen Pointen gnadenlos das Zwerchfell seiner Zuhörerschaft. Ein Super Vortrag, der alle zu stehendem Applaus animierte.

„Wings of light“ war der Titel der Show-Tanz-Gruppe „Blue Sticks“. Die Bühne verdunkelte sich und ein Schwarm überdimensionaler Schmetterlinge tanzte sanft zu epischer Musik. Die harmonisch schwingenden Schmetterlingsflügel waren mit hunderten von LED-Lämpchen besetzt und sorgten für atemberaubende Momente. Die träumerische Beschaulichkeit verwandelte sich dann rasch in eine kontrastreiche Szenerie. Gleisendes Streaming-Licht und rasante Techno-Rhythmen begleitenden sodann den schwungvollen Auftritt. Kerstin Schäfer, Christiane Heyden und Andrea Benten hatten diesen Tanz kreiert.



Blitzschneller Kulissenwechsel. Die Sketch-Gruppe „Gipfelstürmer“ war mit ihrem Raumschiff Dogsing II etwas unsanft auf dem Mars gelandet. Dort kam es dann zu urkomischen Gesprächen der völlig abgefahrenen Astronauten („Wo hast du denn deine Frau kennengelernt? „Im Swingerclub.“ Ach, ist doch schön, wenn die Musik die Menschen zusammen bringt“). Natürlich kam es auch zur Begegnung mit grünen Marsmenschen, die schließlich mit einer Super-Choreografie eine Kostprobe aus der galaktischen Hitparade zum Besten gaben. Das war Dauerbespaßung auf aller höchster Ebene. Der Sketch wurde von Markus Novian inszeniert.

Es folgte ein fulminanter Auftritt der HCV-Band „Basaltrock“. Nach einer Idee von Bandleader Frank Wagenbach wurden Stimmungskracher aus den „weltlichen“ Charts mit Texten von einschlägigen Karnevalshits versehen. So landete unter anderem: der Text von „Viva Colonia“ bei Helene Fischers „Atemlos“ oder „Humba Tätärä“ bei „Chirpy Chirpy Cheep Cheep“. Ein origineller Gag. Die tolle Truppe mit ihrer fantastischen Frontfrau Anne-Kathrin Pörtner sorgte dafür, dass das Stimmungslevel auf dem höchsten Level blieb.

Gäbe es den Studiengang „Master of Kokolores“, sie hätten ihn sicherlich mit Auszeichnung bestanden. Frank Göbel und Susanne Eichmann alias Georg und Anneliese spielten ein in die Jahre gekommenes Ehepaar, das auserkoren war, einen Jubiläums Werbespot für das Produkt einer Wurstfabrik zu drehen. Am Drehort kam es dann zu der Generalprobe. Mit ihrer perfekt gespielten Tolpatschigkeit, einer herrlichen Situationskomik und einer gehörigen Portion Selbstironie zündeten sie eine Lachsalve nach der anderen und gönnten dem Publikum keine Erholungsphasen.

Die Wambachlerchen starteten sodann mit dem „Traumschiff“ auf hohe See. Wie in jedem Jahr profilieren sie sich durch Parodien und Dialoge, bei denen die Großen und Mächtigen, die Reichen und Schönen ihr Fett abbekommen. Natürlich durfte da der unbedarfte Kapitän Florian Silbereisen („Was Backbord? Ihr habt also eine Bäckerei an Bord“) nicht fehlen. Aber auch Greta Thunberg („Von Chemie habe ich keine Ahnung, das hatten wir in der Schule immer freitags“), Boris Johnson, David Hasselhoff und Pamela Anderson waren an Bord. Die Gesangseinlagen waren absolute Karnevalsraketen, die das Publikum zu frenetischen Ovationen hinriss. Die Gruppe steht unter der Leitung von Manuel Malm.

Und als jeder glaubte, eine Steigerung ist nicht mehr möglich, da war die Zeit gekommen für das HCV-Show-Tanz-Ballett. „Der Wahrsager“ lautete der Titel ihres Tanzes. Mal spannend und geheimnisvoll, mal pralle Lebensfreude versprühend, mal anmutig, mal in wuselnder Rasanz wurde Musik genial in Bewegung umgesetzt. Showlicht und Showeffekte perfektionierten das Gesamtbild. Die Trainerinnen Aenne Altbrod und Chiara Höhn hatten bei ihrem Debüt einen absoluten Glanzpunkt produziert.

Das Programm endete mit einem monströsen Finale, zu dem alle 130 Aktiven noch einmal die Bühne erstürmten. Ein grandioser Anblick. Anne-Kathrin Pörtner im Duett mit Leonie Göbel sowie das Duo Frank Göbel und Daniel Krämer rissen mit ihren Hundsänger Karnevalshymnen das Publikum ein letztes Mal an sich. Fassenacht for future, uns gibts nur einmal! Nach dieser Vorstellung zweifelt niemand an der Zukunftsfähigkeit der einmaligen Hundsänger Karnevalisten. Dass sie loslegten, als gäbe es kein Morgen mehr, ist nun wirklich kein Widerspruch. (Wolfgang Gröschen)


Mehr zum Thema:    Karneval   
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