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Nachricht vom 25.07.2019    

Kleine Nuss – große Gefahr

INFORMATION | Immer wieder passiert es: Das Kleinkind fängt plötzlich heftig an zu husten, die Atmung wird schneller- manchmal hört man ein pfeifendes Geräusch, eventuell hebt sich nur eine Seite des Brustkorbes. Das Kind wird unruhig, fängt an zu schreien, vielleicht kommt es zu einer leichten bläulichen Verfärbung der Mundpartie. Dann lässt das Husten im Verlauf regelhaft nach, das Kind wird ruhig und still.

Chefarzt Dr. Rainer Blickheuser im OP mit Endoskop sowie entsprechendem Befund nach Aspiration einer Nuss. Foto: Siegener Kinderklinik

Siegen. Was ist geschehen? Wahrscheinlich ist es zu einer Aspiration gekommen, das heißt, kleine Fremdkörper sind in die Luftröhre oder die Bronchien gelangt und haben dort der Luft den Weg zum Atmen versperrt. Am häufigsten sind es Erdnuss- oder Pistazien-Stücke, welche aus dem Rachen in die tiefen Luftwege eingeatmet werden und dann zu den oben beschriebenen Symptomen führen können. Darüber hinaus finden die Ärzte der Siegener Kinderklinik auch immer wieder Kleinspielzeugteile, andere Nahrungsmittel wie Karotten oder Weintrauben und sogar Stecknadeln oder Nadeln in den Bronchien von Kindern. „In den allermeisten Fällen wird der Fremdkörper durch den Hustenreflex erst gar nicht in die tiefen Atemwege gelangen; hat er jedoch einmal die Stimmritze passiert, und dies ist insbesondere bei Kleinkindern nicht selten der Fall, kann es akut zu Atembeschwerden mit erheblicher Luftnot kommen“, erläutert der Chefarzt der Abteilung Anästhesie der DRK-Kinderklinik Siegen und Notfallmediziner, Dr. Rainer Blickheuser.

Bei Eintritt eines solchen Ereignisses gilt es Ruhe zu bewahren und umsichtig zu handeln. Im Falle eines anhaltenden Hustenreizes oder beeinträchtigter Atmung sollte umgehend die Ambulanz der Kinderklinik aufgesucht werden. Ist die Situation stabil, kann der Transport sitzend im PKW erfolgen; bei starker Luftnot muss der Notarzt hinzugezogen werden. In der Kinderklinik wird dann nach eingehender ärztlicher Untersuchung über das weitere Vorgehen entschieden. Ist es tatsächlich zu einer Aspiration gekommen, werden die Spezialisten auf dem Wellersberg mittels Endoskop und speziellen Zangen den oder die Fremdkörper in Vollnarkose entfernen. Daher sollten die Kinder während des Transportes weder essen noch trinken.



„Entscheidend ist die zeitnahe Vorstellung der kleinen Patienten in der Klinik. Gerade bei Erdnüssen kommt es nach etwa 24 Stunden zur Freisetzung des Erdnussöles, welches eine Entzündung der Bronchien beschleunigt“, betont Dr. Blickheuser. Außerdem wird durch das Erweichen der Nuss das Entfernen mittels Zange nach Ablauf dieser Zeit deutlich erschwert.

2017 mussten 5.558 Patienten von 0 bis 18 Jahren in Deutschland in Kliniken nach Aspiration versorgt werden. In der DRK-Kinderklinik Siegen werden jährlich etwa 15 Kinder mit schwerer stattgehabter Aspiration durch das Team der Anästhesie-Abteilung endoskopisch behandelt.

Da grundsätzlich die Gefahr von lebensbedrohlichen Komplikationen (Häufigkeit bis zu 3,5 Prozent) beim Einatmen von Fremdkörpern in die Atemwege besteht, sollten die Eltern unbedingt darauf achten, dass insbesondere Erdnüsse oder Pistazien für Kinder bis zum vierten Lebensjahr tabu sind. Spielen mit Kleinspielzeug sollte nur unter Aufsicht erfolgen.

Die DRK-Kinderklinik bietet jährlich eine Fortbildungsveranstaltung zum Thema „Notfälle im Kindesalter“ an. Hier wird das Thema Fremdkörperaspiration näher beleuchtet und Erste-Hilfe-Maßnahmen vorgestellt. Die Termine werden zeitnah auf der Homepage der Klinik veröffentlicht. (PM)



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