Werbung

Nachricht vom 09.09.2019    

Wie das Grundgesetz das gute Miteinander von Kirche und Staat regelt

Sie gehört zu den umstrittensten Stellen des Neuen Testaments: „Jedermann sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat.“ Ruft der Apostel Paulus die Christen hier zum blinden Gehorsam gegenüber der Staatsmacht auf? Eher nicht, glaubt Pfarrer Dr. Axel Wengenroth. Der Dekan des Evangelischen Dekanats Westerwalds versteht diese Passage aus dem Römerbrief sogar als Leitlinie, wie ein gesundes Miteinander von Kirche und Staat funktionieren kann. In Deutschland ist dieses Verhältnis im Grundgesetz geregelt – und das schon seit 70 Jahren. Aus diesem Anlass hat das Dekanat nun zu einer Aktionsreihe eingeladen, die mit dem gut besuchten Gottesdienst in der Westerburger Schlosskirche und Wengenroths Predigt ihren Abschluss fand.

Dekan Wengenroth während der Predigt. Fotos: Peter Bongard

Westerburg. Eröffnet vom virtuosen Spiel des Organisten Mathias Donath, blickt zunächst der Westerburger Pfarrer Eckehard Brandt auf die Geschichte des Grundgesetzes zurück. Anhand historischer Fotos schildert er, wie die westlichen Alliierten nach dem Krieg das Ziel verfolgten, einen demokratischen Staat mit stabiler Verfassung zu gründen. Am 23. Mai 1949 war es nach monatelangen Beratungen schließlich so weit: Das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland war geboren. In ihm wurde nicht nur die Würde des Menschen als unantastbares Gut festgelegt, sondern unter anderem die Gleichberechtigung von Mann und Frau verbürgt. „Außerdem nimmt die Präambel Bezug auf Gott. Damit wird anerkannt, dass es jemandem über uns gibt, dem wir Menschen Rechenschaft schuldig sind“, erläutert Pfarrer Brandt.

Seitdem ist das Grundgesetz nicht nur das Fundament eines guten, stabilen Miteinanders, sondern ein ausgesprochenes Erfolgsmodell, findet der Pfarrer: „Obwohl es ursprünglich nur als eine Übergangslösung gedacht war, wurde das Grundgesetz ein regelrechter Exportschlager und hat weltweit andere Verfassungen inspiriert.“

Doch es gibt eben auch diejenigen Nationen, in denen die Würde und Freiheit des Einzelnen durchaus antastbar ist. Und wenn sich Obrigkeiten gar noch auf das besagte Pauluszitat berufen, um das Volk klein zu halten, werden biblische Aussagen gründlich missverstanden oder gar missbraucht, unterstreicht Dekan Wengenroth während seiner anschließenden Predigt. „Eine Bibelstelle wie diese ist für Demokraten nur schwer zu ertragen. Dabei meint Paulus gar nicht die bedingungslose Unterwerfung gegenüber der Staatsmacht. Er fordert uns auf, demjenigen das zu geben, was ihm gebührt und bezieht sich auf eine ähnliche Aussage Jesu: dem Staat die Steuern, Gott jedoch die Ehre.“ Wengenroth betont, dass nicht nur die Bürger, sondern auch der Staat Pflichten hat: „Er hat für Frieden und Freiheit zu sorgen. Er herrscht über den Leib, nicht über die Seele und den Verstand. Diese Aufgabe kommt Gott zu. Übernimmt der Staat diese Aufgabe, verliert er jedes Maß und wird totalitär. Er hat dafür zu sorgen, dass die Kirchen und Religionsgemeinschaften diese Verantwortung rechtssicher und in Freiheit ausüben können.“

Dann stellt Wengenroth die Frage, wer in einer Demokratie denn die Obrigkeit ist. „Das ist doch das Volk! Gehorsam gegenüber der Obrigkeit heißt für uns also, dass wir uns zum Wohle des Volkes engagieren. Wir als Christen sind dazu aufgerufen, ,der Stadt Bestes’ zu suchen – im sozialen Engagement, politischen Diskurs und im Gebet für die Volksvertreter. Das Grundgesetz ermöglicht es in vorbildlicher Weise, dass sowohl der Staat als auch die Kirche ihre jeweiligen Aufgaben erfüllen können“, fasst der Dekan zusammen.

Mit dem Gottesdienst, durch dessen Liturgie Pfarrerin Sabine Jungbluth geleitet hat, endet die Aktionsreihe „Unser Grundgesetz – 70 Jahre unantastbar“. Zuvor hatte das Dekanat zu einem Vortrag mit dem Theologen Dr. Martin Schuck und zu einem Filmabend über eine Mutter des Grundgesetzes, Elisabeth Selbert, eingeladen. (bon)


Jetzt Fan der WW-Kurier.de Lokalausgabe Westerburg auf Facebook werden!

Weitere Bilder (für eine größere Ansicht klicken Sie bitte auf eines der Bilder):
   


Kommentare zu: Wie das Grundgesetz das gute Miteinander von Kirche und Staat regelt

Es sind leider keine Kommentare vorhanden

Beliebte Artikel beim WW-Kurier


Region, Artikel vom 18.02.2020

B 413: Fußgänger bei Unfall tödlich verletzt

B 413: Fußgänger bei Unfall tödlich verletzt

AKTUALISIERT: Die Polizei Hachenburg informiert aktuell von einem schweren Verkehrsunfall auf der B 413. Hierbei ist ein Fußgänger ums Leben gekommen. Weitere Einzelheiten gab die Polizei Hachenburg nun in einer weiteren Pressemitteilung bekannt.


