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Nachricht vom 02.08.2019    

Erntegespräch 2019: Trockenheit lässt Bauern nicht aus Umklammerung

Erntepressekonferenz des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau: Die Dürre führt im Getreidebau zu teilweise schwerwiegenden Qualitätseinbußen und die tierhaltenden Betriebe sorgen sich sehr darüber, ob ausreichend Futter für die Ernährung ihrer Tiere geerntet werden wird. Trotz akzeptabler Niederschlagsmengen über den vergangenen Winter hinweg waren der April, Juni und Juli viel zu trocken, erläuterte Vizepräsident Manfred Zelder.

Nahezu alle landwirtschaftlichen Kulturen litten unter der enormen Trockenheit des Jahres 2019, hieß es bei der Erntepressekonferenz in Andernach. (Foto: Robert Balog auf Pixabay)

Andernach/Region. Nahezu alle landwirtschaftlichen Kulturen litten unter der enormen Trockenheit des Jahres 2019, stellte der Vizepräsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau, Manfred Zelder, während der diesjährigen Erntepressekonferenz bei der Raiffeisen-Waren-Zentrale (RWZ) in Andernach fest. Die Dürre führt im Getreidebau zu teilweise schwerwiegenden Qualitätseinbußen und die tierhaltenden Betriebe sorgen sich sehr darüber, ob ausreichend Futter für die Ernährung ihrer Tiere geerntet werden wird. Trotz akzeptabler Niederschlagsmengen über den vergangenen Winter hinweg waren der April, Juni und Juli viel zu trocken. Alleine im Juni hat die Niederschlagsmenge mit durchschnittlich 35 Litern pro Quadratmeter in Rheinland-Pfalz noch nicht einmal die Hälfte der Niederschlagsmengen im langjährigen Mittel erreicht. Das hat viele Kulturen gerade in der Reifungsphase schwer getroffen. Erschwerend sind die um 60 Prozent über dem langjährigen Mittel liegenden Sonnenscheinstunden hinzugekommen.

Erzeugerpreise unter Vorjahres-Niveau
„Die verschiedenen Wasserhaltefähigkeiten der jeweiligen Böden sind in 2019 entscheidend für die lokal unterschiedlichen Ernteerträge. Nur die Wintergerste, die als erstes Getreide geerntet wurde, hatte in der Reifephase vom Mairegen profitiert und ist sowohl qualitativ als auch quantitativ erfreulich gut eingefahren worden“, so Zelder. „Das fünfjährige Ertragsmittel in Höhe von 6,8 Tonnen pro Hektar wurde insgesamt erreicht“. Die Schwankungen seien allerdings aufgrund des unterschiedlichen Wasserhaltevermögens der Böden enorm. Kritisch sieht Zelder die Erzeugerpreise, die zurzeit etwa fünf Prozent unter dem Vorjahr liegen würden.

Vollgerstenanteil von 90 Prozent wird nicht erreicht
Sorgen bereite dem Vizepräsidenten die Situation bei der Braugerste: „Der Mairegen hat hier zwar Schlimmeres verhindert und auch die Eiweißgehalte liegen erfreulich niedrig, aber der notwendige Vollgerstenanteil von 90 Prozent wird nicht erreicht“. Es liegt jetzt an den Händlern und Mälzern, die Kontraktbedingungen an die Situation anzupassen. Er forderte die Mälzer auf, einen Vollgerstenanteil ab 80 Prozent zu akzeptieren. Immerhin sei Gerste mit dieser Sortierung durchaus vermälzungsfähig. Die Erzeugerpreise seien wenig erfreulich, sie lägen zurzeit zehn Euro pro Tonne unter dem Erzeugerpreis des vergleichbaren Vorjahreszeitraums.

Abnehmer müssen sich anpassen
Der Winterweizen sei ebenfalls durch die Dürre stark beeinträchtigt worden. Die besondere Ernteermittlung des Statistischen Landesamtes in Bad Ems habe eine durchschnittliche Erntemenge von 6,9 Tonnen pro Hektar, also 0,3 Tonnen unter dem fünfjährigen Mittel, festgestellt. Auch die niedrigen Eiweißgehalte könnten wirtschaftliche Probleme verursachen. Dies liege allerdings weniger an den Backeigenschaften, als vielmehr an den Forderungen der Abnehmer, also den Mühlenbetrieben. Die aufnehmende Hand, betonte Zelder, solle die Kontraktbedingungen anpassen. Es mache keinen Sinn, guten Brotweizen unter 12 Prozent Eiweißgehalt als Futterweizen vermarkten zu müssen, obwohl der Weizen zum Backen geeignet sei. Auch die Abnehmer müssten sich den widrigen Witterungsverhältnissen anpassen und flexibel auf die Situation reagieren.

