Werbung

Nachricht vom 01.08.2019    

Jung, musikalisch, ökumenisch: Erlösergemeinde feiert Geburtstag

Der Zweite Weltkrieg ist zu Ende: In und um Neuhäusel suchen viele Flüchtlinge und Vertriebene eine neue Heimat. Familien, die ihren evangelischen Glauben mit in eine katholische Region bringen. Um ihn lebendig zu halten, besuchen die Neu-Neuhäuseler die umliegenden Kirchengemeinden in Höhr-Grenzhausen, Montabaur, Bad Ems. Denn eine eigene Kirchengemeinde haben sie noch nicht. Das ändert sich erst 1969 – das Jahr, in dem die Evangelische Erlöser-Kirchengemeinde Neuhäusel offiziell aus der Taufe gehoben wird. Heute, ein halbes Jahrhundert später, feiert die Gemeinde Geburtstag und erinnert mit einem Fest am Sonntag, 1. September, ab 11 Uhr an ihre noch junge Geschichte.

Von links: Pfarrerin Lisa Tumma sowie die KV-Mitglied Brigitte Kopold, das ehemalige KV-Mitglied Margrit Schröder und KV-Mitglied Götz Riedel über historischen Fotos und Dokumenten. Fotos: Peter Bongard

Neuhäusel. Eine Geschichte, die schon Ende der 1950er-Jahre beginnt. 1957 mietet die Evangelische Kirchengemeinde Bad Ems das katholische Gotteshaus in Neuhäusel an, damit sich die protestantischen Familien vor Ort treffen können. Erst 1969 wird aus der Filial- eine eigenständige Kirchengemeinde. Im Gründungsjahr besteht sie aus 1350 Evangelischen Christen, die in den Orten Neuhäusel, Arzbach, Eitelborn, Hillscheid, Kadenbach und Simmern leben.

Wenige Wochen später tritt der erste Pfarrer seinen Dienst in Neuhäusel an: Hans-Georg Burkhardt wird im Januar 1970 ins Amt eingeführt. Unter dessen Nachfolger Karl-Helmut Pack kauft die Gemeinde 1973 den Katholiken schließlich die Kirche für fast 70.000 Mark ab und renoviert sie umfangreich. Im März 1979 wird Eugen Senk Pfarrer, und er prägt die Gemeinde über die nächsten Jahre besonders deutlich. Margrit Schröder gehört damals zum Kirchenvorstand und erinnert sich noch gut an den geradlinigen Theologen: „Er war ein strenger, aber beliebter Prediger, und die Zeit unter ihm war eine sehr aktive. Wir waren ein zusammengewürfelter Haufen mit ganz viel Elan“, erzählt sie, während sie mit der heutigen Pfarrerin Lisa Tumma sowie den Kirchenvorstandsmitgliedern Brigitte Kopold und Götz Riedel Fotoalben und Aktenordner mit alten Zeitungsausschnitten wälzt. „Es war eine Zeit des Aufbruchs: Unser Kirchenvorstand hat damals Elemente ins Gemeindeleben und den Gottesdienst eingeführt, die es wohl nur bei uns gab – etwa Neuerungen bei der Konfirmation oder spezielle Abendmahlslieder.“

Was der „zusammengewürfelten“ Mannschaft in den späten 1970er-Jahren aber besonders wichtig ist: Neuhäusel soll eine einladende Gemeinde sein, in der sich niemand abgehängt fühlen soll. Vor allem nicht diejenigen, die in den umliegenden Orten wohnen. „Die meisten Protestanten in der Augst sind Zugezogene und waren vor der Gemeindegründung in unterschiedlichen Kirchengemeinden aktiv“, erinnert sich Margrit Schröder. „Wir mussten anfangs also regelrecht um die Gemeinschaft kämpfen.“

Um das neue Miteinander zu pflegen, besuchen der damalige Kirchenvorstand und der noch recht junge Posaunenchor regelmäßig die umliegenden Ortschaften. „Außerdem unternahmen wir viele gemeinsame Ausflüge und gründeten Gebetskreise. Es war für uns alle eine bewegte und bewegende Zeit“, erinnert sich Margrit Schröder. Vielleicht ist es die Emotionalität dieser frühen Jahre, die dazu führt, dass sich die Christen 1979 für den Namen „Erlösergemeinde“ und nicht für die Alternativen „Paulusgemeinde“ oder „Johannesgemeinde“ entscheiden.

