Werbung

Nachricht vom 23.09.2019    

Den emsigen 450-Volt-Fräuleins auf der Spur

Nach einer Bienen- und Wildkräuterwanderung sieht eine Wiese gleich anders aus. Das können wohl alle Teilnehmer der informativen Exkursion bezeugen, die kürzlich am Wiesensee startete. Schon seit zehn Jahren vermittelt Kräuterexperte Klaus-Dieter Stahl interessierten Menschen im Wäller Land Wissenswertes über essbare Pflanzen am Wegesrand. Nun wurde bei einer Exkursion der Schwerpunkt erweitert – und es ging auch um bienenfreundliche Kost, um das Insekt an sich, ja um seinen ganzen Staat. Diesen Part übernahm Imkerin Gabriele Held-Habermann.

Die Teilnehmer der Bienenwanderung. Fotos: Tatjana Steindorf

Stahlhofen a.W. Das Thema „Bienen“ spricht alle Altersstufen an, das war beim Treffpunkt an der Tourist-Information WällerLand am Wiesensee (TiWi) gleich zu sehen. Bevor es nach draußen ging, erklärte Gabriele Held wie ein Bienenstock von innen aussieht sowie die Waben samt Arbeiterinnen, Drohnen und Königinnen und gab einen kurzen Abriss über ein Bienenjahr. Kompetent, engagiert und mit Liebe zum Thema vermittelte die Diplom-Verwaltungswirtin aus Hergenroth, die bereits seit zehn Jahren imkert, ihr Wissen. Ihr Sohn Finn (12) begleitete sie. Auch er ist bereits mit der Materie bestens vertraut und verbringt viel Zeit mit der Imkerei.

Die Bedeutung von Bienen im Ökosystem ist in aller Munde, doch wie komplex das Leben dieser Insekten ist und wie viel Wissen darüber existiert, ist faszinierend. Und dazu kommen unterschiedliche „Philosophien“ der Imker, die ihrerseits beobachten, ausprobieren, auf Probleme wie Krankheiten, Witterung et cetera immer flexibel reagieren müssen.

Das Interesse der Teilnehmer war groß, viele Fragen kamen aus der Runde: So erfuhr man, dass Bienen ab zehn Grad Celsius ausfliegen. Ab Mitte Juli wird kein Honig mehr aus den Waben entnommen, sagte Gabriele Held-Habermann. Nach der letzten Honigernte wird mit Zuckerlösung aufgefüttert, damit die Bienen in der kalten Jahreszeit gut versorgt sind. Doch das bedeute nicht, dass die Winterbienen nur auf faulen Haut liegen dürfen – sie müssen zittern, was das Zeug hält. Denn auf diese Weise erzeugen sie Wärme für die Königin. Etwa 35 Grad Celsius sind notwendig.

Es war zu erfahren, dass sich Bienen beim Flug durch die Reibung mit der Luft elektrostatisch aufladen – auf bis zu 450 Volt. Wie kleine Magnete ziehen sie so den Pollen an, wenn sie auf einem Blümchen landen…

Zurzeit ist die Varroamilbe mit entsprechendem Einsatz gut im Griff zu halten, doch ein neuer Schädling ist im Anmarsch: der Kleine Beutenkäfer. Er stammt eigentlich aus dem südlichen Afrika, tritt aber, aufgrund des Klimawandels, schon in Italien auf. Das kann keinem gleichgültig sein, denn Bienen stellen auch einen großen Wirtschaftswert dar – der Bestäubungs- und Honigwert geht in die Abermilliarden.

Auf dem Weg zum Bienenstock, wo die Teilnehmer dann, mit einem Imkerschleier bekleidet, den fleißigen Tieren einen Besuch abstatten, wies Klaus-Dieter Stahl auf Kräuter am Wegesrand hin. Dort wächst Dost (Origanum vulgare) und Beifuß ebenso wie ein absolutes Superfood: die Brennessel. Ihre Samen sind voller Vitamine und Protein und schmecken nussig und knackig. Viel Spaß gab es mit einem Kräutchen, das zunächst wie ein modriger, feuchter Lappen riecht. „Gekocht wird Ziest zu einem guten Pilzgewürz“, war zu erfahren.

Rainfarn wiederum ist gut, um Ungeziefer fernzuhalten. Auch von den Imkern wird er gerne in getrocknetem Zustand für den Smoker benutzt, der ab und an für Arbeiten am Bienenvolk unerlässlich ist. Darüber hinaus sind seine Blüten eine wichtige Nahrungsquelle für Bienen im Spätsommer. Denn auf den Wiesen fehlt es an Klee als Insektennahrung, das kann man auch als Laie sehen. Die häufigen Silageernten und die gut gedüngten Weiden verhindern das Wachstum vieler Blumen und Kräuter, die eher auf magere Böden angewiesen sind. Einige wenige Blühstreifen hier und dort können das nicht ausgleichen. So erlangt das indische Springkraut, das bis Oktober noch blüht, für die Insekten eine große Bedeutung. Garten- und Terrassenbesitzern empfahl Klaus-Dieter Stahl, Sedum (Fette Henne) und Ziest als Bienenweide zu pflanzen.

Die vielen Details über ihre großen Taten ließen einem Blümchen und Bienchen ans Herz wachsen. Sie gehören zu uns, ernähren und bereichern uns. Dafür haben sie etwas Solidarität verdient.

Im neuen Jahr darf man auf eine weitere Bienen-Kräuter-Wanderung hoffen. (Tatjana Steindorf)


Jetzt Fan der WW-Kurier.de Lokalausgabe Westerburg auf Facebook werden!