Winterweizen bedeutendste Marktfrucht
Für Brotweizen könnten die Erzeuger aktuell rund 150 bis 160 Euro pro Tonne erzielen. Das seien 5 bis 10 Euro über den Preisen für Futterweizen. Zelder stellte fest, dass der Winterweizen mit über 100.000 Hektar an der rheinland-pfälzischen Ackerfläche mit exakt 400.000 Hektar weiterhin mit Abstand die bedeutendste Marktfrucht im Land sei. Die Witterung habe im laufenden Wirtschaftsjahr den Raps ebenfalls stark in Mitleidenschaft gezogen, betonte Zelder: „Mit einer Fläche von 37.000 Hektar ist in diesem Jahr die Rapsfläche geradezu eingebrochen. Die Anbaufläche nahm um 8.000 Hektar ab. Dies liegt vor allem am trockenen Herbst des Jahres 2018, der dazu führte, dass der Raps in fast allen Regionen sehr schlecht aufgelaufen ist und häufig umgebrochen und durch andere Kulturarten ersetzt wurde. Die Erträge bewegen sich bei 3,7 Tonnen pro Hektar ebenfalls unter dem fünfjähren Mittel. Die Ölgehalte sind zwar insgesamt geringer als in den letzten Jahren, es werden aber immer noch häufig Werte über 42 Prozent festgestellt“. Schwächere Ölgehalte seien vor allem in trockenen Gebieten mit leichten Böden zu finden. Hier seien auch Werte unter 40 Prozent keine Seltenheit.



Fehlende Beizmittel verhinderten häufig höhere Erträge
Deutliche Worte fand Zelder über den Umgang mit der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln in Deutschland. Es sei unfassbar, dass wichtige Beizmittel verboten seien und die Landwirte sich mit stärkeren Schädlingsbefällen auseinander setzen müssten, obwohl bei sachgemäßer Anwendung keine Gefahr für die Verbraucher und die Umwelt bestehe. Das Beispiel Raps zeige, dass die politische und öffentliche Diskussion über die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln vielfach ideologisch verblendet sei. Vor allem fehlende Beizmittel verhinderten häufig höhere Erträge, sodass der Anbau dieser Kultur immer unattraktiver werde.

Sorge macht die Futterversorgung
Mit großer Sorge sieht Zelder der Futterversorgung entgegen. Der Mais entwickle sich augenblicklich in vielen Gebieten in Rheinland-Pfalz außerordentlich schlecht. Wachstumshemmungen und eine verminderte Ausbildung der Kolben seien die Folge. Bleibe es auch bis Mitte August noch trocken, seien erste Noternten nicht mehr auszuschließen. Die ersten beiden Wiesen-Grünschnitte im Frühjahr des Jahres seien erfreulich bis durchwachsen gewesen. Auf den wichtigen dritten Schnitt würden die Bauern großteils bis zum heutigen Tage warten. Den Betrieben würden mittlerweile 25 bis 30 Prozent des Gesamtertrages fehlen. Daher begrüßte Zelder die Maßnahmen des Bundes und des Landes, begrünte Brachen auf ökologischen Vorrangflächen nutzen zu dürfen. Weiterhin forderte er die Politik auf, auch die Aussaat und die Ernte von Zwischenfrüchten auf ökologischen Vorrangflächen wieder zu ermöglichen. Bei entsprechendem Regen könne die Nutzung von Zwischenfrüchten zur Entschärfung der Futtersituation beitragen.

Keine Kollektivstrafen
Vizepräsident Zelder fand neben dem Bericht über die Ernte noch deutliche Worte über die Ausweisung von „roten Gebieten“, die im Rahmen der Umsetzung der Düngeverordnung erfolgen solle: „Die „roten Gebiete“ müssen messstellenorientiert ausgewiesen werden. Er lehne jede Form von Kollektivstrafen ab. Probleme müssen dort gelöst werden, wo sie stattfinden. Landwirte mit zusätzlichen Auflagen zu belegen, obwohl sie ordnungsgemäß wirtschaften, sei indiskutabel. (PM)



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