1986 bekommen die Protestanten endlich ein Gemeindehaus, das direkt an die Kirche angeschlossen ist und sich flexibel einteilen lässt. Eine weitere wichtige Wegmarke in der Gemeindehistorie ist das Jahr 1991: Als Reaktion auf den Golfkrieg lädt die Erlösergemeinde jeden Montag Menschen dazu ein, für den Frieden zu beten.

Auch das ökumenische Miteinander ist den Neuhäuselern von Anfang an ein großes Anliegen, sagt Pfarrerin Lisa Tumma. „Anders würde es auch nicht gehen. Denn die evangelischen Christen sind in Neuhäusel immer noch in der Unterzahl.“ Deshalb hat sie als neue Pfarrerin dieses Thema besonders im Blick. Schon jetzt feiern evangelische und katholische Christen gemeinsame Gottesdienste, ökumenische Kreuzwege und Bibliologe, und im September startet unter dem Motto „Atem holen“ eine ökumenische Andachtsreihe.

Neben der Ökumene spielt die Musik in Neuhäusel eine wichtige Rolle. Nicht nur wegen der 1994 eingeweihten, schönen Hardt-Orgel. Sondern vor allem wegen des sehr aktiven Posaunenchores. „Das Ensemble veranstaltet zum Beispiel jeden Ostersonntag um 8 Uhr ein Osterblasen an der Kapelle in der Augst“, sagt Götz Riedel. „Wenn die Musik dann durchs ganze Tal schallt, geht einem das Herz auf.“

Das andere Herzstück der Neuhäuseler Gemeinde ist gleichzeitig ihr Fundament für die Zukunft: die jungen Menschen. Neuhäusel hat eine vorbildliche Jugendarbeit, die nicht nur bei Kirchentagen und Ferienlagern zeigt, wie lebendig sie ist, erzählt Brigitte Kopold.

Das Wir-Gefühl der Protestanten, der Wunsch nach einem ökumenischen Miteinander, getragen von einer starken Jugend, untermalt von himmlischen Klängen. Es sind feste Säulen, auf denen die Kirchengemeinde ruht. Obwohl Ruhen im Falle von Neuhäusel nichts mit Stillstand zu tun hat. Denn in Neuhäusel fühlt es sich anno 2019 wieder nach Aufbruch an, sagt Pfarrerin Lisa Tumma: „Wir schauen nach vorne und überlegen gemeinsam, wo die Reise der Erlösergemeinde hingeht – für die nächsten 50 Jahre und darüber hinaus.“ (bon)

Im Detail: Erlösergemeinde feiert am 1. September ein Fest
Das Kirchenfest zum 50-jährigen Bestehen der Kirchengemeinde feiern die Neuhäuseler am Sonntag, 1. September. Der Tag beginnt um 11 Uhr mit einem Festgottesdienst inklusive Kindergottesdienst. Danach lädt die Erlösergemeinde zum Essen ins Gemeindehaus und einem Konzert des Posaunenchores ein. Schließlich zeigt eine Fotoausstellung beeindruckende Aufnahmen aus der Geschichte der Gemeinde.


Jetzt Fan der WW-Kurier.de Lokalausgabe Montabaur auf Facebook werden!

Weitere Bilder (für eine größere Ansicht klicken Sie bitte auf eines der Bilder):
       


Kommentare zu: Jung, musikalisch, ökumenisch: Erlösergemeinde feiert Geburtstag

Es sind leider keine Kommentare vorhanden

Anmeldung zum WW-Kurier Newsletter


Mit unserem kostenlosen Newsletter erhalten Sie täglich einen Überblick über die aktuellen Nachrichten aus dem Westerwaldkreis.

Beliebte Artikel beim WW-Kurier


Corona – die neuesten Zahlen aus dem Westerwaldkreis

Am 18. September gibt es 532 (+6) bestätigte Fälle im Westerwaldkreis, davon inzwischen 469 wieder genesen. 397 Westerwälder befinden sich in angeordneter Quarantäne.


Leichtkraftradfahrer schwer verletzt, Unfallverursacher flüchtig

Am heutigen Freitag befuhr ein PKW-Fahrer regelwidrig die halbseitige Fahrbahnverengung in der Nassauischen Straße in Bad Marienberg. Dadurch wurde ein kleiner Schulbus im Gegenverkehr zum abrupten Abbremsen gezwungen, ein junger Leichtkraftrad-Fahrer fuhr auf den Schulbus auf und erlitt schwere Verletzungen. Der Unfallverursacher flüchtete. Die Polizei bittet um Zeugenaussagen.