Hüft- und Kniearthrose: Künstlicher Gelenkersatz um jeden Preis?

INFORMATION | Künstlicher Gelenkersatz um jeden Preis? Das ist die Frage beim nächsten Forum Gesundheit. Die Frühjahrsstaffel der Veranstaltungsreihe startet am Mittwoch, 4. März, um 18 Uhr in der Limburger Adolf-Reichwein-Schule. Der Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, Dr. Günter Rosbach, wird sich mit Prävention und Behandlungsmöglichkeiten beschäftigen.


Region, Artikel vom 18.02.2020

Vorfahrt missachtet - drei Verletzte

Vorfahrt missachtet - drei Verletzte

Am Dienstag, dem 18. Februar befuhr ein 76-jähriger PKW-Fahrer um 9:35 Uhr die B414, aus Richtung Hof kommend, in Fahrtrichtung Kirburg. Beim Abbiegen übersah er ein entgegenkommendes Fahrzeug. Es kam zum Unfall.


Millionengrab Krankenhäuser? Was in Altenkirchen und Hachenburg investiert wurde

Es ist ein Millionenspiel, in das das DRK-Verbundkrankenhaus Altenkirchen-Hachenburg involviert ist. Jetzt, da der aus Sicht vieler Bürger des AK-Landes ungeliebte und deswegen abgelehnte sowie aus dem Nichts entsprungene Standort "Müschenbach-Ost" für einen Neubau auserkoren wurde, steigen schon zu erwartende immense Ausgaben von mindestens 120 Millionen Euro ein wenig höher am Horizont. Ein Blick zurück zeigt, dass in die beiden "alten" Kliniken in den zurückliegenden Jahren bereits kräftig investiert wurde.


Politik, Artikel vom 18.02.2020

11,1 Millionen Euro für Ortsumgehung B 54 Rennerod

11,1 Millionen Euro für Ortsumgehung B 54 Rennerod

Für die Ortsumgehung B 54 Rennerod stellt der Bund aktuell 11,1 Millionen Euro im Investitionsrahmenplan des Bundesverkehrsministers bereit. Die Westerwälder Sozialdemokratin Gabi Weber wirbt für eine baldige Umsetzung der Planung.




Aktuelle Artikel aus der Region


Vorfahrt missachtet - drei Verletzte

Bad Marienberg. Der 76-Jährige beabsichtigte an der Abfahrt Lehmkaute nach links in Richtung Nisterau abzubiegen und übersah ...

Straßensperrung wegen Krötenwanderung

Region. Davon sind folgende Straßen betroffen:
• K 1 vom Waldspielplatz Steinen bis hinter den Haidenweiherdamm. Das Hofgut ...

Gaming pur: Kreiszockerfest 2020

Hachenburg. Dutzende an Konsolen von früher bis heute, ein Minecraft-Netzwerk, Kicker, Airhockey, Dart oder eine riesige ...

Vergiftungen in Haus und Garten: So schützen Sie Ihre Kinder

Siegen. Draußen ist das Risiko einigermaßen überschaubar. Die meisten giftigen Pflanzen wie Bilsenkraut, Tollkirsche oder ...

B 413: Fußgänger bei Unfall tödlich verletzt

Hattert. Am heutigen Dienstagmorgen, den 18. Februar, 8.25 Uhr, ereignete sich auf der B 413, Höhe Hattert Hütte, ein schwerer ...

Flyer „Gastronomie” und „Spazierwege” neu erschienen

Höhr-Grenzhausen. Geordnet nach Städten und Gemeinden findet man dort übersichtlich die Adresse und die Öffnungszeiten der ...

Weitere Artikel


Initiative „Hachenburg Plastikfrei“ empfiehlt Taschentücher aus Bambusfasern

Hachenburg. Das muss nicht sein, sagt die Initiative Hachenburg Plastikfrei und schlägt als eine mögliche Alternative zu ...

„fit4future Teens“ im Westerwald: Schulen können sich bewerben

Montabaur/Westerwald. Das bundesweite Präventionsprogramm „fit4future Teens“ startete zum neuen Schuljahr und noch können ...

Großes Lesesommer-Abschlussfest der Stadtbücherei Hachenburg

Hachenburg. Zu Beginn der Veranstaltung begrüßte Büchereimitarbeiterin Ute Fährmann die Lesesommer-Teilnehmer und stellte ...

Figurentheater „YAKARI – der kleine Indianerjunge“

Höchstenbach/Wirges. Yakari, den fröhlichen Indianerjungen zeichnet eine grenzenlose Neugier für die Welt und großen Respekt ...

Schustermarkt in Montabaur wird erweitert

Montabaur. In Kombination mit den kulinarischen Stationen aus aller Welt mit bunten Food Trucks und internationalen Ständen, ...

Alternativen zu freiheitsentziehenden Maßnahmen in der Pflege

Westerwaldkreis/Wallmerod. Es gibt durchaus Alternativen. Ein verändertes Bewusstsein aller Pflegenden und rechtlichen Vertreter ...

Werbung