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Nachricht vom 03.07.2019    

evm-Konzept zeigt, wo Ladesäulen sinnvoll sind

Der Bedarf an öffentlichen Ladesäulen ist geringer als viele denken. Das hat eine Untersuchung der Energieversorgung Mittelrhein (evm) ergeben. In einem aufwändigen Verfahren hat das Koblenzer Unternehmen ein Ladeinfrastrukturkonzept beispielhaft für die Städte Koblenz, Lahnstein und Bendorf sowie die Verbandsgemeinde Vallendar erstellen lassen.

Stellten das Ladeinfrastrukturkonzept vor (von links): Marcelo Peerenboom, Ulrich Elsenberger, Michael Schramek und Claudia Probst. Foto: evm/Thomas Frey

Koblenz. Das Projekt wurde im Rahmen der Förderrichtlinie Elektromobilität vor Ort mit insgesamt 50.000 Euro durch das Bundesverkehrsministerium gefördert.
„Wenn es um den Ausbau der Elektromobilität geht, dann wird schnell der Ruf nach weiteren öffentlichen Ladestationen laut. Doch ist es überhaupt sinnvoll, vor jedes Rathaus, auf jedem Parkplatz und an anderen Stellen Ladesäulen zu installieren? Diese Frage wollten wir seriös und fundiert beantworten“, berichtet Projektleiterin Claudia Probst, die sich bei der evm um die Betreuung der Kommunen kümmert. „Uns war es wichtig, hier nicht in eine Art Aktionismus zu verfallen, sondern den Bedarf dort zu decken, wo er tatsächlich existiert“, betont Claudia Probst. Sie und ihr Team wollen damit der Gefahr vorbeugen, dass für viel Geld eine Ladeinfrastruktur von öffentlicher Hand aufgebaut wird, die am Ende am Bedarf vorbeigeplant ist.

Für eine saubere wissenschaftliche Herangehensweise sorgte das Unternehmen Ecolibro und ihrem Gründer Michael Schramek, die in der Mobilitätsberatung ausgewiesene Experten sind. Schramek und sein Team werteten für die Erstellung des Konzepts viele Tausend Daten aus. Zunächst bereitete Ecolibro die verfügbaren Daten für jeden Ort auf. Da wurde für jeden einzelnen Straßenzug ermittelt, wie viele Haushalte dort vorhanden sind, wo sich welche Parkplätze und Garagen befinden und wo bereits Lademöglichkeiten existieren. In einem nächsten Schritt stellten sie fest, wo sich welche Fahrzeuge befinden und welchen Parkflächen sie zuzuordnen sind. Und wenn die Auswertung der Daten nicht ausreichte oder sich Fragen ergaben, gab es eine Ortsbesichtigung.

Als nächstes ging es dann um einen Blick in die Zukunft: Wie viele Elektrofahrzeuge wird es in den nächsten 5, 10 und 15 Jahren im jeweiligen Quartier geben? Doch wie kriegt man das hin – diesen Blick in die Glaskugel, ohne raten zu müssen? Claudia Probst erklärt: „Wir haben hier die Sinus-Milieustudie zurate gezogen, die Aufschluss darüber gibt, wie sehr die jeweilige Bevölkerungsschicht an Traditionen festhält, einer Modernisierung offen gegenübersteht oder sich neu orientiert.“ Anhand dieser Grundorientierungen und der jeweiligen sozialen Lage lässt sich recht zuverlässig auch die Bereitschaft berechnen, auf E-Mobilität umzusteigen.

Und so ergaben sich aufgrund der einzelnen Szenarien ganz konkrete Aussagen darüber, an welchen Punkten eine öffentliche Ladesäule sinnvoll ist. Das Ergebnis der Studie: „Es haben sich nur vier potenzielle Standorte ergeben: im Bereich der Universität Koblenz, auf der Horchheimer Höhe, im Bereich des Koblenzer Hauptbahnhofs sowie in der Nähe der Hochschule WHU in Vallendar. An allen anderen Standorten ist kein ausreichender Bedarf absehbar, sodass dort öffentliche Ladesäulen in absehbarer Zeit nicht wirtschaftlich zu betreiben sind“, fasst Claudia Probst zusammen. Wer es ganz genau wissen will, der kann sich mithilfe der Spezialsoftware, über die die evm dazu verfügt, informieren und über eine Landkarte in die einzelnen Gebiete hereinzoomen. 400 mal 400 Meter sind die einzelnen Kästchen groß, für die die jeweiligen Daten exakt vorliegen.

Dank der Untersuchung sind die beteiligten Kommunen nun in der Lage, das Thema nüchtern und sachlich anzugehen. Wie Studienautor Michael Schramek feststellt, sind die Ergebnisse durchaus auf die restlichen Quartiere im evm-Gebiet übertragbar. „Anhand unserer Ergebnisse können andere Städte und Gemeinden Rückschlüsse auf die Situation in ihren Orten ziehen. Generell lässt sich festhalten, dass sich in ländlich strukturierten Gebieten öffentliche Ladesäulen kaum wirtschaftlich betreiben lassen“, so Schramek.

Eine wichtige Erkenntnis lautet auch: Besitzer von E-Autos werden vor allem dort laden, wo ihr Fahrzeug längere Zeit steht – also im Wesentlichen zu Hause oder an der Arbeitsstätte. Kaum aber, wenn sie einkaufen, zum Arzt gehen oder etwas Anderes in der Stadt erledigen. Nicht zuletzt für größere Arbeitgeber könnte es daher im Sinne der Mitarbeiter sinnvoll sein, Lademöglichkeiten auf Betriebsparkplätzen zu schaffen, wo Fahrzeuge lange stehen und sinnvoll geladen werden können. Experte Michael Schramek empfiehlt die Einrichtung einer zentralen Koordinierungsstelle Ladeinfrastruktur, um den Ausbau planen und steuern zu können. (PM)



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