Region, Artikel vom 19.09.2020

Schlag ins Gesicht führt zu Verkehrsunfall

Schlag ins Gesicht führt zu Verkehrsunfall

Auf der Autobahn 48 in der Baustelle Weitersburg in Richtung Trier kam es zu einem außergewöhnlichen Verkehrsunfall. Ein Fahrer eines PKW schlug dem Fahrer eines vor ihm stehenden Wohnmobils ins Gesicht. Dieser rutschte dadurch von der Bremse ab und stieß gegen den vor ihm stehenden PKW.


Region, Artikel vom 18.09.2020

Stromausfall – was tun?

Stromausfall – was tun?

Insbesondere bei längerfristigen Stromausfällen, Störungen von Kommunikationsnetzen oder bei anderen außergewöhnlichen Gefahrenlagen können Notrufe möglicherweise nicht mehr zu den Leitstellen gesendet werden. Deshalb sehen die Einsatzpläne der Feuerwehren vor, dass bei Stromausfall spätestens nach einer halben Stunde die Feuerwehrgerätehäuser besetzt werden.


Region, Artikel vom 18.09.2020

Verkehrsunfall mit vermutlich verletztem Kind

Verkehrsunfall mit vermutlich verletztem Kind

In Westerburg ereignete sich am Mittwoch ein Verkehrsunfall, bei dem ein Kind vermutlich bei einem abrupten Bremsvorgang als Autoinsasse verletzt wurde, weil es gegen die Windschutzscheibe prallte. Die Polizei Westerburg sucht Zeugen des Vorfalls, insbesondere den Fußgänger, der die Bremsung verursachte und anschließend einen Disput mit dem Autofahrer hatte.




Aktuelle Artikel aus der Region


Kostenfrei geführte Wanderung im Kannenbäckerland ab Hotel Heinz

Höhr-Grenzhausen. Mit einem zertifizierten Wanderführer geht es auf eine circa 8 Kilometer lange Runde. Über die alte Bahntrasse ...

Zwei alkoholisierte Fahrer an der Weiterfahrt gehindert

Alpenrod. Am späten Freitagabend konnte in der Schulstraße in Alpenrod im Rahmen einer allgemeinen Verkehrskontrolle bei ...

Erneuter Brand auf Ex-Aussiedlerhof in Dreisbach

Dreisbach. In ihrer Meldung teilt die Polizeidirektion Montabaur mit, dass die ersten Ermittlungen vor Ort ergaben, dass ...

33 Spitzenplätze für MEDIAN Kliniken im neuen „FOCUS Gesundheit“

Wied. Wer bei MEDIAN seine Rehabilitation antritt, hat beste Chance, schnell den Weg zurück ins Leben zu finden; das bestätigt ...

Schlag ins Gesicht führt zu Verkehrsunfall

A 48. Am 19. September, gegen 12:15 Uhr, war es auf der Autobahn 48 bei stockendem Verkehr zu einem Verkehrsunfall zwischen ...

Stromausfall – was tun?

Hachenburg. Da ohne Stromversorgung Telefonanlagen und Mobilfunksysteme nicht mehr funktionieren, können Notrufe am Feuerwehrgerätehaus ...

Weitere Artikel


Steuerliche Erstberatung für Existenzgründer im August

Montabaur. Existenzgründer aus dem Rhein-Lahn-Kreis und dem Westerwaldkreis können ein Gespräch von maximal 60 Minuten mit ...

Klarinettenduos in der Festungskirche Ehrenbreitstein

Koblenz. Auf dem Programm der vorletzten Serenade am Mittwoch, 7. August, um 17 Uhr stehen Klarinettenduos von Telemann, ...

Kult im Kulturwerk: „ABBA GOLD – The Concert Show“ kommt nach Wissen

Wissen/Region. Sie ist eine der erfolgreichsten Musikgruppen aller Zeiten und liefert mit ihren unsterblichen Hits den Sound ...

Eigentümer von Eichen sind auf sich allein gestellt

Montabaur. Nach den ersten Berichten über die Ausbreitung der gefährlichen Raupen des Eichenprozessionsspinners an frei ...

Großer Flächenbrand in Obererbach

Obererbach. Im Gegensatz zu vielen Flächenbränden in der Umgebung, bei denen es sich um abgeerntete Felder handelte, war ...

Unfall in Betzdorf: 57-Jährige lebensgefährlich verletzt

Betzdorf. Am heutigen Vormittag (1. August) ereignete sich in der Betzdorfer Wilhelmstraße ein Verkehrsunfall, bei dem eine ...

Werbung