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Nachricht vom 20.11.2019    

Herbsttagung des IHK-Beirates – Konjunkturelle Entwicklung

Bei der von Herbsttagung des Unternehmerbeirates der IHK-Regionalgeschäftsstelle Montabaur stand kürzlich die aktuelle Situation im Handel, speziell Textileinzelhandel, in der Industrie und im Dienstleistungsbereich des Rhein-Lahn-Kreises sowie des Westerwaldkreises im Fokus der Beratungen.

IHK-Vizepräsident Jens Geimer. Foto: privat

Montabaur. Konkret wurde im 18-köpfigen Unternehmergremium unter Leitung des IHK-Vizepräsidenten Jens Geimer (Westerwald Brauerei H. Schneider GmbH & Co.KG, Hachenburg) die Lage im Textileinzelhandel besprochen. Die Betriebe der Region beschäftigen derzeit besonders die publik gewordenen Erweiterungspläne für das FOC in Montabaur. Landesplanerische Vorgaben in Bezug auf großflächige Einzelhandelsbetriebe wie das Gebot der Nichtbeeinträchtigung benachbarter Orte müssen laut IHK erfüllt werden, weil diese Vorgaben Erweiterungen, Neuansiedlungen wie auch bereits ansässigen Händlern Planungssicherheit und Verlässlichkeit geben. Daher werde die IHK das gesamte Verfahren und insbesondere die Gutachten zu möglichen Umsatzverschiebungen aufmerksam begleiten und hier die Erfahrungen und Einschätzungen der Händlerschaft einfließen lassen.

Besprochen wurden im Beirat auch die Pläne für einen Digitalen Marktplatz in der Region. Der Marktplatz Westerwald e.V., in dem acht Werbegemeinschaften zusammengeschlossen sind, hat eine Machbarkeitsstudie für diesen digitalen Marktplatz entwickelt. Geplant ist eine gemeinsame digitale Handelsplattform samt Lieferlogistik für die Landkreise Altenkirchen, Neuwied und Westerwald, die im Laufe des kommenden Jahres an den Start gehen soll. Thema im IHK-Beirat war auch das hohe Qualitätsbewusstsein der Kunden, das man im Facheinzel- und Großhandel registriere. Guter Service sowie passende Zusatzleistungen seien nach wie vor sehr gefragt und oftmals die Entscheidungsgrundlage für den Kauf.

Im IHK-Unternehmergremium wurde über eine zunehmende Frustration und Lethargie aus den Gewerbevereinen berichtet, da sich die dort Aktiven von ihren Mitgliedern häufig alleine gelassen fühlten. So fehle vielfach die nötige Unterstützung aus der Mitgliederschaft, um Aktionen planen und durchführen zu können. Selbst bei der in diesem Jahr erneut erfolgreichen, IHK-unterstützten Aktion „Heimat shoppen“ fehlte es an manchen Standorten an Initiative aus den Gewerbevereinen heraus. So seien unter anderem die für die Aktionstage zur Verfügung gestellten Materialien wie Papier-Einkaufstüten, Luftballons und sonstigen Give-aways von den Gewerbetreibenden in den Städten und Gemeinden des Rhein-Lahn-Kreises und des Westerwaldkreises nicht abgerufen worden. „Bevor schwierige Rahmenbedingungen und agile Marktbegleiter kritisiert werden können, müssen die sich bietenden Hilfen zur Selbsthilfe sowie Chancen auch genutzt werden“, so die mahnenden Worte des Beirats in diesem Zusammenhang.

Aus den Industriebetrieben der Region werde von einem Dahinschmelzen der Wachstumsraten gesprochen. Dies gelte vor allem für exportorientierte Unternehmen. Man bereite sich darauf vor, im übertragenen Sinne „wetterfeste Kleidung anzuziehen, da eine steifere Brise als in den Jahren zuvor wehe“, so die IHK-Beiräte. In einigen Industriebetrieben werde sogar schon über Kurzarbeit nachgedacht. Die schwierigeren Rahmenbedingungen machten sich zwischenzeitlich auch schon im Inlandsgeschäft bemerkbar. Aus dem Logistik- und Transportbereich wurde von einer deutlich entspannteren Lage berichtet. Die massiven Kapazitätsengpässe und Überhitzungserscheinungen der letzten Jahre hätten nachgelassen. Es gäbe freie Kapazitäten und man müsse wieder um den Kunden kämpfen. Die kleinen mittelständischen Unternehmen der Region spürten die konjunkturelle Abkühlung im Tagesgeschäft noch nicht. Bemerkenswert sei der vergleichsweise hohe Anteil von Migranten bei den Existenzgründungen. Diese Beobachtung machten vor allem in diesem Bereich tätige Beratungsunternehmen.

In den Betrieben der Region verbreite sich nach Erkenntnissen des IHK-Beirates zudem der Eindruck, dass die Politik zu wenig tue, um die Rahmenbedingungen (Infrastruktur, Digitalisierung, Entbürokratisierung et cetera) zu verbessern. Bedauert werde zudem die Hektik und Sprunghaftigkeit, die die politischen Entscheidungsträger an den Tag legten. IHK-Vizepräsident Jens Geimer: „Wünschenswert wäre hingegen eine ruhigere, besonnene Politik, die auf die Umsetzung der mittel- und langfristigen Ziele ausgerichtet ist.“ Beobachtet werde auch eine weitere Veränderung der Markt- und Branchenstrukturen. Hier spiele die fortschreitende Digitalisierung eine immer größere Rolle. Ein großer Teil des klassischen Mittelstandes sei hiervon betroffen, weil dort oftmals die Veränderung des Verhaltens der Konsumenten durch die moderne Kommunikations- und Informationstechnologie nicht ernst genug genommen werde. Größere und große Unternehmen seien diesbezüglich erfolgreicher unterwegs und besser vorbereitet. „Vor dem Hintergrund der nach wie vor immensen Bedeutung der mittelständischen Wirtschaft für Deutschland ist diese Entwicklung sehr besorgniserregend“, resümieren die Beiräte der IHK-Regionalgeschäftsstelle Montabaur. (PM)



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