Weitere Bilder (für eine größere Ansicht klicken Sie bitte auf eines der Bilder):
 


Kommentare zu: Den emsigen 450-Volt-Fräuleins auf der Spur

Es sind leider keine Kommentare vorhanden

Beliebte Artikel beim WW-Kurier


Wirtschaft, Artikel vom 21.01.2020

Westerwald-Brauerei wächst weiter gegen den Trend

Westerwald-Brauerei wächst weiter gegen den Trend

Auch mit dem Geschäftsjahr 2019 ist die mittelständische Privatbrauerei aus Hachenburg zufrieden. „Gegenüber dem sehr guten Vorjahr konnten wir noch ein bisschen was drauflegen“, so Brauereichef Jens Geimer. Das sei umso erfreulicher da die Branche insgesamt doch ein deutliches Minus zu verzeichnen hat.


Alexandra Marzi soll Bürgermeisterin der VG Wirges werden

Die CDU Wirges will mit Alexandra Marzi ins Rennen um das Amt des Bürgermeisters der Verbandsgemeinde Wirges gehen. Die Wahl zum Bürgermeister der Verbandsgemeinde Wirges steht regulär Anfang des Jahres 2021 an. Bürgermeister Michael Ortseifen hatte im Herbst 2019 den Verbandsgemeinderat informiert, dass er mit Ablauf dieser Amtszeit nach dann 24 Jahren als Bürgermeister der Verbandsgemeinde Wirges in den Ruhestand eintreten werde.


Region, Artikel vom 21.01.2020

Zwei LKW kollidiert, beide Fahrer leicht verletzt

Zwei LKW kollidiert, beide Fahrer leicht verletzt

Auf der Autobahn 3 in Höhe Wirges kollidierten zwei Lastkraftwagen, weil ein Fahrer den auflaufenden Stau zu spät erkannte. Beide Brummi-Fahrer wurden leicht verletzt in Krankenhäuser gebracht. Die A 3 war für eine Stunde lang voll gesperrt.


Region, Artikel vom 21.01.2020

Verkehrsunfallflucht - Zeugen gesucht

Verkehrsunfallflucht - Zeugen gesucht

Am Montag ereignete sich ein Spiegelunfall zwischen Alpenrod und Hirtscheid. Da ein Fahrzeug in Richtung Hirtscheid einfach davonfuhr, bittet die Polizei Hachenburg um Zeugenhinweise zwecks Feststellung des Fahrers.


Vereine, Artikel vom 21.01.2020

Basaltsäulen informieren über Sehenswürdigkeiten

Basaltsäulen informieren über Sehenswürdigkeiten

Auf Anregung des Vorstandes des Verkehrsvereins Hoher Westerwald e.V. und des Bürgermeisters der Verbandsgemeinde Rennerod, Gerrit Müller, konnten nun die ersten Informationstafeln an den wichtigsten Sehenswürdigkeiten des Hohen Westerwaldes aufgestellt werden.




Aktuelle Artikel aus der Region


Klöckner-Kampagne: Wie sieht das Leben der #Dorfkinder aus?

„#Dorfkinder haben den Dreh raus, #Dorfkinder bringen neues Leben in alte Mauern, #Dorfkinder behalten das ganze Team im ...

Verkehrsunfallflucht - Zeugen gesucht

Hirtscheid. Am 20. Januar ereignet sich um 16:45 Uhr zwischen den Ortschaften Alpenrod und Hirtscheid auf der Alpenroder ...

Zwei LKW kollidiert, beide Fahrer leicht verletzt

Wirges. Die beiden unfallbeteiligten Lastkraftwagen befuhren den rechten Fahrstreifen der A 48 aus Richtung Trier kommend ...

Jahreshauptversammlung des Löschzugs Hachenburg

Hachenburg. Nachdem Wehrführer Frank Sieker die Anwesenden, insbesondere die Alterskameraden der Wehr sowie Verbandbürgermeister ...

Auffahrunfall mit drei PKWs und drei Leichtverletzten

Großholbach. Am heutigen 20. Januar gegen 16:30 Uhr, befuhr ein 21-jähriger PKW-Fahrer aus der VG Wallmerod die Landesstraße ...

Verkehrsunfall bei Spritztour ohne Führerschein

Nentershausen. Ein 18-Jähriger, der sich noch in der Fahrschulausbildung befindet, nahm in der vergangenen Nacht zu Hause ...

Weitere Artikel


Bauarbeiten in Höhr-Grenzhausen: Linie 7 wird umgeleitet

Höhr-Grenzhausen. In Richtung Endhaltestelle „Schillerstraße“ fahren die Busse über die Turnstraße und die Eulerstraße, um ...

Verkehrsunfallflucht mit leicht verletzter Rollerfahrerin

Elsoff. Am Freitag, dem 20. September, gegen 15 Uhr, befuhr eine 15-jährige Jugendliche mit ihrem Roller die L298, aus Richtung ...

Westerwälder Christdemokraten nehmen Klimaschutz mit Augenmaß ernst

Wirges. CDU-Kreisvorsitzender Dr. Andreas Nick MdB konnte zum gutbesuchten Mitgliederparteitag den neugewählten Europaabgeordneten ...

Mensch und Auto lassen es sich im Stöffel-Park gut gehen

Enspel. „Auf das Niveau kommt es an, nicht auf den Stil“, das ist das Credo von Carsten Grotzke, der zum Organisationsteam ...

Schlägereien in Bad Marienberg und Wahlrod

Wahlrod. Am Samstag-Abend wurde die Polizei zu einer Schlägerei an die Grillhütte in Wahlrod gerufen, an der die Kirmesjugend ...

Einbruch ins Pfarrhaus und Überfall auf Fußgänger in Hachenburg

Hachenburg. Unbekannte Täter drangen nach Aufhebeln eines Fensters im Laufe des Samstags in das Pfarrheim in der Salzgasse ...

Werbung